Plüderhausen

Krieg in der Ukraine: Pastor Mochnenko ist seit acht Jahren an der Frontlinie

Mochnenko
Gennadiy Mochnenko auf einer Aufnahme von Januar vor einem zerstörten Gebäude im ostukrainischen Kriegsgebiet. © privat

Wladimir Putin hat es getan. Am frühen Donnerstagmorgen schickte der russische Präsident Truppen aus drei Richtungen ins Nachbarland Ukraine. Um, wie er in einer darauffolgenden Rede begründete, das Land zu demilitarisieren und zu denazifizieren.

Es ist also das eingetreten, was seit Wochen zu befürchten und letztlich auch nicht mehr zu verhindern war: ein Landkrieg in Europa.

Für Gennadiy Mochnenko ist das indes keine neue Situation. Der Pastor lebt in der Hafenstadt Mariupol, wo er bereits Tausenden Straßenkindern ein neues Leben ermöglichte. Über den 53-Jährigen, den eine enge Freundschaft mit dem Plüderhäuser Pastor Michael Knospe vom Christlichen Zentrum Life verbindet, haben wir in der Vergangenheit bereits mehrfach berichtet.

Luftangriffe auf die Stadt Mariupol

Mochnenkos Heimatstadt Mariupol befindet sich unweit der vor acht Jahren von Russland annektierten Halbinsel Krim und nur 15 Kilometer entfernt von einer Frontlinie. Denn in diesem Teil der Ukraine herrscht nicht erst seit Donnerstag Krieg, sondern bereits seit 2014, als im Osten des Landes russische Separatisten mit Angriffen begannen. Am Mittwoch sind im Stadtzentrum noch Menschen auf die Straße gegangen, um gegen einen Einmarsch des Nachbarlands zu demonstrieren.

Nun hat das russische Militär auch die 440 000-Einwohner-Stadt angegriffen. Mochnenko berichtet von Luftangriffen auf den Flughafen. Aber über dem Stadtzentrum sollen laut dem Pastor am Morgen Raketen abgeworfen worden sein. Im Internet kursieren Aufnahmen, die Explosionen am frühen Morgen zeigen sollen.

Die meisten Bewohner bleiben vorerst in der Stadt

„Es herrscht hier aber keine Panik“, berichtet der 53-Jährige im Videotelefonat. Die meisten Bewohner seien vorerst in der Stadt geblieben. Vor Apotheken, Tankstellen und Lebensmittelgeschäften hätten sich, nachdem die Angriffe aufgehört hatten, aber lange Schlangen gebildet.

Mochnenko selbst befindet sich am Donnerstagmorgen in seiner Kirche. „Wir sind vorbereitet auf eine solche Situation“, sagt er. In dem Gebäude hätten sie einen speziellen Raum, wo sie bei Luftangriffen geschützt seien und wo er und die Waisenkinder im Falle eines längeren Krieges auch eine Weile ausharren können.

Gleichzeitig will er jetzt aber dabei helfen, Menschen aus Mariupol aufs Land zu bringen, wo es wahrscheinlich sicherer für sie ist. Für den Ernstfall seien er und seine Waisenkinder aber auch darauf vorbereitet, aus der Stadt zu fliehen.

Dass Putin jetzt die Hafenstadt im Südosten der Ukraine einnehmen wird, glaubt und hofft er allerdings nicht.

Der Krieg hat in Mariupol nicht erst jetzt begonnen

Auf die Kriegserklärung hat Mochnenko dann auch abgeklärt reagiert. „Ich lebe seit acht Jahren an der Frontlinie und bin schon mehrfach in Lebensgefahr geraten.“

Von seinem Wohnhaus aus könne er direkt ins Kriegsgebiet schauen. Krieg in der Ukraine? „Das hat für uns nicht erst heute begonnen.“

Anders sei das natürlich für die meisten Ukrainer, die bislang in Sicherheit gelebt hatten und den Anblick von zerstörten Häusern sowie das Geräusch von Explosionen nicht gewohnt seien.

Der Alltag geht in der Stadt vorerst weiter

Während des Videogesprächs mit der Zeitung wechselt Mochnenko, als er durch seine Kirche läuft, vom Englischen ins Russische und ruft den Kindern etwas zu. „Ich versuche, sie zu inspirieren und aufzumuntern“, sagt der Pastor. Man sieht, dass in dem Gotteshaus der Alltag weitergeht, dass Mädchen Bilder malen, ja sogar lächeln.

Wie die Situation sich entwickelt? Das kann auch Mochnenko nur mutmaßen. Nach acht Jahren der permanenten Unsicherheit ist der 53-Jährige aber auf alles eingestellt.

Wladimir Putin hat es getan. Am frühen Donnerstagmorgen schickte der russische Präsident Truppen aus drei Richtungen ins Nachbarland Ukraine. Um, wie er in einer darauffolgenden Rede begründete, das Land zu demilitarisieren und zu denazifizieren.

Es ist also das eingetreten, was seit Wochen zu befürchten und letztlich auch nicht mehr zu verhindern war: ein Landkrieg in Europa.

Für Gennadiy Mochnenko ist das indes keine neue Situation. Der Pastor lebt in der Hafenstadt Mariupol,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper