Plüderhausen

Stuckateurin aus Plüderhausen plädiert: Alte Häuser nicht gleich abreißen

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Stuckateurin Amelie Völker zeigt, welche alten Baumaterialien sie in ihrem neuen Haus zur Geltung bringen will. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Auch in der Küche ist die alte Bausubstanz noch sichtbar. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Während der Arbeiten sah das Haus noch deutlich anders aus. © Privat

Niedrige Decken, alte Holzbalken, freigelegte Steine: Es ist etwas Besonderes, das wird schnell klar, wenn man das Haus von Amelie Völker im Plüderhäuser Mühlwasen betritt. Gebaut wurde es 1770, das hat die Stuckateurmeisterin und Restauratorin sich von einem Fachbüro bestätigen lassen. Viele hätten das alte Haus sicher abreißen lassen, das kam für Amelie Völker aber überhaupt nicht infrage. Stattdessen hat sie viel Zeit und Geld in das Haus gesteckt, um es zu erhalten, hat es energetisch saniert und liebevoll die Details zur Geltung gebracht, die es auszeichnen. Mit uns hat sie darüber gesprochen, warum ihr das Projekt so am Herzen liegt.

„Ich habe das Haus vor drei Jahren gekauft“, erzählt Amelie Völker. Sie hat in dem Gebäude von Anfang an viel Potenzial gesehen. „Das ist doch etwas, diese alte Bausubstanz“, findet sie. Es ist ihr ein Anliegen, dass alte Häuser nicht immer gleich abgerissen, sondern stattdessen erhalten werden, damit ihr besonderer Charakter zur Geltung gebracht wird. Bei der Führung durch das neugestaltete Haus weist sie auf die alten Bruchsteine hin, auf den Lehmputz, auf den Ruß dort, wo sich früher eine Feuerstelle befand.

Wie Amelie Völker das Haus auf einen modernen Energiestandard gebracht hat

Billig war die Instandsetzung des mehr als 250 Jahre alten Hauses nicht. Etwa 300.000 Euro hat die Sanierung nach den Angaben von Amelie Völker gekostet – 100.000 Euro davon war ihre eigene Arbeitszeit wert. Über das Sanierungsgebiet „Ortsmitte IV“ habe sie 40.000 Euro Fördergelder bekommen, für den Rest kam sie selbst auf. Das Geld war es ihr wert, denn in das instand gesetzte Haus will Amelie Völker bald selbst einziehen. Dafür hat sie nicht nur die alten Bauelemente herausgearbeitet, sondern das Gebäude auch anderweitig auf einen modernen Standard gebracht.

„Im Haus ist eine neue Heiztechnik“, verrät Amelie Völker. Das sei ihr wichtig gewesen. Damit nicht so viel Wärme entweicht, ist eine Wärmedämmung verbaut. In der Küche gebe es eine Deckenheizung - so konnte der alte Fußboden erhalten werden -, im Bad eine Wandheizung, ansonsten eine Fußbodenheizung. Dafür kommt eine Wärmepumpe zum Einsatz, auf dem Dach befinden sich Solarzellen.

Was wäre eine Stadt ohne "alte Bausubstanz"?

„Es ist verrückt, dass ein Haus so alt werden kann, wenn es nur auf Sandsteinen steht“, findet Amelie Völker. Sie plädiert dafür, dass Gebäude öfters erhalten werden, auch solche, die schon etwas älter sind. „Ich finde, das gehört zum Stadtbild einfach dazu“, sagt sie. Wie langweilig wäre schließlich eine Gemeinde ohne alte Kirchen und Fachwerkhäuser, ohne „alte Bausubstanz“? Und wie schade wäre es, so Amelie Völker weiter, wenn alte Bautechniken verloren gingen?

„Jedes Haus ist anders“, sagt die Stuckateurmeisterin bezogen auf ältere Gebäude. Es sei nicht so wie bei Neubauten, wo oft stupide überall das Gleiche gemacht werde. In ihrem Beruf müsse sie sich bei jedem in die Jahre gekommenen Gebäude „neu reindenken“, sich fragen, was das Beste für das Haus und die alten Materialien wäre. Früher habe die Erhaltung solcher Gebäude nicht viele Menschen interessiert, so ihr Eindruck. Inzwischen sei das aber nicht mehr so. „Das Bewusstsein hat sich geändert“, findet Amelie Völker. „Immer mehr Menschen wollen Altes erhalten.“

Niedrige Decken, alte Holzbalken, freigelegte Steine: Es ist etwas Besonderes, das wird schnell klar, wenn man das Haus von Amelie Völker im Plüderhäuser Mühlwasen betritt. Gebaut wurde es 1770, das hat die Stuckateurmeisterin und Restauratorin sich von einem Fachbüro bestätigen lassen. Viele hätten das alte Haus sicher abreißen lassen, das kam für Amelie Völker aber überhaupt nicht infrage. Stattdessen hat sie viel Zeit und Geld in das Haus gesteckt, um es zu erhalten, hat es energetisch

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