Plüderhausen

Wie die Pandemie die Nachfrage im Tierheim verändert hat - und was eine Tierschützerin vom Hundeführerschein hält

Hundetrainerin Sara Schmid
Hundetrainerin Sarah Schmid mit ihren beiden Vierbeinern. © Gabriel Habermann

Weil sich während der Corona-Pandemie die Arbeitsbedingungen verändert haben, haben viele Menschen sich den Traum vom Haustier erfüllt, die es sonst vielleicht nicht getan hätten. Das ist bekannt, aber wie hat sich die Lage nach einem guten Jahr Pandemie entwickelt? Darüber haben wir mit Nischa Mitchell, der Leiterin der Plüderhäuser Tierstation, gesprochen. Auch zum geplanten Hundeführerschein hat die Tierschützerin eine Meinung.

„Es gab definitiv mehr Anfragen als sonst“, berichtet Nischa Mitchell über die Corona-Zeit in der Tierstation. Erst seit Beginn der Pfingstferien habe sie bemerkt, dass der Ansturm etwas nachgelassen habe. „Ich denke, dass die Leute jetzt wieder ein bisschen mehr Freiheit bekommen haben, in den Urlaub fahren können“, antwortet sie auf die Frage, woran das liegen könnte. Wie es nach den Ferien weitergehe, könne sie natürlich nicht vorhersehen - vermutet aber, dass die Lage sich allgemein wieder verändert, wenn bald mehr Menschen ins Büro zurückkehren.

Auch Kleintiere stark nachgefragt

Die Nachfrage sei bei den Hunden spürbar gewesen, aber auch besonders stark bei den Kleintieren. Auf Hunde, die über den Auslandstierschutz vermittelt werden, habe es einen besonderen „Run“ gegeben. Für die Katzen aus der Tierstation haben sich nicht viel mehr Leute interessiert als sonst. Einen Vorteil hatte das hohe Interesse: „Wir konnten schneller Tiere vermitteln, die vielleicht sonst keine Chance gehabt hätten“, sagt Nischa Mitchell. „Deshalb haben wir aber nicht unbedingt mehr Tiere vermittelt.“ Bei einigen Interessenten hätte es einfach nicht gepasst.

„So viele negative Vorkontrollen wie 2020 hatten wir noch nie“, sagt die Tierstationleiterin. Zum Beispiel meldeten sich Menschen ohne Hundeerfahrung für ein Tier, bei dem schon in der Beschreibung stand, dass es erfahrene Besitzer braucht. „Ist die Zukunft durchdacht, wer ist nach der Home-Office-Zeit für das Tier da?“ - das sind Fragen, die die Mitarbeiter der Tierstation untersuchen, wenn sich Menschen für einen der Schützlinge dort interessieren. „Und dann ist jedes Tier noch mal anders“, erklärt Nischa Mitchell. Der Mensch müsse dazu passen. An Familien mit Kindern unter 12 Jahren, die noch keine Hundeerfahrung haben, vermittele die Tierstation derzeit überhaupt keine der Tiere, weil es mit solchen Fällen oft Stress gegeben habe. Viele Eltern würden falsch einschätzen, wie gut ihre jungen Kinder mit Hunden umgehen könnten.

Pubertäre Hunde werden oft abgegeben

Dass sich in der Corona-Zeit mehr Menschen ein Tier angeschafft haben, wurde oft auch kritisch gesehen. Es lag die Vermutung nahe, dass manche sich vielleicht nicht überlegt haben, wie es danach, wenn zum Beispiel bei der Arbeit wieder mehr Präsenz im Büro verlangt wird, mit ihm weitergehen könnte. In der Plüderhäuser Tierstation wurden bis jetzt zwar nicht mehr Tiere abgegeben als vor Corona-Zeiten, „aber wir müssen noch abwarten“, so Nischa Mitchell. Erfahrungsgemäß würden Hunde oft wieder abgegeben, wenn sie zwischen neun und zwölf Monaten alt sind. „Da merkt man halt, was man in der ersten Zeit verbockt hat.“ Die Hunde seien dann „ein bisschen in der Pubertät“ und testeten ihre Grenzen aus. So alt seien viele der Hunde, die sich Menschen im vergangenen Jahr zugelegt haben, aber noch nicht.

Könnte vielleicht der Hundeführerschein, den die neue Landesregierung plant, in Zukunft dafür sorgen, dass es nicht mehr so oft zu Fällen kommt, in denen Menschen sich unüberlegt Hunde zulegen und diese dann wieder loswerden wollen? Mit einem Sachkundenachweis für Hundehalter sollen Menschen beweisen, dass sie mit ihren Vierbeinern sicher umgehen können. Nötig sein werden dafür voraussichtlich fünf Praxisstunden und drei Theorieblöcke, jeweils gefolgt von einer Prüfung. In anderen Bundesländern gibt es ähnliche Nachweise schon. Genaues zu den Regelungen für den Hundeführerschein in Baden-Württemberg ist aber noch nicht bekannt. Zusätzlich will das Land auch eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Versicherungspflicht für Hunde einführen.

Hundeführerschein: Sinnvoll oder wenig zielführend?

Die Meinungen über die Einführung des neuen Sachkundenachweises gehen auseinander. Nischa Mitchell hält wenig davon. „Das ist nicht durchdacht“, sagt sie auf Nachfrage. Sie sei zwar auf das Konzept gespannt, das noch nicht bekannt sei, finde die bestehenden Konzepte aus anderen Gegenden aber nicht zielführend. „Wir klären Menschen ja auch auf, wenn wir ein Tier vermitteln“, sagt sie. Und: „Nicht alle Hundetrainer sind gut.“ Ein weiteres Problem, das sie sieht: Nicht alle Hunde können gleich viel leisten. Es komme also darauf an, was bei der Prüfung für den Sachkundenachweis letztendlich von den Tieren und ihren Besitzern verlangt werde.

Bis Details feststehen, findet sie es also schwierig, sich eine abschließende Meinung zu bilden. Sinnvoller, findet sie, wäre aber wahrscheinlich ein kostenloser Informationsabend für künftige Hundebesitzer oder eine individuelle Aufklärung der Hundebesitzer durch Tierschützer. „Ich würde vielleicht auch woanders ansetzen“, sagt sie außerdem. Sie spricht sich dafür aus, dass Hundezüchter besser kontrolliert werden. Besonders im Internet seien auch solche unterwegs, die nicht sehr sachkundig seien.

Für Impulskäufer könnte der Führerschein sinnvoll sein

Sarah Schmid von der Hundeschule „Petit Loup“, die unter anderem in Remshalden und Weinstadt agiert, hält den Hundeführerschein für machbar – je nachdem, wie er letztendlich ausgestaltet wird. „Die Leute, die in die Hundeschule kommen, haben sich im Vorfeld normalerweise wirklich ausgiebig rund um den Hund informiert“, sagt sie. Mit Impulskäufern habe sie es deshalb eher nicht zu tun. „Solche Menschen bräuchten keinen Hundeführerschein“, findet sie. „Aber das sind auch nicht die, die damit erreicht werden sollen.“

Ein Hundeführerschein könnte laut Schmid also dann von Vorteil sein, wenn ein Mensch sich tatsächlich gedankenlos einen Hund angeschafft und sich auch nicht mit dessen Rasse auseinandergesetzt habe. Für alle anderen sei es ärgerlich. Trotzdem sieht sie den Vorstoß generell positiv – nicht nur, weil Hundeschulen dann auf einen Schlag viel mehr zu tun hätten, wie sie sagt, sondern weil tatsächlich zu beobachten sei, dass manche Hundehalter sich nicht viel mit ihren Tieren auseinandersetzen. „Und für die anderen ist die Prüfung ein Klacks.“

Weil sich während der Corona-Pandemie die Arbeitsbedingungen verändert haben, haben viele Menschen sich den Traum vom Haustier erfüllt, die es sonst vielleicht nicht getan hätten. Das ist bekannt, aber wie hat sich die Lage nach einem guten Jahr Pandemie entwickelt? Darüber haben wir mit Nischa Mitchell, der Leiterin der Plüderhäuser Tierstation, gesprochen. Auch zum geplanten Hundeführerschein hat die Tierschützerin eine Meinung.

„Es gab definitiv mehr Anfragen als sonst“, berichtet

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