Plüderhausen

"Tiere sind Lebewesen, kein Wanderpokal"

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Mit Hund Scooby trainiert Tierheimleiterin Nischa Mitchell regelmäßig. Er sucht einen hundeerfahrenen Besitzer. © ZVW/Gabriel Habermann
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Annabelle wartet seit zwei Jahren im Tierheim. „Eigentlich ist sie eine ganz Liebe“, sagt Nischa Mitchell über das Kaninchen. Sie mache weder Probleme, noch sei sie besonders schüchtern. „Aber niemand mag sie.“ © Gabriel Habermann
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Vier verwilderte Tigerkätzchen wurden in jungem Alter im Tierheim abgegeben. Zwei von ihnen sind inzwischen weg, die anderen zwei Fundkätzchen warten noch auf ein Zuhause. © Gabriel Habermann

Plüderhausen.
Als Nischa Mitchell vor drei Jahren die Leitung der Plüderhäuser Tierstation übernahm, mistete sie erst einmal aus, baute aus Schrott, den sie im Schuppen fand, neue Außengehege für die Kaninchen und schuf einen Online-Auftritt für die Einrichtung. Eine, die sich zurücklehnt und alles so weitermacht, wie bisher, ist sie nicht. Diesen Tatendrang wird sie, nun da die Temperaturen wieder ansteigen, gut gebrauchen können.

„Zwischen Mitte Dezember und März haben wir ziemlich Leerlauf“, sagt die Tierheimleiterin. Jetzt geht es aber wieder los mit den Pensionsanfragen und Abgabetieren, langsam füllt sich das Tierheim immer mehr. „Über den Winter sind die Tiere ruhiger, aber sobald die ersten Sonnenstrahlen kommen, merkt man, was man bei der Erziehung versäumt hat“, weiß Nischa Mitchell aus Erfahrung. Dann kommen die Ausreden: Allergien gegen die Tiere oder eine gescheiterte Beziehung der gemeinsamen Tierbesitzer.

Außer gefundenen und abgegebenen Tieren, nimmt die Tierstation Katzen, Hunde und Käfigtiere als Pensionstiere auf. „Dann setzen die Menschen die Tiere vielleicht nicht unnötig aus, wenn sie in den Urlaub fahren“, hofft Nischa Mitchell. „Wir brauchen das Angebot, um zu überleben.“ Mit dem Geld, das die Tierpension erwirtschaftet, können unter anderem die Tierarztbesuche der heimatlosen Tiere finanziert werden.

Zum Zeitpunkt unseres Besuches beherbergt das Tierheim 30 Katzen. Zu Hochzeiten, zum Beispiel nach einer Kätzchenschwemme im Frühling, steigt diese Zahl auch gerne einmal auf 50. Wenn das Tierheim voll belegt ist, sind außerdem bis zu 15 Hunde dort untergebracht, dazu kommen einige Käfigtiere wie Kaninchen. Alle Fundtiere kommen erst einmal in die Quarantäne. Sie müssen entfloht, entwurmt und geimpft werden. Wenn sich niemand meldet, bleiben sie im Tierheim.

Hund Scooby wohnt zum Beispiel schon seit einiger Zeit in der Tierstation. Weil sein Herrchen verstarb und dessen 80-jähriger Vater mit der Pflege des Tieres überfordert war, verweilt er dort in einem Zwinger. Aggressiv ist er nicht, „aber er probiert’s schon“, sagt Nischa Mitchell, die mit dem zweijährigen Scooby schon einige Trainingseinheiten hinter sich hat und weiß, wie sie ihm seine Grenzen aufzeigen kann.

Scooby und die anderen Hunde dürfen viermal am Tag raus. Ein Farbsystem ordnet Gassigeher und Hunde einander zu. Erfahrene Gassigeher dürfen sich auch mit schwierigen Hunden auf den Weg machen, solche mit weniger Erfahrung führen die unkomplizierteren Tiere aus. „Die beste Medizin ist es meistens, den Hund auszupowern“, sagt Nischa Mitchell.

Sie besitzt selbst ein Rudel Hunde; die meisten von ihnen kommen aus dem Ausland. Während unseres Besuchs in der Tierstation, wuseln vier von ihnen um die Beine der Leiterin. „Ich habe Hunde schon immer geliebt“, erzählt Nischa Mitchell. Weil ihr Bruder Asthma hatte, durfte sie selbst keinen halten. Mit 12 Jahren fing sie stattdessen an, in einem Tierheim auszuhelfen, mit Hunden Gassi zu gehen und Katzenklos zu reinigen. Inzwischen ist sie Hundetrainerin und steht dem Verein „PetCrew“ vor, mit dem sie sich für Tierschutz im In- und Ausland einsetzt.

Die Tierstation finanziert sich aus Zuschüssen der Kommune und Spenden, auch der Verein trägt zu den finanziellen Mitteln des Tierheims bei. „Viele Menschen haben Angst, Geld zu spenden“, sagt Nischa Mitchell. Auf Facebook ruft sie manchmal dazu auf, Futter zu spenden, das funktioniert ganz gut. „Ein Elternpaar kam einmal mit seinen Kindern vor Silvester vorbei“, erzählt Nischa Mitchell. Statt Böller zu kaufen, brachten sie Futter vorbei. „Das war ein Highlight für die Kinder“, so Mitchell.

Futterpaten sucht sie trotz solcher Einzelaktionen noch dringend – besonders für die Katzen, die nicht mehr vermittelbar sind. Die verwilderten Hauskatzen haben auf einem Außengelände des Tierheims eine Heimat gefunden, sie dort medizinisch zu versorgen, gestaltet sich aber schwierig. „Sie zeigen sich nur, wenn es ihnen schlecht geht“, sagt Nischa Mitchell. Durch Beobachtung versuchen die Tierheim-Mitarbeiter herauszufinden, welche von ihnen vielleicht doch noch eine Chance auf ein Heim haben könnte.

Davon, Tiere testweise an Menschen abzugeben, hält die Tierheimleiterin überhaupt nichts. „Das finde ich schrecklich“, sagt sie. „Die Tiere sind Lebewesen und kein Wanderpokal.“ Wenn Menschen die Möglichkeit zu einem Testlauf haben, bringen sie ihrer Meinung nach die Tiere schneller wieder zurück. „Sie haben ja vorher die Möglichkeit, herzukommen und Zeit mit ihnen zu verbringen“, sagt Mitchell. „Ich handle immer im Sinne der Tiere.“

Info

Aufgrund der aktuellen Infektionslage bietet die Tierstation im Moment keine allgemeinen Öffnungszeiten für Interessenten an. Wer ein Tier besuchen, Spenden abgeben oder sich über Pensionszeiten informieren möchte, soll sich zuerst telefonisch unter 0 71 81/93 26 62 oder per Mail an mail-tierstationpluederhausen@web.de für eine Terminvereinbarung melden.

Plüderhausen.
Als Nischa Mitchell vor drei Jahren die Leitung der Plüderhäuser Tierstation übernahm, mistete sie erst einmal aus, baute aus Schrott, den sie im Schuppen fand, neue Außengehege für die Kaninchen und schuf einen Online-Auftritt für die Einrichtung. Eine, die sich zurücklehnt und alles so weitermacht, wie bisher, ist sie nicht. Diesen Tatendrang wird sie, nun da die Temperaturen wieder ansteigen, gut gebrauchen können.

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