Plüderhausen

Plüderhausen: Warum Bürgermeister Benjamin Treiber Land und Bund kritisiert

TreiberBauhof
Der Plüderhäuser Bürgermeister Benjamin Treiber auf einer der vielen Baustellen im Ort, die anstehen - dem maroden Bauhofareal. © Gaby Schneider

Die Herausforderungen, vor denen Plüderhausen steht, sind enorm. Eine unvollständige Aufzählung: Bei den Kitas fehlen mehrere Gruppen, das Bauhofgebäude ist schon länger marode, auch Feuerwehr und Rotes Kreuz benötigen neue Gebäude. Zudem ist das Kanal- und Leitungsnetz völlig veraltet. Ganz zu schweigen vom Bahnhof, der immer noch nicht barrierefrei ist. Dabei soll die Ortsmitte belebt werden. Und all das muss obendrein bei chronisch klammen Gemeindekassen gemacht werden. Hinzu kommt, dass die Kommunen generell gerade viele Aufgaben bewältigen müssen, die nicht in ihrer Macht liegen wie die Corona-Pandemie, die Explosion der Energiekosten, Betreuungsplätze an Schulen und Kindergärten oder die große Anzahl an Geflüchteten, die dieses Jahr aufgenommen wurden. „Es sind keine einfachen Zeiten für Kommunen“, sagte der Plüderhäuser Bürgermeister Benjamin Treiber daher jüngst bei seiner Haushaltsrede.

„Mit den Folgekosten werden wir alleingelassen“, sagt der Bürgermeister

Bei dieser Gelegenheit richtete er dann deutliche Worte an Bundes- und Landespolitik, die zuletzt immer neue Leistungen und Rechtsansprüche zugesagt haben. Anschubfinanzierungen gebe es zwar meist, „mit den Folgekosten werden wir jedoch alleingelassen“. Das gelte auch für die Unterbringung von Geflüchteten. „Völlig klar, dass wir den Menschen helfen möchten, in deren Heimatländern Krieg herrscht“, so Treiber, „aber die Kommunen brauchen dabei Unterstützung“.

Und ein Förderprogramm des Landes mit einem Gesamtvolumen von 80 Millionen Euro, wie jüngst präsentiert – das „kann vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen doch kaum die ernst gemeinte Antwort sein“, findet der Bürgermeister.

„Außerdem führt das Maß an Bürokratie zwischenzeitlich zu einer Komplexität, die kaum mehr zu bewältigen ist“. Der Präsident des baden-württembergischen Gemeindetags, Steffen Jäger, habe kürzlich festgehalten, dass vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen die Belastungsgrenze in den Rathäusern erreicht sein, und eine klare und ehrliche Analyse der aktuellen Lage, eine realistische Bewertung des Leistbaren sowie eine neue Festlegung des Erforderlichen nötig seien. Denn „wenn es so weitergeht, wenn Bund und Land so weitermachen, dann schaffen wir es als Kommunen nicht mehr.“

Was 2023 ansteht – und worauf sich der Bürgermeister freut

Er wolle aber keine Schwarzmalerei betreiben, betonte Treiber. Er freue sich auf den nun anstehenden Gemeindeentwicklungsprozess, in dem er eine große Chance sieht. „Ich wünsche mir, dass es gelingt, uns vom Klein-Klein des Alltags zu lösen und wir uns mit den übergeordneten Zielen, den großen Fragen unserer Zeit beschäftigen und gemeinsame Visionen für das Plüderhausen der Zukunft entwickeln“. Mit Vorfreude blicke er auch auf die Leistungsschau im kommenden Jahr, „bei der wir all das zeigen möchten, all das zeigen werden, was Plüderhausen lebenswert macht“.

Der Bürgermeister ging außerdem kurz auf die größten Projekte ein, die im kommenden Jahr anstehen.

  • Mehr als 3,5 Millionen Euro sind alleine im kommenden Jahr für den Umbau der Schlossgartenschule zu einem Kinderhaus veranschlagt. Weitere Schritte für den Ausbau der Kita-Kapazitäten seien darüber hinaus notwendig.
  • Für den Umbau der Küche in der Ratsstube sind 200 000 Euro eingeplant, weitere 335 000 Euro für die energetische Sanierung und das Abdichten des Daches.
  • In der Adelberger Straße soll eine neue Obdachlosenunterkunft entstehen. Weitere Immobilienprojekte folgen.
  • Mehr als eine Viertelmillion Euro wird kommendes Jahr in den Katastrophenschutz investiert, etwa in Notstromaggregate und Sirenen.
  • Beim seit vielen Jahren geplanten Baugebiet Hohrain-Gländ soll kommendes Jahr das Bebauungsplan- und das Umlegungsverfahren begonnen werden und 2024 die Erschließung starten.
  • Beim Bürgerhaus in Walkersbach muss in den Brandschutz investiert werden. Geplant ist eine Fluchttreppe für rund 200 000 Euro.
  • Mehr als 1,2 Millionen Euro sind für neue Wasserleitungen veranschlagt (der Wasserpreis soll jedoch nicht weiter steigen). Hinzu kommen jeweils eine halbe Million Euro für den Hochbehälter und das Regenüberlaufbecken am Sandbühl. Und mehrere Hunderttausend Euro sind für Investitionen ins Abwasserkanalnetz geplant.
  • Investitionen in den Klimaschutz stehen an: Das Schulzentrum und das neue Gebäude in der Adelberger Straße sollen Photovoltaikanlagen bekommen. Investiert wird außerdem in die energetische Sanierung der Staufenhalle und den Ausbau des Energiemanagements.
  • Diskutiert und entschieden wird im kommenden Jahr zudem über ein mögliches Sport- und Freizeitgelände Ost – auch mit der Bevölkerung. „Wie immer die Entscheidung ausgehen mag, kann ich gut damit leben. Ich bitte jedoch um eine offene Abwägung der Zahlen und Fakten“, sagte Benjamin Treiber.

Die Herausforderungen, vor denen Plüderhausen steht, sind enorm. Eine unvollständige Aufzählung: Bei den Kitas fehlen mehrere Gruppen, das Bauhofgebäude ist schon länger marode, auch Feuerwehr und Rotes Kreuz benötigen neue Gebäude. Zudem ist das Kanal- und Leitungsnetz völlig veraltet. Ganz zu schweigen vom Bahnhof, der immer noch nicht barrierefrei ist. Dabei soll die Ortsmitte belebt werden. Und all das muss obendrein bei chronisch klammen Gemeindekassen gemacht werden. Hinzu kommt, dass

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