Plüderhausen

Hochwasser: „Wir wussten nicht, was noch kommt“

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In Plüderhausen sind Hochwasserschäden ausgeblieben: Bürgermeister Andreas Schaffer (links) an der angeschwollenen Rems im Gespräch mit Vertretern der Feuerwehr. © Ramona Adolf

Schorndorfer Umland. Es war stellenweise knapp: Zum Glück aber sind auch im Schorndorfer Umland Überschwemmungen und Hochwasserschäden ausgeblieben. In Rudersberg rückte die Feuerwehr aus, um einen Baum zu beseitigen, der nach einem Sturm über der Straße hing. Kontrollen aber gab es in der Nacht zum Montag in allen Gemeinden.

In Urbach war zwar die Feuerwehr mit sechs Leuten im Einsatz. Hier ging es aber mehr um die Kontrolle zum Wettergeschehen, weiß Feuerwehrkommandant Michael Hurlebaus. In der Nacht, von etwa 22 bis zwei Uhr morgens, waren die Helfer unterwegs und prüften, ob die Rems Ausreißer macht und der Urbach in seinem Bett bleibt. An Brücken wurde geschaut, dass sich kein Treibgut ansammelt, um einen Rückstau zu vermeiden. Ebenso wurde an einem Überlauf in der Urbacher Mitte darauf geachtet, dass dort nichts herauskommt. In der Kläranlage wurde nach dem Rechten gesehen und die Mitarbeiter dort wurden unterstützt. Dem Feuerwehrkommandanten sind keine Sachschäden in Urbach bekannt. „Bei uns war das alles gestern noch im grünen Bereich“, bilanziert er am Montag zu Materialschäden. Ein Teil des Rems-Radwegs wurde vom Bauhof gesperrt.

Messungen und Routinekontrollen an Schwachstellen

„Plüderhausen ist weitgehend verschont geblieben“, zieht Bürgermeister Andreas Schaffer Bilanz. „Wir waren natürlich in Bereitschaft, weil wir diese Katastrophe in Gmünd mitbekommen haben und die Rems sehr schnell gestiegen ist.“ Der Wasserstand des Flusses wurde an der Mittleren Brücke gemessen und stieg zeitweise innerhalb von zehn Minuten um sieben Zentimeter. Die Feuerwehr war in Bereitschaft. Routinekontrollen erfolgten an Seitenzuflüssen und Schwachstellen, zum Beispiel am Lindhaldenweg. Der führt ein Stück weit in den Remsbereich hinein und wurde gesperrt. An Schwachstellen, so zeigte sich, war noch Luft. Aber: „Wir wussten nicht, was noch kommt“, gab Schaffer zu bedenken. Schließlich kam dann die Nachricht, dass in Gmünd die Pegelstände fallen. Die Gemeindeverwaltung stand auch in engem Kontakt mit dem Wasserverband. Insgesamt waren eine Gruppe der Feuerwehr mit rund 20 Leuten sowie Mitarbeiter des Bauhofs im Einsatz. Sie stellten Absperrmaterial bereit und überwachten Kanäle sowie die Kläranlage.

In Rudersberg hat Feuerwehrkommandant Joachim Stocker am Funk das Geschehen auch in Plüderhausen und Schorndorf mitverfolgt. Rudersberg wurde glücklicherweise nicht von einem Hochwasser heimgesucht.

Stocker: An Katastrophe „vorbeigeschrammt“

„Ich glaube, wir sind an einer großen Katastrophe vorbeigeschrammt“, meint Joachim Stocker. Einen Einsatz brachte das Wetter mit sich. Die Feuerwehr beseitigte einen kleineren umgestürzten Baum zwischen dem Rettichkreisel und Allmersbach, zwölf der ehrenamtlichen Brandretter und zwei Fahrzeuge waren vor Ort. Die Feuerwehr machte zudem Kontrollfahrten und behielt neuralgische Punkte im Blick, zum Beispiel die Adlerbrücke in Schlechtbach. Ein bestimmter Wasserstand dort signalisiert: Achtung, es geht bald los. Auch die Wieslauf und ein Bach gegenüber der Gemeindehalle wurden geprüft. Ebenso wurden die Regenrückhaltebecken kontrolliert. Ein Bach, der früher bei solchen Anlässen viel Schaden verursacht hat, ist der Glasofenbach, weiß der Kommandant. Hier hat das entsprechende Regenüberlaufbecken aber seine Dienste getan. Es waren auch sechs Feuerwehrleute rund zweieinhalb Stunden in Bereitschaft.

Ab 4 Uhr sank der Pegel in Remshalden

Am Hochwasserrückhaltebecken bei Winterbach waren in der Nacht die Stauwärter im Einsatz. Auch der stellvertretende Bürgermeister Rudolf Rörich – der hauptamtliche Rathauschef Albrecht Ulrich ist im Urlaub – war vor Ort, ebenso Feuerwehr und Bauamtsleiter Rainer Blessing. Einstauen mussten die Stauwärter das Becken dann aber letztendlich nicht, wie Blessing berichtet. „Die haben das am Oberlauf so gut gemanagt“, sagt er. „Aber wir waren gewappnet, wir hätten einstauen können.“ Schäden sind aus Winterbach keine bekannt.

In Remshalden ist Andreas Schneider vom Bauamt für die Kontrolle der Pegelstände in einer Alarmsituation wie der von Sonntagnacht zuständig. Auch in Remshalden kam es nicht zu Schäden. Doch Andreas Schneider beschreibt die Lage durchaus als angespannt: „Wir wussten nicht, wie sich das weiter auswirkt.“ Gegen 4 Uhr morgens registrierte Schneider den höchsten Pegelstand der Rems am Messpunkt bei der Kläranlage in Grunbach, ab dann sank der Wasserstand langsam wieder.

Es war knapp. 60 Zentimeter fehlten, sagt Andreas Schneider, dann wären die Wiesen zwischen Geradstetten und Winterbach vollgelaufen. Von dort wäre das Wasser wegen des Gefälles ins Gewerbegebiet Oberer Wasen weitergeflossen. Deswegen hat der Bauhof schon vorsorglich den Damm davor dichtgemacht. Er ist von einem Feldweg durchbrochen, kann aber mit einem sogenannten Dammbalken verschlossen werden.

Nachdem am Morgen klar gewesen sei, dass in Remshalden alles im grünen Bereich ist, hat die Gemeinde dem stark betroffenen Schwäbisch Gmünd Unterstützung durch Feuerwehr und Bauhof angeboten. Bis zum Redaktionsschluss unserer Zeitung wurde diese jedoch nicht abgerufen.