Plüderhausen

Plüderhausen: Könnten bald Tiny Houses an der Münzenhalde stehen?

Münzenhalde Tiny Houses
Viel Platz ist an der Münzenhalde nicht mehr – für Tiny-Häuser sollte es aber reichen. Die Müll-Container an der Stelle zu verlegen, wäre laut der Verwaltung schwierig. © Habermann

Bezahlbarer Wohnraum in der Region ist knapp. Weil es günstiger ist als ein großes Haus, oder aus Gründen des Minimalismus und der Flexibilität, wollen manche Menschen statt in einem Haus oder einer geräumigen Wohnung lieber in einem Tiny House, also einem Haus in Miniaturform, wohnen. Auch die Plüderhäuser Verwaltung bekommt immer wieder entsprechende Anfragen. Einen Stellplatz für das kleine Gebäude zu finden, ist für Anhänger dieser alternativen Wohnform aber mitunter schwierig, da dafür nicht jedes Grundstück infrage kommt. Die Plüderhäuser Verwaltung hat nun einen Vorschlag für ein kleines Tiny-House-Gebiet gemacht, der bei manchen Gemeinderäten auf Begeisterung stößt – anderen aber überhaupt nicht gefällt.

Was schlägt die Verwaltung vor?

Immer wieder gehen Anfragen zu Tiny-House-Stellplätzen bei der Plüderhäuser Verwaltung ein. Sie könnte sich nun vorstellen, dass an der Münzenhalde, direkt an der nördlichen Gemarkungsgrenze zu Urbach, ein Grundstück für sie entstehen könnte. Dort befindet sich eine Fläche im Eigentum der Gemeinde, die für eine klassische bauliche Nutzung nicht infrage kommt. Der Grund ist ein bestehendes Leitungsrecht, also das Recht eines Versorgungs- oder Telekommunikationsunternehmens, auf einem fremden Grundstück eine oder mehrere Leitungen zu verlegen und zu betreiben.

Je nach Bebauungsvorschlag könnten dort aber drei oder vier Grundstücke mit unterschiedlichen Größen für die Aufstellung von Tiny Houses geschaffen werden. Auch die kleinen Gebäude können nicht überall aufgestellt werden, sondern benötigen laut der Verwaltung Baugrund, eine gesicherte Erschließung und Infrastruktur. Außerdem seien Anforderungen an Statik und Brandschutz zu erfüllen und sie unterliegen der Nachweisverpflichtung von baurechtlich erforderlichen Stellplätzen. All dies könnte nach Meinung der Verwaltung an der Münzenhalde geschaffen werden beziehungsweise bestünde teilweise schon. Das Bebauungsplanverfahren will die Verwaltung nach Paragraf 13 b, also beschleunigt, durchführen.

Ein Argument für den Standort ist laut der Verwaltung, dass die Flächen schon erschlossen sind, eine Straße besteht bereits. Verlegt werden müssten von der Gemeinde laut Bauamtsleiter Ludwig Kern nur Wasser- beziehungsweise Abwasserleitungen. Die Bäume vor Ort sollen erhalten bleiben.

SPD-Rat Kelemen ist begeistert

„Ich möchte klar sagen, ich finde den Vorschlag supertoll“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Harald Kelemen im Technischen Ausschuss der Gemeinde. Er lobte die Verwaltung für den Vorschlag und meinte, „das ist ein idealer Platz“ im Grenzbereich zu Urbach. „Wir machen dort nichts Schlimmes kaputt.“ Drum herum gebe es ohnehin nicht viel, außerdem befänden sich die kleinen Häuser im Grünen. „Das ist der beste Vorschlag heute Abend.“

Weniger begeistert zeigte sich Gemeinderätin Elke Mück (Grüne Liste Umwelt). Sie sprach sich gegen ein beschleunigtes Bebauungsplanverfahren aus. „Uns geht es nicht so wie Herrn Kelemen“, sagte sie außerdem. „Warum sollten wir den letzten schönen Flecken von Plüderhausen bebauen?“ Wohnraum an der Stelle wäre zwar nett, aktuell könnten aber Kinder und Hunde auf der Wiese spielen. Stünden dort Tiny-Häuser, wäre für diese kein Platz mehr, um dort zu toben. Sie erkundigte sich außerdem danach, ob auf die Anwohner der Münzenhalde Anliegergebühren zukämen, was sie definitiv nicht befürworte.

Grundstücke eignen sich zum Verpachten

„Das kommt darauf an, wie man es ausgestaltet“, antwortete Ludwig Kern. „Dieser Bereich würde sich hervorragend für ein Pachtmodell eignen.“ Die Grundstücke könnten „relativ günstig“ erschlossen werden, allenfalls müssten Kosten intern verrechnet werden, zudem hätte die Gemeinde im Pachtmodell regelmäßige Einnahmen. Viele Tiny-House-Besitzer wünschten sich außerdem Stellplätze, auf denen sie einige Jahre stehen und von denen sie dann weiterziehen könnten, so dass ihnen dieses Modell entgegenkomme.

Silvan Vollmar, Gemeinderat für die Freie-Wähler-Freie-Demokraten-Fraktion, wollte wissen, ob die Müll-Container, die an der Münzenhalde stehen, verlegt werden sollen, wenn dort Tiny Houses hinkommen. „Das ist schwierig“, sagte Ludwig Kern. „Im Zweifelsfall müssen sie da bleiben, der vordere Platz wäre dann natürlich weniger attraktiv.“

Proschka: Müll-Container nicht davor stehen lassen

„Ich wäre dafür, aber nur in der Variante mit drei Häusern“, sagte Silvan Vollmar darauf. Das mobile Pachtmodell finde er „charmant“, auch wenn er die Tiny Houses nicht unbedingt als ökologisch besser bewerte wie andere Wohnformen.

„Wenn man das macht, kann man nicht die Container davor stehen lassen“, fand der CDU-Gemeinderat Markus Proschka. Die Tiny Houses hält er für eine „Zeiterscheinung“, außerdem gab es für ihn noch zu viele offene Fragen und Nachteile bei dem Thema, zum Beispiel bei den Kosten. „Ich habe eher Bedenken“, sagte er zum Vorschlag der Verwaltung.

Wie geht es nun weiter?

„Das Thema Kosten können wir gerne genauer betrachten und dann in der nächsten Gemeinderatssitzung vorstellen“, versprach Bürgermeister Benjamin Treiber. Der Technische Ausschuss votierte grundsätzlich für die Planungen der Verwaltung, gegen den Vorschlag stimmten Elke Mück und Markus Proschka. Der CDU-Gemeinderat Andreas Theinert enthielt sich.

Das Thema wird wieder diskutiert in der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung diesen Donnerstag, 15. Dezember, ab 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Das Gremium entscheidet dann über die Aufstellung eines Bebauungsplans im beschleunigten Verfahren an der Münzenhalde.

Bezahlbarer Wohnraum in der Region ist knapp. Weil es günstiger ist als ein großes Haus, oder aus Gründen des Minimalismus und der Flexibilität, wollen manche Menschen statt in einem Haus oder einer geräumigen Wohnung lieber in einem Tiny House, also einem Haus in Miniaturform, wohnen. Auch die Plüderhäuser Verwaltung bekommt immer wieder entsprechende Anfragen. Einen Stellplatz für das kleine Gebäude zu finden, ist für Anhänger dieser alternativen Wohnform aber mitunter schwierig, da dafür

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