Plüderhausen

Katastrophenschutz in Plüderhausen: Ist die Gemeinde für den Ernstfall gerüstet?

Sirene auf dem Dach Rathaus Plüderhausen
Die Sirene auf dem Dach des Plüderhäuser Rathauses. © Büttner

Eine Flutkatastrophe wie im Ahrtal, Stromausfälle im Winter oder Waldbrände: Kommunen haben eine Pflicht, für Katastrophen vorzusorgen und Notfallpläne für ihre Einwohnerinnen und Einwohner parat zu haben. Vertreter der Plüderhäuser Verwaltung gaben deshalb im Gemeinderat Auskunft darüber, wo Plüderhausen bei dem Thema steht. Im Gemeinderat gab es dazu noch Diskussionsbedarf, grundsätzlich ist das Gremium aber mit der Planung der Verwaltung einverstanden. Diese teilt den Katastrophenschutz wie folgt in vier Themenfelder auf, die sie im Gemeinderat vorstellte.

Themenfeld 1: Wie könnte die Notstromversorgung geregelt werden?

Das Feuerwehrhaus verfügt über eine eigene Notstromversorgung, von der das Rathaus aber größtenteils abgetrennt ist. Telefon und Internet für die Feuerwehr hängen wiederum vom Rathaus ab. Die Verwaltung will deshalb wieder eine Kopplung der beiden Gebäude für die Notstromversorgung anstreben und klärt deswegen mit dem Energieversorger, wie die Verkabelung und die Versorgung im Hinblick auf die Netzstruktur ausgeführt sind. Längerfristig sei jedoch eine weiterführende Versorgung des Rathauses notwendig. Dafür müsste geklärt werden, wo die Feuerwehr sich in Zukunft befinden soll. Und auch das Notstromaggregat im Feuerwehrhaus müsse auf Dauer ausgetauscht werden.

Statt die Staufenhalle und die Schlossgartenschule, wie in einer älteren Untersuchung empfohlen, könnten die beiden Hohbergsporthallen mit angrenzender Mensa und Grundschulbetreuung als Notunterkunft dienen. Dafür muss die Gemeinde allerdings ein Notstromaggregat anschaffen, eine Einspeisemöglichkeit für dieses umsetzen und die Wärmeversorgung sicherstellen. Kommt es im Bereich der Sporthallen zu einer Krise, würden dann allerdings keine Notunterkünfte zur Verfügung stehen. In diesem Falle würde die Verwaltung versuchen, Menschen in umliegenden Kommunen unterzubringen. Sollten diese vom selben Ereignis betroffen sein, gäbe es allerdings keine Lösung. Es gibt zwar andere Gebäude und Einrichtungen in der Gemeinde, diese verfügen aber nicht über eine Notstromversorgung.

Die Wasserbehälter der Gemeinde verfügen nicht über eine Notstromversorgung. Im Katastrophenfall kommt aber über die Landeswasserversorgung noch in verringerter Kapazität Wasser an. Die Tankkapazität würde für einen Betrieb von bis zu drei Tagen reichen.

Themenfeld 2: Kraftstoffversorgung und Reserven für Wärmeerzeugung

Die Gemeinde Plüderhausen hält an mehreren Stellen Kraftstoffe vor: Die Feuerwehr hat Kraftstoffreserven von 120 Litern in einem Tank und weiteren 60 Litern in Kanistern für das Notstromaggregat. Der Bauhof hält außerdem in begrenztem Umfang Kraftstoffreserven für den Betrieb der Feuerwehrfahrzeuge und der tragbaren Notstromaggregate am Bauhof vor. Die Menge muss nach Meinung der Verwaltung auf Dauer aber erhöht werden. Aktuell beträgt die Lagerkapazität 3500 Liter Diesel und 333 Liter Benzin. Wenn die Füllmenge auf etwa 50 Prozent sinkt, füllen die Gemeindemitarbeiter den Kraftstoff wieder auf. Der Dieseltank benötigt eine Notstromversorgung, damit die Entnahme auch bei einem Stromausfall möglich ist. Die Verwaltung ist momentan dabei, Angebote für weitere Tanks einzuholen.

Die Gebäude an der Hohbergschule können via Blockheizkraftwerk geheizt werden, ansonsten springen eine Ölheizung und im dritten Schritt eine Gastherme ein. Bei Ausfall der Gasversorgung bleibt nur die Ölheizung als Reserve. Der Heizöltank hat ein Volumen von 150 000 Litern, was ungefähr dem Jahresverbrauch in früheren Jahren entspricht.

Themenfeld 3: Was passiert im Fall von Hochwasser oder Starkregen?

Ein Konzept für das Risikomanagement im Fall von Starkregen hat der Wasserverband Rems bereits in Auftrag gegeben. Bis Ende 2022 sollen in der Region laut der Verwaltung fünf weitere Pegel installiert werden. Hochwassergefahrenkarten sind für die Region verfügbar und sollen erneuert werden, lassen aber auf sich warten. Plüderhausen ist zudem an ein Warnsystem für Fluten angebunden, für das auch die Feuerwehr einen Zugang hat.

Themenfeld 4: Funktioniert die Warnung der Bevölkerung mit Sirenen?

Laut eines Schallgutachtens, das vom Landratsamt in Auftrag gegeben wurde, sollten in Plüderhausen an sieben Standorten Sirenen installiert werden, um eine flächendeckende Warnung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die optimalen Standorte sind laut der Verwaltung aber nicht verfügbar. Die Verwaltung hat deshalb beim Kreis angeregt, einen neuen Prüfauftrag zu erteilen. Es sollen aber trotzdem sieben Sirenen angeschafft oder erneuert werden, was die Gemeinde um die 100 000 Euro kosten würde. Zunächst sollen 2023 deshalb für 40.000 Euro zwei Sirenenstandorte umgesetzt werden.

Die Gemeinde müsse sich stärker auf so etwas vorbereiten und interkommunaler denken, so Vertreter der Verwaltung im Gemeinderat. Dafür seien finanzielle Mittel notwendig. Bürgermeister Benjamin Treiber stellte fest: „Da steckt wirklich viel dahinter.“ Beim Thema Sirenen hoffe die Verwaltung auf weitere Förderrunden. Die finanziellen Auswirkungen, um beim Katastrophenschutz nachzubessern, schätzt die Gemeinde auf knapp 400.000 Euro.

Was der Gemeinderat dazu sagt

„Für mich ist das alles logisch und durchgängig“, sagte CDU-Rat Andreas Theinert zur Festlegung der Hohbergsporthallen als Notunterkunft und zur Vorstellung der Maßnahmen allgemein. Sein Fraktionsvorsitzender Ulrich Scheurer äußerte Bedenken: „Im Ernstfall können wir uns nicht auf Hilfe von außen verlassen.“ Er regte an, Katastrophenszenarien in Form einer Übung „einmal durchzuspielen“, um besser für Ernstfälle gerüstet zu sein.

FW-FD-Rat Carlo Fritz wies darauf hin, dass die Kraftstoffreserven unter Umständen im Katastrophenfall nur bei 50 Prozent der möglichen Vorratsmenge wären, wenn eine Katastrophe beim niedrigsten Füllstand vor dem Nachfüllen eintreten sollte. „Deswegen möchten wir auch einen weiteren Tank installieren“, antwortete Treiber.

Beschluss fällt einstimmig

„Vor einem Jahr hätte ich noch gefragt, was soll das alles?“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Harald Kelemen. Das sei nun nicht mehr so, er unterstütze die Planung für Katastrophen ausdrücklich.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig, im Haushaltsplanentwurf 2023 die Mittel, die die Verwaltung vorgeschlagen hat, für die Umsetzung der Notstrom- und Treibstoffbevorratung bereitzustellen. Eine Betankung mit Heizöl an der Hohbergschule für den bevorstehenden Winter soll bereits für den kommenden Winter umgesetzt werden. Am Bauhof beziehungsweise im Feuerwehrhaus sollen weitere Lagermöglichkeiten für Treibstoffe geschaffen werden.

Eine Flutkatastrophe wie im Ahrtal, Stromausfälle im Winter oder Waldbrände: Kommunen haben eine Pflicht, für Katastrophen vorzusorgen und Notfallpläne für ihre Einwohnerinnen und Einwohner parat zu haben. Vertreter der Plüderhäuser Verwaltung gaben deshalb im Gemeinderat Auskunft darüber, wo Plüderhausen bei dem Thema steht. Im Gemeinderat gab es dazu noch Diskussionsbedarf, grundsätzlich ist das Gremium aber mit der Planung der Verwaltung einverstanden. Diese teilt den Katastrophenschutz

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