Plüderhausen

Wie die Blaualgen im Plüderhäuser Badesee bekämpft werden können

BadeseePluederhausen
Den See in Plüderhausen hält Jennifer Lloyd-Pippich für „fehlgeplant“. © Gaby Schneider

Das dritte Jahr in Folge sind im Plüderhäuser Badesee vermehrt Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, aufgetaucht. Im Sommer musste deshalb ein Badeverbot verhängt werden. Denn die Bakterien können, vor allem für kleine Kinder, gefährlich sein. Doch woher kommen die Blaualgen – und was lässt sich dagegen tun?

Die Master-Studentin Jennifer Lloyd-Pippich hat dies zum Thema ihrer Abschlussarbeit gemacht. Dafür hat sie im Laufe des Jahres alle vierzehn Tage an drei Stellen Wasserproben entnommen und fand dabei in allen Bereichen einen hohen Blaualgenanteil. Sie hat zudem die einschlägige Fachliteratur gesichtet und Gespräche mit den wichtigen Akteuren im Ort geführt.

Mit Gewässern beschäftigt sich die Studentin schon seit mehreren Jahren, sie hat einen Bachelor im Fach „Ressourcenmanagement Wasser“ und macht gerade ihren Master im Fach „Umweltschutz“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen.

Den See bezeichnet die Studentin als "fehlgeplant"

Bei den Cyanobakterien, erklärte sie jetzt im Gemeinderat, handelt es sich um ein- bis vierzellige Bakterien, die es bereits vor dreieinhalb Milliarden Jahren auf der Erde gab. „Es ist das erste Leben, das Fotosynthese betrieb.“ Das Problem: „Sie sind evolutionär sehr gut angepasst und benötigen Phosphor und Stickstoff.“

Beides finden diese Bakterien im Plüderhäuser Badesee, den sie als „fehlgeplant“ bezeichnete. Denn er ist nur maximal vier Meter tief und wird lediglich durch Grundwasser gespeist. Der Flachwassersee besitzt also keinen oberflächlichen Ab- und Zufluss, was Phosphorablagerungen begünstige.

Aufklärung, Vergrämung oder Vertiefung: Vorschläge gegen die Blaualgen

Hinzu komme, dass der See an Spitzentagen bis zu 3000 Badegäste anziehe, es dort aber nur eine Dusche und jeweils nur eine Toilette für Männer und Frauen gebe.

Dabei sei der menschliche Phosphoreintrag pro Tag einer der entscheidenden Faktoren für das Blaualgenwachstum, erklärte Lloyd-Pippich. Er läge bei bis zu 0,1 Gramm pro Person und Tag. „Alleine durch das Benutzen von WC und Duschen wäre schon viel geholfen.“ Hier täte Aufklärung not.

Was tun mit den FFKlern?

Eine besondere Herausforderung würde dabei der FKK-Bereich darstellen. Denn „welcher FFKler nimmt eine Badehose mit, um duschen zu gehen? Das ist sehr unwahrscheinlich“. Außerdem gebe es keine Einstiegsmöglichkeit für die Badegäste in diesem Bereich, dadurch gelangten aus der Erde phosphorhaltige Sedimente in den See.

Bei den Gänsen läge der Phosphoreintrag mit 0,32 Gramm pro Tier und Tag noch höher. Aber von den Tieren gebe es an dem See nur saisonal 40 bis 50 Exemplare.

Der Faktor Landwirtschaft sei hingegen zu vernachlässigen. „Der Phosphor ist immobil im Boden und gelangt nicht an das Grundwasser“, sagte Lloyd-Pippich.

Die Vergrämung der Gänse, also das gezielte Vertreiben der Tiere von März bis Juli, war dann auch eine Handlungsoption, die Lloyd-Pippich vorschlug. Eine weitere wäre die Aufhebung des Hundeverbots im Winter. Diese könnten den Gänsen Angst einjagen. Und beides würde den Tierbestand und damit ihren Phosphoreintrag reduzieren. Seit einigen Wochen sei zudem ein Schwan am See. Dieser dulde keine Vögel in seinem Revier, die größer als Enten seien, „er verteidigt den See eisern“.

Die Mauer im Kinderbereich sollte entfernt werden

Was können die Fischer tun, um die Blaualgen zu verringern? Mehr Raubfische in den See stecken, schlug die Studentin vor. Denn das seien natürliche Fressfeinde der Cyanobakterien. Aber auch durch eine Anpassung der Fütterung ließe sich der Nährstoffeintrag in den See verringern.

Es gebe darüber hinaus weitere Möglichkeiten, um der Blaualgen Herr zu werden. So könnte man im Kinderbereich die angelegte Mauer wieder entfernen. Diese sei nicht förderlich, da dadurch kaum Wasseraustausch stattfinde – und gerade Kinder viel Sonnencreme in den See tragen. Auch eine Vertiefung dieser sehr flachen Stelle sei denkbar, denn „momentan heizt sich das Wasser extrem auf, da fühlen sich die Bakterien wohl“. Generell wäre es aus ihrer Sicht sinnvoll, den See etwas zu vertiefen und den Schlamm aus ihm zu entfernen.

Man könnte des Weiteren die Schilfbestände vergrößern. Denn diese dienen als natürlicher Schutzmantel des Sees, der Sedimente und damit Phosphor fernhält.

Möglich wäre auch, die Verdolung südlich des Sees anzuzapfen, um Frischwasser in den See abzuleiten.

Eine Kläranlage gegen Phosphor im See?

Die mit rund 35 000 Euro Kosten wohl teuerste Lösung wäre eine externe Phosphatfällung. Dabei handelt es sich um eine kleine Kläranlage, die Phosphor aus dem See entfernt. Denn oberstes „Ziel muss es sein, den Phosphor zu reduzieren“.

Wie geht es nun weiter mit dem Badesee? Darüber hat der Gemeinderat noch nicht entschieden. Die Diskussion um die konkreten, angemessenen Maßnahmen soll, so Bürgermeister Benjamin Treiber, bei der nächsten Sitzung im Oktober stattfinden.

Das dritte Jahr in Folge sind im Plüderhäuser Badesee vermehrt Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, aufgetaucht. Im Sommer musste deshalb ein Badeverbot verhängt werden. Denn die Bakterien können, vor allem für kleine Kinder, gefährlich sein. Doch woher kommen die Blaualgen – und was lässt sich dagegen tun?

Die Master-Studentin Jennifer Lloyd-Pippich hat dies zum Thema ihrer Abschlussarbeit gemacht. Dafür hat sie im Laufe des Jahres alle vierzehn Tage an drei Stellen Wasserproben

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