Plüderhausen

Psychotherapeutin aus Plüderhausen: Grundschulkinder stehen öfter unter Stress

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Schon in der Grundschule beginnt für manche Kinder der Stress. © ALEXANDRA PALMIZI

Beim Gespräch mit Psychotherapeutin Christine Hausch von der Plüderhäuser Praxis für Psychomotorik kurz vor Weihnachten sollte es eigentlich darum gehen, wie Familien an Weihnachten den Frieden wahren und mit dem Stress, der oft mit den Feiertagen verbunden ist, umgehen können. Der Artikel kam zwar zustande, die Psychotherapeutin beschäftigt aber noch ein ganz anderes Thema: „Wir haben noch nie so viele Eltern von Grundschulkindern unter Druck erlebt.“ Aber was sind ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

In die Plüderhäuser Praxis kommen nach Angaben von Christine Hausch insgesamt etwa 80 Familien. Der Schwerpunkt liege dabei auf den Kindern und Jugendlichen, „aber natürlich sind die Elternhäuser ein großer Teil davon“. Es finden also auch viele Gespräche mit Eltern statt, teils gebe es Eltern, die die Praxis auch ohne Kinder zur Beratung aufsuchen. Dabei sei im vergangenen Jahr aufgefallen, dass es immer mehr Eltern gebe, die wegen des Themas Schule auf die Praxis zukommen, weil sie hier mit ihren Kindern an ihre Grenzen geraten.

Stress für Familien hat zugenommen

„Wir haben noch nie so viele Elternhäuser von Kindern in der Grundschule unter Druck erlebt“, berichtet Christine Hausch nun. Beim Thema weiterführende Schulen habe der Druck für Familien schon immer eine Rolle gespielt, im Grundschulbereich habe der Stress für Familien ihrer Meinung nach aber zuletzt deutlich zugenommen.

„Die Eltern geraten nach dem ersten halben Jahr schon unter Druck“, muss die Psychotherapeutin feststellen. Gründe dafür gibt es wohl mehrere. Zunächst ist da der Leistungsanspruch: Die Kinder bekämen im jungen Alter in der ersten und zweiten Klasse zum Beispiel schon Hausaufgaben, die sie teils noch in den Ferien bearbeiten müssten.

„Lasst die Kinder erst einmal ankommen in der Schule“, plädiert Christine Hausch. Den jungen Menschen solle mehr Zeit gelassen werden. Der Druck, der in der Grundschule auf den Kindern laste, werde eins zu eins auf die Familien übertragen, weil kleine Kinder den Stress selbst nicht managen könnten, während ältere an weiterführenden Schulen das eventuell schon gelernt haben. „Das belastet Familien“, weiß Christine Hausch.

Wegen Corona: Schüler konnten nie richtig ankommen

Einen weiteren, wichtigen Grund, warum der Stress auf Grundschüler und ihre Familien zugenommen hat, sieht Christine Hausch in den Folgen der Corona-Pandemie. Eigentlich hatten sie und ihre Kollegen fast damit gerechnet, dass es schon nach dem ersten Lockdown Probleme bei Familien geben würde. Im Großen und Ganzen hätten viele Familien sich der neuen Situation aber erst einmal angepasst, die Herausforderungen gestemmt. Erst seit dem Frühjahr 2022 sei das in vielen Bereichen „gekippt“.

„Ich saß noch nie an so vielen Runden Tischen in Grundschulen“, sagt die Psychotherapeutin, die sich oft auch mit Ärzten und Schulen austauscht. Auch Kinder, die vorher unauffällig waren, seien schulisch schnell an das Limit ihrer Möglichkeiten gekommen. Besonders Erst- und Zweitklässler hätten Schwierigkeiten, hatten sie doch nicht die Möglichkeit, im normalen Schulbetrieb anzukommen, ihn richtig kennenzulernen, sich in der neuen Situation einzuleben.

„Man merkt, dass es viele Kinder gibt, die es nicht geschafft haben, zu Hause den kompletten Stoff mitzunehmen, und auch nicht alle Eltern schaffen es, den Stoff an ihre Kinder heranzubringen“, so Hausch. Das bedeute viel Stress für die Kinder und ihre Eltern. „Das hat uns in der Praxis richtig betroffen gemacht, weil die Kinder, die im grünen Bereich waren, wirklich Druck bekommen haben. Ich habe so viele heulende Eltern bei mir sitzen gehabt wie noch gar nie.“ Die Eltern spürten den Druck, ihre Kinder zu unterstützen, damit diese das Schulleben meistern.

Neugier und Spaß am Lernen bewahren

Christine Hausch findet: „Ein Kind darf doch gut in Mathe sein oder schlechter in Deutsch.“ Sie stellt infrage, ob Kinder, die gerade erst in der Grundschule ankommen, nach einem halben Jahr schon Nachhilfe benötigen oder Ferienaufgaben. „Wenn die Kinder schon nach einem halben Jahr keine Lust mehr auf Schule haben und die Eltern am Rande ihrer Nerven sind, dann wird es zäh“, sagt die Therapeutin.

Sie müssten dann schließlich noch einige Jahre durchhalten. Das ganze Alltagsleben für die Kinder sollte sich ihrer Meinung nach nicht nur um die Schulthematik drehen, auch wenn ihr natürlich bewusst ist, dass Eltern schlecht beeinflussen können, wie viele Aufgaben ihre Kinder in der Schule bekommen.

Pauschale Ratschläge kann sie nicht geben, denn jedes Kind, jede Schulsituation, jede Familie sei anders. „Was ich Eltern immer rate, ist, wirklich gut mit dem Herz bei seinem Kind zu bleiben“, sagt sie aber. Kinder lernten am besten, wenn sie nicht unter Druck stehen und neugierig bleiben dürfen, dafür müsse zu Hause ein Rahmen geschaffen werden. Denn: „Das Lernen soll im besten Fall lebenslang Spaß machen.“

Beim Gespräch mit Psychotherapeutin Christine Hausch von der Plüderhäuser Praxis für Psychomotorik kurz vor Weihnachten sollte es eigentlich darum gehen, wie Familien an Weihnachten den Frieden wahren und mit dem Stress, der oft mit den Feiertagen verbunden ist, umgehen können. Der Artikel kam zwar zustande, die Psychotherapeutin beschäftigt aber noch ein ganz anderes Thema: „Wir haben noch nie so viele Eltern von Grundschulkindern unter Druck erlebt.“ Aber was sind ihrer Meinung nach die

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