Plüderhausen

Plüderhausen: Wie Pastor Stefan Reinhardt seinen WM-Boykott übersteht

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Symbolfoto. © Benjamin Büttner

WM schauen oder nicht? Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar in diesem Jahr war besonders umstritten, einige entschieden sich dazu, die Großveranstaltung zu boykottieren. Darunter ist auch Stefan Reinhardt, als Pastor bei der evangelisch-methodistischen Kirche für den Bezirk Mittleres Remstal zuständig. Auf diesen Sonntag lädt er zu einer Veranstaltung nach Plüderhausen ein, damit er nicht doch in Versuchung kommt, sich das WM-Finale anzusehen. Mit uns hat er darüber gesprochen, wie es ihm mit seinem Boykott erging.

Oft im VfB-Stadion zu Gast

„Fußball ist für mich die schönste Nebensache der Welt“, schrieb der Pastor in seinen Sonntagsgedanken in unserer Zeitung in der Ausgabe vom 19. November. „Als der VfB Stuttgart in der letzten Saison dramatisch in der letzten Sekunde den Klassenerhalt schaffte, da war ich nicht nur im Stadion, sondern danach auch auf dem Platz zum Jubeln und Feiern.“ Trotzdem war für ihn klar: Bei dieser WM in Katar wird er nicht als Zuschauer dabei sein.

„Eigentlich stimmt es ja, dass Fußball Menschen auch zusammenbringen kann“, sagt Stefan Reinhardt im Gespräch mit unserer Zeitung. Wenn er im Stuttgarter Stadion zu Gast sei, umarme er fremde Menschen, die er sonst im Alltag eher nicht umarmen würde, Fußball zu  schauen sei für ihn Freizeit und Erholung. Dass auch für vorherige Weltmeisterschaften schon Stadien gebaut wurden, die danach nutzlos wurden, oder es andere Probleme gab, ist ihm durchaus bewusst, bei dieser WM konnte er aber einfach nicht mehr guten Gewissens zusehen.

Viele Opfer beim Stadion-Bau

Vor allem im Hinblick auf die Menschen, die bei der Errichtung von Stadien umgekommen sind, die massivste Form der Ausbeutung, habe er sich entschieden, die Weltmeisterschaft zu boykottieren. Die FIFA behaupte zwar anderes, aber verschiedene Berichte sprächen von mehreren Tausend Opfern. „Ich glaube, es war einfach an der Zeit für mich, Nein zu sagen“, reflektiert der Pastor. Er wollte ein Bewusstsein für das Leid schaffen, das die WM in Katar verursacht hat.

Deshalb findet er es auch gut, dass die Einschaltquoten der WM in diesem Jahr nicht so hoch waren wie schon bei anderen Fußball-Weltmeisterschaften. Seine zwei Söhne haben sich dem Boykott angeschlossen - die Tochter schaut ohnehin kein Fußball - und die Rückmeldungen aus seiner Gemeinde seien eher positiv gewesen. Gleichzeitig ist im Gespräch mit ihm aber auch herauszuhören, dass er es versteht, wenn Menschen sich anders entscheiden und die WM ansehen. Und auch ihm selbst sei mal ein Ausrutscher passiert.

Zehn Minuten Elfmeterschießen geschaut

„Ich habe heimlich zehn Minuten geguckt beim Elfmeterschießen Marokko gegen Spanien“, gibt er freimütig zu. Sonderlich betrübt ist er deswegen aber nicht. „Wir sehen alles zu bierernst“, findet er. Für ihn sei es wichtig gewesen, die Spiele allgemein nicht anzusehen, und insgesamt habe das gut funktioniert, außer den zehn Minuten habe er lediglich ab und an Spielberichte gelesen oder sich die Ergebnisse angesehen. „Dass die WM trotzdem stattfindet, war mir auch klar“, sagt er selbstironisch. Im Vorfeld hätte man mehr machen müssen. „Aber mir hat es gutgetan, zu wissen, ich mache mal bei einer Sache nicht mit, die ich eigentlich nicht gut finde.“ Leichter sei es ihm dann natürlich gefallen, als Deutschland aus der WM ausgeschieden war, und auch, weil in der Adventszeit allgemein viel anderes geboten sei.

Er hat gelernt: „Der Verzicht auf Dinge muss nicht negativ sein. Im Gegenteil, mir ist es besser ergangen.“ Die Adventszeit sei früher ohnehin eine Fastenzeit gewesen. Außerdem habe er mehr Zeit gehabt, weil er die Spiele nicht angesehen habe. „Alle klagen ja immer, dass sie keine Zeit haben“, sagt er. Die Boykott-Erfahrung habe ihm bewusstgemacht, dass das eigentlich nicht stimme, die Zeit sei da. „Aber man muss entscheiden, wie man mit ihr umgeht.“

Glühwein, Pizza und Impuls am Sonntag, 18.12.

Damit er nun nicht zum Ende doch noch in Versuchung kommt, sich das WM-Finale am Sonntagabend, 18. Dezember, anzusehen, lädt Stefan Reinhardt am Sonntagabend auf 18 Uhr zu Glühwein, Pizza und einem christlichen Impuls, „Christsein, das Beste, was mir passiert ist!“, in die Plüderhäuser Christuskirche ein. Wer dem Pastor dabei Gesellschaft leisten will, kann sich per E-Mail unter stefan.reinhardt@emk.de bei ihm anmelden.

WM schauen oder nicht? Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar in diesem Jahr war besonders umstritten, einige entschieden sich dazu, die Großveranstaltung zu boykottieren. Darunter ist auch Stefan Reinhardt, als Pastor bei der evangelisch-methodistischen Kirche für den Bezirk Mittleres Remstal zuständig. Auf diesen Sonntag lädt er zu einer Veranstaltung nach Plüderhausen ein, damit er nicht doch in Versuchung kommt, sich das WM-Finale anzusehen. Mit uns hat er darüber gesprochen, wie es ihm

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