Plüderhausen

Warum sich in Plüderhausen eine neue Bürgerinitiative gegründet hat

Bürgerinitiative
Annette Hinderer (links), Anja Siefert und Thomas Beck haben eine Bürgerinitiative gegründet. © Benjamin Büttner

Es hätte die kürzeste Bürgerinitiative in der Geschichte Plüderhausens werden können, scherzen Anja Siefert, Annette Hinderer und Thomas Beck. Ihr Anliegen, ein Konzept für die Ortsentwicklung zu erstellen, hatte die Gemeinde ohnehin schon angestoßen und dann auch im Gemeinderat beschlossen. Dann sahen die drei und ihre Mitstreiter aber doch noch einen Anlass, sich weiterhin einzusetzen. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen, wofür sie sich starkmachen und was ihnen für die Zukunft Plüderhausens wichtig ist.

Ins Gespräch gekommen sind Anja Siefert, Annette Hinderer und Thomas Beck, weil der Gemeinderat eine Verlegung des Sportgeländes in den Plüderhäuser Osten diskutierte (eine Entscheidung hierzu ist noch nicht gefallen). Alle drei sind direkte Anwohner des Geländes, kannten sich schon vorher, besuchten die entsprechende Gemeinderatssitzung aber ohne sich vorher miteinander abzusprechen. „Wir haben uns das Ganze angehört und waren ein bisschen überrascht“, erzählt Thomas Beck.

Auslöser für die Gründung: Die Diskussion um das Sportgelände

So richtig identifizieren konnten sich alle drei nicht mit dem Plan, sie finden das Sportgelände an seinem jetzigen Platz in der Gemeinde wichtig, zum Beispiel, weil sich dort Kinder zum Spielen treffen. „Wenn man den Sportplatz nach draußen verlegt, versteht das keines der Kinder“, so Beck. Anja Siefert ergänzt: „Wir haben uns dann überlegt, ob wir eigentlich nur dagegen sind, dass der Sportplatz verlegt wird.

Aber wenn es ein gutes Gesamtkonzept gäbe und es sich als vernünftig herausstellt, dass man ihn verlegt, dann wären wir durchaus bereit, das mitzugehen“, sagt sie. Nach einigen Gesprächen miteinander war klar: Im Kern ging es ihnen und den anderen sechs Gründungsmitgliedern eigentlich darum, dass die Gemeinde ein Gesamtkonzept entwickelt, bevor sie große Aufgaben angeht. Das ist etwas, was ihrer Meinung nach in der Kommunalpolitik oft fehlt.

Die Gründer der Initiative sprechen zwar auch ganz konkrete Themen wie den Mangel an guten Treffpunkten für Jugendliche, den hohen Frischwasserverlust in Plüderhausen oder die interkommunale Zusammenarbeit an, ihr wichtigstes Ziel ist aber, dass die Gemeinde unter Beteiligung der Bürgerschaft bestimmte Grundsatzfragen zu ihrer Zukunft beantwortet und damit eine Basis für künftige Entscheidungen hat.

Ortsentwicklungskonzept kommt

Bürgermeister Benjamin Treiber hatte in seinem Wahlkampf versprochen, ein Ortsentwicklungskonzept anzustoßen. Der Gemeinderat konnte bei dem Thema mitgehen und hat im Herbst einstimmig - in Plüderhausen eher eine Seltenheit - beschlossen, dass die Gemeinde das Expertenbüro Imakomm-Akademie mit der Entwicklung eines Ortsentwicklungskonzepts beauftragt.

Sowohl die Verwaltung, der Gemeinderat als auch die Bürgerinitiative sind sich also wohl im Grunde einig, dass die Gemeinde eine Zukunftsvision braucht, um die vielen Herausforderungen anzugehen, die in den nächsten Jahren bevorstehen, zum Beispiel das marode Leitungsnetz, die Schaffung von neuen Kita-Plätzen oder die Erschließung des neuen Wohngebiets Hohrain/Gländ. Warum wollen Anja Siefert, Annette Hinderer, Thomas Beck und die inzwischen neun anderen Mitglieder der Initiative sich also trotzdem weiterhin für die Ortsentwicklung einsetzen?

Bürger zur Beteiligung animieren

„Das Konzept ist jetzt zwar losgetreten, aber unser Plan steht nach wie vor“, sagt Thomas Beck. Er sorgt sich, dass große Entscheidungen getroffen werden könnten, bevor das Konzept steht. „Wir haben genügend alte Bausteine, wir brauchen keine neuen“, sagt er. „Erst einmal müssen wir als Gemeinde unsere Hausaufgaben machen.“ Die Initiative will Bürgerinnen und Bürger zur Mitarbeit bei der Erstellung des Ortsentwicklungskonzepts animieren, ihre Vernetzung im Ort nutzen und sich dafür starkmachen, dass die Bürgerschaft bei der Erstellung des Konzepts tatsächlich umfassend beteiligt wird. „Klar, die Bürger müssen dann auch mitmachen, wenn man sie einlädt“, sagt Thomas Beck. „Aber darin sehen wir unsere Aufgabe.“

Im Gemeinderat sei erst einmal nur der Entschluss gefallen, das Konzept erstellen zu lassen und dass die Bürgerschaft mit einbezogen werden soll, erklärt Anja Siefert. Dadurch sei aber noch nicht geklärt, in welchem Umfang die Plüderhäuserinnen und Plüderhäuser sich einbringen dürften und in welcher Form das dann geschehe. Beim Thema Schlossgartenschule sei das ihrer Meinung nach zum Beispiel nicht optimal gelaufen. „Wir haben kein Interesse daran, dass wir in einem Dreivierteljahr dann eine Hochglanzbroschüre bekommen“, sagt Siefert.

Sie findet es wichtig, dass ein Konzept für die Zukunft Plüderhausens auf breiten Schultern steht. Wenn am Ende alles stimmig sei, würden die Bürger sicher auch Entscheidungen mittragen, mit denen sie vielleicht nicht übereinstimmen, die aber im Rahmen des Konzepts Sinn machen. Auch innerhalb der Bürgerinitiative vertreten nicht alle die gleiche politische Meinung, alle wollen aber eine gute Zukunft für die Gemeinde.

Bürgerinitiative will mit der Gemeinde arbeiten

Bei Bürgermeister Benjamin Treiber ist die Initiative bereits vorstellig geworden, das Gespräch sei positiv verlaufen. Und auch die anderen Mitglieder des Gemeinderats haben sie über ihre Gründung informiert, waren bereits bei Fraktionen zu Gast. Sie wollten schließlich mit der Gemeinde arbeiten, nicht gegen sie. Wichtig ist ihnen dabei ein offener Austausch, Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe.

Weitere Informationen zur Bürgerinitiative finden sich auf deren Website unter www.big3-info.de oder per E-Mail an info@big3-info.de.

Es hätte die kürzeste Bürgerinitiative in der Geschichte Plüderhausens werden können, scherzen Anja Siefert, Annette Hinderer und Thomas Beck. Ihr Anliegen, ein Konzept für die Ortsentwicklung zu erstellen, hatte die Gemeinde ohnehin schon angestoßen und dann auch im Gemeinderat beschlossen. Dann sahen die drei und ihre Mitstreiter aber doch noch einen Anlass, sich weiterhin einzusetzen. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen, wofür sie sich starkmachen und was ihnen für die Zukunft

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