Plüderhausen

Windräder und Naturschutz – ein Konflikt? Ganz im Gegenteil, sagt Bruno Lorinser

Klimaschutzwahl
Die drei Windräder am Goldboden bei Winterbach: Auch in ihrer Genehmigungsphase gab es viele Diskussionen um den Artenschutz. © Gaby Schneider

Wenn irgendwo neue Windräder gebaut werden sollen, wie jetzt zwischen Welzheim und Plüderhausen, ist das eines der meistdiskutierten Themen: Welche Auswirkungen haben sie auf die Tier- und Pflanzenwelt? Gegner entwerfen schlimme Szenarien von getöteten Vögeln oder Fledermäusen und bemängeln Versäumnisse beim Schutz von Arten wie dem Rotmilan. Bruno Lorinser wundert sich über solche Debatten. Der Waiblinger Nabu-Vorsitzende sieht zum Beispiel überhaupt kein Problem in den drei Windrädern, die die EnBW in den Wald zwischen Welzheim und Plüderhausen stellen will. Er meint: Die Windenergie sei wichtig für die Menschheit. Und: Richtig angepackt, könnten Windräder in einem Wald sogar positive Effekte haben.

Als Sprecher des Arbeitskreises Rems-Murr des Landesnaturschutzverbands (LNV) hat Bruno Lorinser im Genehmigungsverfahren für die EnBW-Windkraftanlagen die Stellungnahme der Naturschutzverbände dazu abgegeben. Das heißt, seine Unterschrift steht unter dem entsprechenden Dokument. Er betont aber: Alle maßgeblichen Fachleute aus den Ortsverbänden von Nabu oder BUND waren beteiligt. Hinter der Stellungnahme stünden die Leute vor Ort, die die Verhältnisse dort gut kennen.

Naturschutzvereine vor Ort haben die Pläne der EnBW geprüft

„Die beteiligten Verbände befürworten die Umsetzung des Vorhabens“, so steht es in der Stellungnahme der Naturschutzverbände, abgegeben über den LNV als Dachverband. Als bei einem Erörterungstermin in Welzheim ein Vertreter der Genehmigungsbehörde im Landratsamt diesen Satz vorlas, ging ein Raunen durch die versammelten Windparkgegner, die wohl mit etwas anderem gerechnet hatten.

Bruno Lorinser hat den Eindruck, dass der Arten- und Naturschutz oft nur ein von den Windkraftgegnern herangezogener Vorwand in den Debatten ist: „Die benutzen oft dieses Instrument, die Natur oder Vögel wie den Rotmilan, um ihre persönlichen Bedenken zu formulieren.“ Aus deren Sicht könnten diese Bedenken ja auch alle richtig sein, er könne auch manches nachvollziehen. Aber: „Es sind oft Empfindungen, die nicht belegt sind durch eine sachliche Basis und eigene Erfahrungen, sei es bei Artenschutzfragen oder Befürchtungen wegen Lärm und Ähnlichem. Mich erstaunt immer, mit welcher Selbstsicherheit Leute da auftreten. Die lassen sich auf Debatten ein, die nicht sachlich unterfüttert sind.“

Wie sind die Naturschutzverbände zu ihrer Einschätzung in Bezug auf das Windkraftprojekt der EnBW gekommen? „Wir haben die Planungsunterlagen gehabt und durchgearbeitet“, sagt Bruno Lorinser. Das Fazit: „Wir halten die artenschutzrechtlichen Belange für nachvollziehbar und ausreichend abgearbeitet.“ Und die Gutachten, die die Windparkgegner zum Beispiel im Erörterungstermin in Welzheim so massiv angegriffen haben und für unzureichend halten? Dazu Lorinser glasklar: „Wir haben die fachliche Kompetenz, um das zu beurteilen.“ Aus dieser Kompetenz heraus habe man den Eindruck, dass die Gutachter gut gearbeitet haben.

Nur ein Kritikpunkt der Naturschützer

Lediglich einen Kritikpunkt hatten die Naturschutzverbände: Die Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Lebensräume von Vögeln wie Waldlaubsänger oder Rot- und Schwarzmilan, die vor Beginn des Baus durchgeführt werden müssen, sollten aus ihrer Sicht „im Sinne der Transparenz“ auch aufgeführt werden. Es gehe zum Beispiel um Maßnahmen wie die „Stilllegung“ von Waldflächen, die dann nicht mehr bewirtschaftet werden und die, so Lorinser, „im Sinne von Waldrefugien“ unter Schutz gestellt werden.

Denn, Bruno Lorinser und die Naturschutzverbände stellen keineswegs in Abrede, dass der Bau von Windrädern natürlich einen Eingriff in die Lebensräume von bestimmten Tierarten darstellt. Die Frage für sie ist aber: Schaden die Anlagen diesen Tierarten wirklich?

Beispiel Rotmilan: Dort, wo die EnBW ihren Windpark bauen will, gibt es Brutpaare des geschützten Greifvogels. Aber Bruno Lorinser sagt: „Windkrafträder im Wald sind für die nicht grundsätzlich eine Bedrohung.“ Zum Jagen seien die Milane im Freiland unterwegs, lediglich ihre Horste befänden sich im Wald. Es gehe darum, zu schauen, wo ihre Flugwege liegen. Und das sei in den Gutachten für den Antrag der EnBW sauber durchgeführt.

„Das sind keine Wälder, das sind Holzäcker“

Und dann sagt der 70-Jährige aus Waiblingen noch etwas Erstaunliches, das so in den Debatten eigentlich nie zu hören ist: Für Tiere wie Fledermäuse oder den Waldlaubsänger könnten die Windräder sogar Verbesserungen bringen, wenn zum Beispiel als Ausgleichsmaßnahmen Waldrefugien geschaffen würden. Solchen geschützten Räumen gegenüber müsse man aus Naturschutzsicht zu den Gebieten, in denen Windräder oft errichtet würden, sagen: „Das sind keine Wälder, das sind Holzäcker.“ Sprich: forstwirtschaftlich genutzte Gebiete, in denen Bäume wachsen, um irgendwann gefällt, verkauft und verarbeitet zu werden. Deswegen sei auch das Argument der Windkraftgegner „Unsinn“, der Wald werde durch den Bau zerstört.

Im Gegenteil sei richtig: In so einem „Holzacker“ könne eine neue Lichtung für ein Windrad sogar eine Verbesserung der Biodiversität bewirken. „Da fällt Licht in den Wald, da können andere Gehölze, Kräuter oder Blühpflanzen wachsen, das schafft Lebensraum für Insekten, die sind dann wieder wichtig für Fledermäuse.“ Man müsse „vernetzt denken“, sagt Lorinser.

Sicher müsse man genau hinschauen, und dort, wo es nötig sei, Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen treffen. Da helfe auch die Technik. Schon jetzt gibt es automatische Abschalteinrichtungen für die Tages- und Nachtzeiten, in denen Fledermäuse fliegen. „Wenn es die Natur nicht stört, wenn man das im gegenseitigen Einvernehmen von Natur und Anlagen gestalten kann, ist es doch recht“, sagt Bruno Lorinser.

Nein, nicht nur „recht“, sondern zwingend nötig, findet er. Zwei Bedrohungen sind für ihn maßgeblich: die Klima- und die Biodiversitätskrise, sprich, das Artensterben. Wenn man darauf keine Antworten finde – „dann ist unser Thema Menschheit auch erledigt, dann war es das mit uns“. Die nötige „Zeitenwende“ dafür sei nur mit Wind- und Sonnenenergie zu schaffen. Und die müsse man regional erzeugen, dort, wo sie gebraucht und verbraucht würden. „Da kann ich nicht sagen: Ich bin einfach dagegen. Mit pauschaler Ablehnung kommen wir als Gesellschaft nicht weiter.“

Bruno Lorinser sieht auch keinen Konflikt mit dem Natur- und Artenschutz in dem Ansinnen der Landesregierung, die ewig langen Genehmigungszeiten für Windräder zu verkürzen. „Ich halte das für richtig“, sagt er. „Wir von den Naturschutzverbänden haben da eigentlich kein Bauchweh damit.“ Der Artenschutz, ist er sicher, komme nicht „unter die Räder“.

Wenn irgendwo neue Windräder gebaut werden sollen, wie jetzt zwischen Welzheim und Plüderhausen, ist das eines der meistdiskutierten Themen: Welche Auswirkungen haben sie auf die Tier- und Pflanzenwelt? Gegner entwerfen schlimme Szenarien von getöteten Vögeln oder Fledermäusen und bemängeln Versäumnisse beim Schutz von Arten wie dem Rotmilan. Bruno Lorinser wundert sich über solche Debatten. Der Waiblinger Nabu-Vorsitzende sieht zum Beispiel überhaupt kein Problem in den drei Windrädern, die

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