Plüderhausen

Eine Ära endet nach 35 Jahren: Andreas Schaffer, Bürgermeister von Plüderhausen, geht in den Ruhestand

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Freut sich auf den Ruhestand mit seiner Frau Ute (links): Noch-Bürgermeister Andreas Schaffer (Mitte). © Ralph Steinemann Pressefoto

Nach 35 Jahren im Amt geht Andreas Schaffer Ende des Monats in den verdienten Ruhestand. Bei einem Festakt in der Staufenhalle wurde der dienstälteste Bürgermeister im Rems-Murr-Kreis am Donnerstagabend bereits offiziell verabschiedet. Coronabedingt durften lediglich rund 60 geladene Gäste daran teilnehmen. Sie konnten einen entspannt auf den Ruhestand zusteuernden Schaffer erleben. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Trio „Two Voices One Love“.

Ein besonderer Dank von Schaffer an seine Familie

In seinem „Schwanengesang“ stellte der scheidende Schultes klar: „Wir bleiben in Plüderhausen. Ansonsten gibt es keinen Plan, und genau darauf freue ich mich.“ Mit seiner Frau Ute werde er jetzt erst einmal vier Tage in Klausur gehen und den Start in diesen neuen Lebensabschnitt planen. Seiner Frau dankte Schaffer dann auch ganz besonders für das „Rückenfreihalten“ in den vergangenen 35 Jahren, für „das familiäre Rundum-sorglos-Paket“, aber auch dafür, dass sie ihn stets damit konfrontiert habe, was im Ort gerade gesprochen werde und wo etwas getan werden müsse. Sein besonderer Dank galt außerdem seinen beiden Kindern Lena und Philipp, „die nicht nur weniger Papa erlebt haben als andere, sondern auch mit dem Status als Bürgermeister-Kinder leben mussten“, was nicht nur Vorteile mit sich gebracht habe.

„Plüderhausen ist arm, aber sexy“, findet Andreas Schaffer

Schaffer dankte auch dem Gemeinderat, in dem es nicht immer ganz konfliktfrei zuging, aber „wir haben im Sinne der Hegelschen Dialektik aus These und Antithese meistens eine sinnvolle Synthese gefunden. Das war sicher manchmal zäher und schwieriger als nötig, aber ich denke, das Ergebnis, also das, was aus dieser Zusammenarbeit entstanden ist, kann sich sehen lassen.“ Sein Dank galt nicht zuletzt auch den Mitarbeitern der Verwaltung, denn „ein Großteil meiner Motivation, so lange weiterzuarbeiten, lag an der Leistungsfähigkeit, dem Verantwortungsbewusstsein, der Verlässlichkeit und Loyalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Laufbahn begann 1972 im Rudersberger Rathaus

Mit Blick auf das Ende seines Berufslebens sagte er: „Ich empfinde Wehmut, aber keinen Schmerz. 1972 nahm Schaffers Laufbahn ihren Anfang im Rudersberger Rathaus, sie führte ihn ins Landratsamt in Waiblingen, wo er persönlicher Mitarbeiter des Landrats Horst Lässing war, und als Hauptamtsleiter nach Baltmannsweiler. Die Entscheidung, 1986 dann in Plüderhausen zu kandidieren, sei eine spontane gewesen, aber eine, „die ich nie bereut habe. Ich war die ganzen 35 Jahre immer gerne Bürgermeister“. Plüderhausen habe sich in dieser Zeit gut entwickelt, „ und es ist uns gelungen, sehr viel zu machen aus den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen“.

Plüderhausen sei zwar „arm, aber sexy“, sagte Schaffer, einen Ausspruch des ehemaligen Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zitierend. Er begründete dies mit dem lebendigen Vereins- und Kulturleben, den drei Theatern und nicht zuletzt den Festtagen, die „für die Plüderhäuser Offenheit und Lebensfreude und natürlich auch das Leistungsvermögen unserer Ehrenamtlichen“ stünden.

Nun sei es aber an der Zeit, Abschied zu nehmen. „Es war mir eine große Ehre, 35 Jahre lang dieser attraktiven Gemeinde und ihren Menschen dienen zu dürfen. Auf Wiedersehen“, sagte Schaffer, der vom Publikum stehende Ovationen erhielt.

Zuvor hatten bereits mehrere Redner die Verdienste des langjährigen Bürgermeisters gewürdigt. In seiner 35-jährigen Amtszeit habe Schaffer sich nicht nur ein großes Fachwissen angeeignet, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Bürgermeister Ulrich Scheurer. Er habe auch „ein Gespür entwickelt für die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger“. Schaffer habe sich auch nie gescheut, Verantwortung zu übernehmen, und „mit hoher Kompetenz“ sowie „Sinn für Pflichterfüllung“ das Amt des Bürgermeisters ausgeübt und dabei das Wohl der Gemeinde nie aus den Augen verloren.

Durchaus kritische Töne gab es von Ulrich Scheurer (CDU)

„Die Zusammenarbeit zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat war nicht immer ein Zuckerschlecken, da in dieser Zeit auch so mancher Kampf überstanden werden musste“, sagte Scheurer, der durchaus kritisch anmerkte, dass man sich bei den im Gemeinderat häufig recht kontrovers geführten Debatten „von Seiten des Vorsitzenden mehr Verständnis und Respekt für die andere Meinung erhofft“ hätte. Nicht immer habe nur der Bürgermeister recht. „Man sah es Ihrer Mimik und Gestik, sehr geehrter Herr Schaffer, immer sehr deutlich an, wenn Ihnen eine Wortmeldung nicht passte.“

Nichtsdestotrotz habe sich in den vergangenen 35 Jahren sehr vieles verändert in Plüderhausen, und „treibender Motor war bei vielen Maßnahmen unser Bürgermeister“. Scheurer zählte rund zwei Dutzend Projekte auf, von denen hier stellvertretend die Ortskernsanierung, die Schulerweiterungen, die Gründung der Bürgerstiftung sowie die Eröffnung des Hauses am Brunnenrain sowie der Allwettersportplatz am Gänswasen genannt seien.

„Du bist für mich ein väterlicher Freund“, bekennt Landrat Sigel

Auch Landrat Richard Sigel sagte, die Liste der erfolgreichen Projekte und Entwicklungen sei lang, die Schaffer in der Gemeinde angestoßen und umgesetzt habe. Er sei „mit Leib und Seele“ Schultes und spiele mit seiner „Erfahrung und Trefferquote definitiv in der Champions League der Bürgermeister“. Auf den Fußball-Vergleich griff Sigel deshalb zurück, weil Andreas Schaffer lange Zeit in der Bürgermeister-Elf gekickt hat. Schaffer, der lange Jahre (nämlich von 2003 bis 2012) die Bürgermeister-Kreisversammlung leitete, habe er in- und außerhalb der Kommunalpolitik „stets als fairen Sportsmann kennen- und schätzen gelernt. Aufgrund des Altersunterschieds sage ich auch mit allem Respekt, du bist für mich ein väterlicher Freund.“

Große Verdienste um die Remstal-Gartenschau

Der Landrat stellte vor allem Schaffers Verdienste um die Gartenschau heraus. Er sei „einer der zentralen Manager und Macher im Hintergrund“ gewesen. „Es war einer der Gründe, noch einmal in eine fünfte Amtszeit zu gehen.“ Mit seiner Erfahrung und Begeisterung habe der Plüderhäuser Schultes viele Skeptiker überzeugt. „Ich behaupte, du hast mit diesem Einsatz maßgeblich dazu beigetragen, dass die Remstal-Gartenschau zustande gekommen ist. Ich behaupte, ohne dich wäre die Remstal-Gartenschau vielleicht sogar gescheitert.“

Schaffer habe früh die Bedeutung interkommunaler Zusammenarbeit erkannt: beim Forst, bei der Digitalisierung der Schulen oder beim Hochwasserschutz. „Zusammen schaffen statt sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen, das ist ein Erfolgsrezept“, für das er ein Musterbeispiel sei.

Mögliche Antworten auf das "Phänomen Schaffer"

„Für alle außerhalb von Plüderhausen ist dieser Andreas Schaffer schon ein Phänomen“, meinte Thomas Bernlöhr, Schultes von Welzheim und Vorsitzender der Bürgermeister-Kreisversammlung. Seinen scheidenden Amtskollegen bezeichnete er als „Grandseigneur der Bürgermeisterriege“. Ihm persönlich falle immer wieder neu auf, „welch jugendliche Leichtigkeit und Agilität“ der 66-Jährige aufweise. Das sei womöglich der erste Schlüssel zur Erklärung des Phänomens Andreas Schaffer. Bernlöhr sagte, er sei sich unsicher, ob das Amt und die Aufgaben ihn so jung gehalten hätten – „oder ob er durch seine jugendliche Leichtigkeit das Amt immer wieder neu und deshalb auch so lange ausgefüllt hat“.

Der zweite Schlüssel sei, „dass es bei ihm auch durchaus zu Höherem gereicht hätte, ein OB wäre wohl drin gewesen“. Und der dritte Schlüssel sei „ganz sicher der Sport“, ob Tennis, Fußball oder Radfahren. Und das im Privaten wie im Kreise der Rathauschefs, wo er sich durch seine langjährige Tätigkeit als „Sprecher der Bürgermeister“ nicht nur eine „bis heute spürbare Autorität verschafft“ , sondern auch stets auf „das persönliche gedeihliche Miteinander“ Wert gelegt habe.

Schaffers Amtsverständnis als Bürgermeister bringe folgendes Zitat ganz gut auf den Punkt, so Bernlöhr: „Wir müssen jeden Tag einen Wunsch ausschlagen. Deshalb muss es unser Ziel sein, jeden Tag auch mindestens einen Wunsch zu erfüllen.“

Mit Tschernobyl gekommen, mit Corona gegangen

35 Jahre im Amt, das sei „unglaublich“, meinte Norbert Zeidler in seiner Video-Grußbotschaft. Der frühere Remshaldener Bürgermeister und OB von Biberach konnte aufgrund der verheerenden Hochwasserschäden in seiner Stadt nicht persönlich anwesend sein. Zu seinem Freund Schaffer sagte er scherzhaft: „Lieber Andreas, du bist praktisch mit Tschernobyl und dem Waldsterben gekommen und verlässt Plüderhausen mit Corona.“

Er habe Schaffer vieles zu verdanken, sagte Zeidler. Als er 1998 Bürgermeister in Remshalden wurde, „war der Empfang nicht überall von Liebkosungen geprägt. Ich hatte in dieser Zeit mit dir einen verlässlichen Partner und Ratgeber, der mir geholfen hat, so manche Klippe zu umschiffen“. Dabei sei er „nie belehrend oder besserwisserisch“ aufgetreten, „das war immer kollegial, offen und vor allem ehrlich“.

Schaffer sei „ein feiner Kerl, ein feiner Mensch, einer, der den Sportler zum Glück nie abgelegt hat, einer, der genießen kann, der Können und Qualität geschätzt und anerkannt hat“. Beruflich hätte er durchaus auch etwas anderes machen können, an Anfragen und Gelegenheiten habe es nie gemangelt. Er sei aber Plüderhausen stets treu geblieben.

„Du hast eine unglaubliche Wirkkraft entfaltet“, meint Norbert Zeidler

„Seinen Platz über eine so lange Zeit hier zu sehen, das spricht für eine beiderseitige Wertschätzung! Du hast hier eine unglaubliche Wirkkraft entfaltet, deine Mitarbeiter haben dich gemocht, mit deinen Räten bist du - bis auf wenige Ausnahmen - exzellent ausgekommen. Du warst in Plüderhausen freilich Bürgermeister, aber immer auch Mensch und Privatperson“, was er vor allem seiner Frau Ute zu verdanken habe. „Daraus lässt sich vieles ableiten für eure gemeinsame Zukunft.“ Diese neue Zukunft beginnt ab kommenden Donnerstag. Dann wird Benjamin Treiber die Amtsgeschäfte in Plüderhausen übernehmen.

Nach 35 Jahren im Amt geht Andreas Schaffer Ende des Monats in den verdienten Ruhestand. Bei einem Festakt in der Staufenhalle wurde der dienstälteste Bürgermeister im Rems-Murr-Kreis am Donnerstagabend bereits offiziell verabschiedet. Coronabedingt durften lediglich rund 60 geladene Gäste daran teilnehmen. Sie konnten einen entspannt auf den Ruhestand zusteuernden Schaffer erleben. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Trio „Two Voices One Love“.

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