Plüderhausen

Was der Wahlsieg von Nick Schuppert in Weikersheim für Plüderhausen bedeutet

Walkersbach Nick Schuppert Bauerntheater
Nick Schuppert. © ZVW-Archiv/Schneider

Knapp 61 Prozent der Stimmen – bei einer Wahlbeteiligung von fast 65 Prozent und zudem gegen einen langjährigen Amtsinhaber: Nick Schuppert kann zufrieden sein mit dem Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Weikersheim. Am vergangenen Sonntag wurde der Walkersbacher Ortswart dort zum Nachfolger von Klaus Kornberger gewählt, der die Amtsgeschäfte der gut 7500 Einwohner zählenden Stadt im Main-Tauber-Kreis seit 1998 leitete. Und der am Wahlabend mit knapp 39 Prozent der Stimmen eine klare Niederlage einstecken musste.

„Ich bin sehr überrascht und überwältigt“, sagt Nick Schuppert

Ganz so überraschend wie auf den ersten Blick scheint das Ergebnis aber nicht zu sein. Bereits bei der Wahl im Jahr 2013 hat Amtsinhaber Kornberger zwei Wahlgänge benötigt, um sich bei der Wahl durchzusetzen. Im ersten Wahlgang konnte der Amtsinhaber zwar die meisten, aber insgesamt nur knapp 46 Prozent der Stimmen hinter sich vereinen. In der Stichwahl konnte er sich dann mit gut 58 Prozent gegen seinen verbliebenen Herausforderer durchsetzen. Ganz so fest im Sattel war der parteilose Bürgermeister also bereits vor acht Jahren nicht mehr.

„Ich bin sehr überrascht und überwältigt“, sagt der Wahlsieger Nick Schuppert. Bei der hohen Wahlbeteiligung sei das Ergebnis ein „klarer Auftrag“, zugleich sei damit auch „eine hohe Verantwortung“ verbunden. Denn 24 Jahre Stadtentwicklung unter Kornberger, „das ist eine Leistung, das muss man hoch anrechnen, und das habe ich auch getan“. Vieles habe sein Vorgänger in der Stadt bewegt, vor allem im Bereich Bauen, von dem wolle er nun „das Gute erhalten und fortführen, aber auch Neues wagen“. Gerade im Bereich Soziales sei manches zu kurz gekommen. Im Wahlkampf habe er versprochen, sich hier verstärkt zu engagieren. Und einen neuen Führungsstil zu pflegen, bei dem die Bürgerschaft besser einbezogen wird in Entscheidungsprozesse.

Schwierig im Wahlkampf sei gewesen, dass der Gemeinderat sich mehrheitlich hinter Kornberger gestellt habe. Er wolle nun auf die Fraktionen zugehen. Den Wahlkampf mit dem Amtsinhaber bezeichnet er dennoch als „sachlich und fair“. Schuppert ist optimistisch, dass es eine ordentliche Stabübergabe geben wird.

Für Schuppert, der bisher sein Leben in Walkersbach verbrachte, ist mit dem Wahlergebnis ein Neuanfang verbunden. Einer, der sich aus seiner Sicht gut gestalten lässt. Mit den hundert Kilometern Entfernung sei er eben auch nicht aus der Welt.

Mit Dankbarkeit blickt er nach Weinstadt, wo Schuppert Leiter des Gemeindevollzugsdienstes ist. „Ich war unheimlich gerne in Weinstadt, komme auch wieder gerne zurück. Ich habe dort viel gelernt und viel Einblick in die Verwaltung bekommen.“ Neben der kommunalpolitischen Erfahrung in Plüderhausen und Walkersbach habe seine Stelle in Weinstadt den Wahlsieg in Weikersheim erst ermöglicht, betont er.

„Ein sehr großer Verlust für Plüderhausen“, sagt der Bürgermeister

In Plüderhausen, wo alle Fraktionsvorsitzenden ihn im Wahlkampf unterstützten, wird Schuppert jetzt eine Lücke hinterlassen. Bürgermeister Benjamin Treiber freut sich deshalb zwar über den Wahlsieg des SPD-Gemeinderats. Zugleich sagt er aber: „Das ist ein sehr großer Verlust für Plüderhausen.“ Treiber beschreibt Schuppert als eine Person „mit riesigem Verantwortungsbewusstsein“, das er bei Menschen in diesem Alter - der Ortswart ist 36 Jahre alt - so noch nie erlebt habe. „Ich bin sehr beeindruckt von ihm“, sagt der Bürgermeister. Und nennt nicht nur die vielen Ehrenämter, in denen sich Nick Schuppert engagiert. Er habe ihn auch in seinem Amt als Ortswart als eine Person erlebt, die auch in sehr schwierigen Fragen vermitteln konnte. Als Gemeinderat habe er sehr pragmatisch und zugleich entschieden agiert.

„Für die SPD ist diese Situation natürlich schwer“, sagt Treiber. Denn die Fraktion wird einen Sitz verlieren. Das hat eine Anfrage der Verwaltung an die Kommunalaufsicht ergeben. Das hängt mit der unechten Teilortswahl zusammen. Für Walkersbach gibt es eigene Listen, die einen Sitz im Gemeinderat für den Teilort garantieren sollen. Für die SPD trat 2019 Nick Schuppert an, für die CDU Holger Schuppert.

Da auf der SPD-Liste für Walkersbach keine weiteren Kandidaten antraten, kann auch niemand nachrücken. Und der Sitz im Gremium kann auch nicht an die CDU vergeben werden. Wer künftig Ortswart wird, steht noch nicht fest. Aus Sicht des Bürgermeisters läge es aber nahe, wenn Holger Schuppert dieses Amt übernähme, da nur er eine demokratische Legitimation habe. Zum ersten Mal wäre der Ortswart dann aber nicht Mitglied des Gemeinderats.

Die bitteren Folgen des Wahlsiegs für die Plüderhäuser SPD

Besonders bitter ist die Situation für die SPD, weil sie vor zweieinhalb Jahren mit fünf Sitzen in den Gemeinderat einzog. Und jetzt auf drei Sitze schrumpfen wird. Elke Mück hat kürzlich die Fraktion verlassen und ist jetzt Teil der GLU-Fraktion. Jetzt wird Schuppert gehen. „Das schmerzt mich“, sagt er. Denn „das ist kein Spiegelbild des demokratischen Willens mehr“. Die SPD habe schließlich 25 Prozent der Stimmen bei der Kommunalwahl erreicht.

„Das ist desaströs“, findet auch Klaus Harald Kelemen, SPD-Fraktionsvorsitzender in Plüderhausen. Denn seine Partei habe zwar den Anspruch auf den Sitz des Walkersbacher Teilorts, könne ihn aus Mangel an Nachrückern aber nicht mehr besetzen. Zugleich freut er sich aber über den Wahlsieg. Er habe bereits damit gerechnet, dass sein Noch-Fraktionsmitglied sehr gute Chancen habe. „Es gab einige Kritik an manchen Dingen, die passiert sind in der Stadt.“ So habe etwa das Großprojekt Tauberphilharmonie die Stadt gespalten.

Noch hat Plüderhausen Zeit, um die Nachfolge von Schuppert zu regeln

„Dafür sind andere Dinge in der Innenstadt und den Teilorten nicht gemacht worden.“ Auch durch seine sympathische und zuhörende Art und sein Versprechen, die Leute mitzunehmen, habe er wohl die Bürgerschaft für sich gewinnen können. „Schuppert ist höflich, freundlich, er hört zu, bevor er redet – und er ist verlässlich, wenn er entschieden hat.“ Bei allem Negativen, das der Sieg für die SPD bedeutet, sagt Kelemen daher auch ganz klar: „Jetzt freuen wir uns erst mal für den Nick.“

Wie geht es nun weiter in Walkersbach? Das ist noch nicht definitiv geklärt. Drei Monate hat die Gemeinde noch Zeit, um dafür eine Lösung zu finden. Nick Schuppert wird am 4. Februar sein Amt in Weikersheim antreten.

Knapp 61 Prozent der Stimmen – bei einer Wahlbeteiligung von fast 65 Prozent und zudem gegen einen langjährigen Amtsinhaber: Nick Schuppert kann zufrieden sein mit dem Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Weikersheim. Am vergangenen Sonntag wurde der Walkersbacher Ortswart dort zum Nachfolger von Klaus Kornberger gewählt, der die Amtsgeschäfte der gut 7500 Einwohner zählenden Stadt im Main-Tauber-Kreis seit 1998 leitete. Und der am Wahlabend mit knapp 39 Prozent der Stimmen eine klare

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper