Plüderhausen

Gemeinderat stimmt umstrittenem Bebauungsplan zu

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Hier am Ortsrand von Plüderhausen wird eine Baulücke geschlossen. Laut Bebauungsplan ist ein Sieben-Familienhaus vorgesehen. © ZVW/Gabriel Habermann

Plüderhausen. Mehr als vierzig Jahre war an dem Hang nur eine Wiese. Jetzt soll die Baulücke in der Plüderhäuser Halde 52 geschlossen werden. Trotz zahlreicher Einwendungen der Anwohner gegen das Projekt hat der Gemeinderat dem geänderten Bebauungsplan nun zugestimmt. Denn die Gemeinde benötigt Wohnraum. Und der soll bevorzugt durch Nachverdichtung im Innenraum geschaffen werden.

Wie groß die Bedenken der Nachbarn gegen das Projekt sind, zeigt bereits die Länge des Anhangs, den die Verwaltung zu dem Tagesordnungspunkt veröffentlicht hat. Auf 36 DIN-A-4-Seiten sind die Einwendungen dokumentiert, 30 davon stammen von den Anwohnern. Darunter befinden sich fünf schriftliche Einwendungen sowie drei Unterschriftenlisten, die von insgesamt 38 Personen unterzeichnet wurden.

Die Kritik in Kürze: Das Gebäude mit seinen geplanten sieben Wohneinheiten und dem terrassierten Bau sei zu groß, füge sich nicht in die Umgebung ein, sei vielmehr eine Gefälligkeitsplanung ohne städtebauliche Rechtfertigung, würde die ohnehin schwierige Parksituation verschärfen und keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Nachbarn nehmen. Die Änderung des Bebauungsplans sei daher abzulehnen.

Die Gemeinde hat sich viel Zeit genommen, um diese Kritik gründlich zu prüfen, hat alle Punkte schriftlich beantwortet – und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass es aus ihrer Sicht keinen Bedarf für Änderungen am Bebauungsplan gibt. Dies hatte nun der Gemeinderat zu prüfen. Harald Wahl vom gleichnamigen Planungsbüro trug die Sicht der Verwaltung vor.

Unruhe unter den zahlreichen Zuhörern der Sitzung

Und die lautete, in Kürze: Terrassierte Gebäude seien nach dem ursprünglichen Bebauungsplan von 1974 zugelassen, auch beim Nachbargebäude handle es sich um ein solches. Vorrangiges städtebauliches Ziel sei es, die Baulücke zu schließen – nur weil sich dieses Ziel mit dem des Bauherrn decke, sei dies keine Gefälligkeitsplanung. Und mit zwei vorgeschriebenen Parkplätzen pro Wohnung würde man sogar die übliche Vorgabe der Gemeinde überschreiten.

Je länger die Ausführungen dauerten, umso unruhiger wurde es in den Besucherrängen. „Als Zuhörer empfinde ich das als Zumutung“, „ich weiß nicht, wie lange ich mir das noch anhöre“, war von dort unter anderem zu hören. Auch, weil der Gemeinderat den Ausführungen des Planers ohne große Diskussion folgte und die in der Vorlage formulierten Beschlüsse bei wenigen Enthaltungen stets befürwortete.

Barrierefrei und seniorengerecht

Klaus Harald Kelemen war es, der das Kippen der Stimmung spürte und sich zu Wort meldete. „Wir dürfen das nicht durchnudeln“, mahnte der SPD-Rat, der das Projekt aber zugleich verteidigte: „Ich bin dafür, dass wir hier nachverdichten.“ Der Bedarf an Wohnraum sei vorhanden.

Die Behauptung von Anwohnern, es handle sich hier um einen Luxusbau wies er zurück – und betonte vielmehr, dass hier barrierefrei und damit auch seniorengerecht gebaut werde. Auch die Idee, stattdessen am Grünen Anger zu bauen, lehnte er ab: „Baut doch da unten und lasst uns da oben in Ruhe, das schwingt da mit.“

Mehr Parkplätze vorschreiben?

Sieben Wohnungen auf einem 14-ar-Grundstück seien aus seiner Sicht akzeptabel. Gleichwohl plädierte er dafür, dem quadratisch-flachen Entwurf eine leichte Dachneigung zu verpassen und mehr Parkplätze vorzuschreiben. Was aber, wie Planer Wahl erwiderte, gar nicht möglich ist. Das Landesbaurecht lasse bei Bebauungsplänen lediglich eine Maximalvorgabe von zwei Stellplätzen pro Wohnung zu.

Dass es an der Stelle künftig Parkprobleme geben werde, sei absehbar, fand CDU-Rat Andreas Theinert. „Allerdings sind die Vorschriften erfüllt, sogar übererfüllt, deshalb können wir es nicht ablehnen.“

Und Erich Wägner (GLU) meinte: „Auf dem großen Grundstück bietet sich eine Terrassierung an.“ Innenverdichtung sei aus seiner Sicht der Erschließung weiterer Außenflächen vorzuziehen. Hätte man alle Baulücken in der Gemeinde bereits geschlossen, sei ein Baugebiet wie Hohrain/Gländ womöglich gar nicht nötig gewesen. Wägner gab zudem zu bedenken, dass eine Ablehnung der Planänderung vom Landratsamt wieder kassiert werden könne.

Mehrheit für leichte Satteldachoptik

Bei drei Enthaltungen wurde die Änderung des Bebauungsplans schließlich vom Gemeinderat beschlossen. Kelemens Vorschlag, dem Bauherrn eine leichte Satteldachoptik nahezulegen, fand bei sieben Ja-, vier Neinstimmen und einer Enthaltung mehrheitlich Zustimmung.

„Das war eine interessante Erfahrung“, meinte im Anschluss einer der anwesenden Nachbarn beim Herausgehen aus dem Sitzungssaal. Dass es für ihn eine positive gewesen war, davon ist nicht auszugehen.


Keine Gefälligkeitsplanung

„Der Bebauungsplan ist keine Gefälligkeitsplanung, sondern eine Planung, bei der sich das städtebauliche Konzept der Gemeinde mit dem Planungswunsch des Grundstückseigentümers deckt. Aus dieser Deckungsgleichheit lässt sich nicht schließen, die Gemeinde verfolge kein eigenes tragfähiges, städtebauliches Konzept.“ So heißt es in der Vorlage als Antwort auf die von Nachbarn mehrfach vorgebrachten Einwendungen, der Bebauungsplan sei ausschließlich zu dem Zweck aufgestellt worden, um den Bauwunsch des betroffenen Grundstückseigentümers erfüllen zu können.

Zu diesem Eindruck mag beigetragen haben, dass Bürgermeister Andreas Schaffers Schwager das planende Architekturbüro leitet.

Auch Gemeinderat Silvan Vollmar (FW-FD) ist in dem Büro beschäftigt. Beide, Schaffer und Vollmar, waren aber, da befangen, weder an der Diskussion noch der Entscheidung über den Bebauungsplan beteiligt, sondern nahmen bei den Zuhörern Platz. Die Sitzung leitete der stellvertretende Bürgermeister und CDU-Rat Ulrich Scheurer.