Plüderhausen

Windräder zwischen Welzheim und Plüderhausen: Gegner machen Kampfansage

Windräder
So wie in dieser Visualisierung der EnBW könnte der Blick von Breitenfürst aus auf die drei Windräder einmal aussehen. © EnBW

Bis 2025 könnten sich drei Windräder zwischen Breitenfürst und Walkersbach drehen. Vorher muss das Projekt der EnBW aber noch durch das Genehmigungsverfahren. Bei einer gut besuchten Online-Infoveranstaltung am Mittwochabend wurden die Pläne und das Verfahren nun erneut vorgestellt. Dabei ging es größtenteils sachlich zu. Ein Satz von ENBW-Mann Michael Soukup erzürnte jedoch die Windpark-Gegner. „Wir kämpfen gegen Leute wie Sie, die alles plattmachen“, schimpfte Thomas Häußermann von der Bürgerinitiative „Windrad und Natur“.

Im Folgenden ein Überblick über einige der wichtigsten Fragen und Antworten, die bei der Veranstaltung zur Sprache kamen.

Was genau hat die ENBW vor?

Die ENBW will drei Windräder bauen und zwei Typen von Vestas verwenden. Alle haben eine Nabenhöhe von 166 Metern. Das nördliche Windrad, das dem Welzheimer Ortsteil Breitenfürst am nächsten steht, hat einen Rotordurchmesser von 150 Metern (Typ V150), die beiden anderen von 162 Metern (Typ V 162). Zum Vergleich: Die Windräder am Goldboden oberhalb von Winterbach haben eine Nabenhöhe von 164 Metern und einen Rotordurchmesser von 130 Metern.

Wie ist der weitere Ablauf des Genehmigungsverfahrens?

Die ENBW arbeitet schon seit 2018 am Windkraftprojekt. 2021 hat der Konzern den Genehmigungsantrag im Landratsamt abgeliefert, musste dann aber noch Unterlagen nachreichen. Die letzten habe man diese Woche abgegeben, sagte Michael Soukup, der bei der ENBW für Windkraftprojekte an Land verantwortlich ist, in der Infoveranstaltung. „Wir würden uns freuen, wenn wir die Genehmigung 2023 bekommen.“ 2024 könnte dann im Idealfall der Baubeginn sein, bis der Windpark 2025 in Betrieb geht.

Ob die ENBW die Genehmigung bekommt, ist natürlich noch offen, wie Simon Kistner, der Leiter des Amtes für Umweltschutz betonte. Vom 17. Februar bis zum 16. März sind die Antragsunterlagen öffentlich einsehbar auf www.rems-murr-kreis.de oder www.uvp-portal.de sowie im Landratsamt und in den Rathäusern in Plüderhausen und Welzheim. Bis zum 19. April können alle Bürgerinnen und Bürger Einwendungen vorbringen: schriftlich ans Landratsamt oder an einwendungen-windpark@rems-murr-kreis.de. Für den 6. Juli ist ein öffentlicher Erörterungstermin geplant, der voraussichtlich in der Eugen-Hohly-Halle in Welzheim stattfindet.

Danach prüft das Amt für Umweltschutz alle Einwendungen und Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürgern, Behörden und den sogenannten Trägern öffentlicher Belange, zu denen zum Beispiel auch Umwelt- und Naturschutzverbände gehören. Auch die Gemeinden Welzheim und Plüderhausen können Stellungnahmen abgeben, die öffentlich in den Gemeinderäten diskutiert werden sollen.

Ist ein Wasserschutz- oder Landschaftsschutzgebiet betroffen?

Bärbel Bach, eine Walkersbacherin, meldete sich in der Infoveranstaltung mit der Frage, ob es sich bei dem betroffenen Gebiet um ein Landschaftsschutz- und Wasserschutzgebiet handelt. Beides verneinte Simon Kistner vom Umweltamt nach einem Blick in den Online-Kartendienst „Udo“ der LUBW, der für alle offen einsehbar ist.

Ob und inwiefern der Bau der Windräder Einfluss auf die Trinkwasserversorgung der umliegenden Siedlungen haben könnte, das werde im Genehmigungsverfahren geprüft, sagte Kistner.

Blinken die Windräder in der Nacht?

Wer nachts am Windpark Goldboden oberhalb von Winterbach vorbeifährt, der sieht die Windräder dort auch aus weiter Entfernung im Dunkeln rot blinken. Das wird bei den Anlagen zwischen Breitenfürst und Walkersbach nicht der Fall sein, wie Michael Soukup erklärte. „Sie werden nur noch dann blinken, wenn ein Flugobjekt in den Erfassungsbereich einer Windkraftanlage kommt.“ Entferne sich das Flugobjekt wieder, dann höre auch das Blinken auf. „Das ist eigentlich kein großes Thema für die Zukunft mehr“, meint Soukup. Die Flugzeuge, die den Stuttgarter Flughafen ansteuern oder von dort abheben, dürften laut ihm dem Windpark nicht so nahekommen, dass die Lichter ausgelöst werden.

Wie viel Lärm und Schattenwurf produzieren die Windräder?

Im Genehmigungsverfahren für die Windräder wird es auch um die Frage gehen, ob und inwiefern sie die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Orte beeinträchtigen und welche Auflagen für den Betrieb der Anlagen möglicherweise nötig werden. Ein Thema ist dabei der Geräuschpegel, der von den sich drehenden Windrädern ausgehen kann. Als Grenzwert gelten für allgemeine Wohngebiete nachts maximal 40 Dezibel. Laut Gutachten der ENBW wird diese Grenze für die umliegenden Wohnsiedlungen lediglich beim Köshof erreicht. Welche Auflagen das für den Betrieb der Windräder nach sich ziehen könnte, wird Gegenstand des Genehmigungsverfahrens sein.

Auch für den möglichen Schattenwurf gibt es ein Gutachten mit Prognose. Als Grenzwerte gelten hier: Ein bewohntes Gebäude darf höchstens 30 Stunden im Jahr oder 30 Minuten täglich vom Schlagschatten der Windkraftanlagen betroffen sein. Das ist laut der Karte, die Michael Soukup zeigte für keinen der umliegenden Orte der Fall. Demnach dürfte es sehr selten und nur für kurze Zeit vorkommen, dass Schlagschatten auf bewohntes Gebiet trifft, und nur, wenn unterschiedliche Faktoren zusammentreffen: Sonnenschein bei wolkenlosem Himmel, eine senkrecht zur Sonnenstrahlung stehende Rotorfläche, und gleichzeitig genügend Wind, damit der Rotor auch in Bewegung ist.

Wie viel Wald muss abgeholzt werden?

Auf diese Frage konnte Michael Soukup von der ENBW noch keine genaue Zahl nennen. Insgesamt müsste man rund 2,2 Hektar Wald für die geplante Betriebszeit von 20 bis 25 Jahren freimachen. Dazu kämen noch weitere Flächen, die temporär für den Aufbau benötigt würden, die dann aber direkt wieder renaturiert würden. Soukup betonte aber: „Für jeden Quadratmeter, den wir aus dem Wald entnehmen, müssen wir an anderer Stelle, idealerweise in der näheren Umgebung, Flächen wieder aufforsten.“ Deswegen sei es „ein Nullsummenspiel“, es gehe kein Wald verloren.

Der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr präzisierte daraufhin: Es müsse einerseits ein naturschutzrechtlicher, andererseits ein forstrechtlicher Ausgleich stattfinden. Simon Kistner vom Umweltamt sagte zur Naturschutzseite: „Grundsätzlich ist gewünscht, dass ein Eins-zu-eins-Ausgleich stattfindet.“ Man könne das aber auch mit Ökopunkten berechnen, einem fiktiven Wert, der dann durch bestimmte Maßnahmen ausgeglichen werden müsse, indem man zum Beispiel ein Biotop anlege oder andere Dinge für den Artenschutz tue.

Worüber gab es bei der Infoveranstaltung Streit?

ENBW-Projektentwickler Michael Soukup bezeichnete die Befürchtung, durch den Bau von Windkraftanlagen seien Naturerlebnis und Naherholung im Wald nicht mehr möglich, als „starke Übertreibung und Unterstellung“. Der Wald werde „minimalst“ berührt. Dann kam eine Aussage, die die Windradgegner in Rage versetzte: „Wir befinden uns hier in forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Das, was wir als Wald bezeichnen, hat nur einen einzigen Zweck: Die Bäume werden früher oder später gefällt.“

Die Walkersbacherin Bärbel Bach meldete sich daraufhin und sagte: „Ich finde, es ist eine Dreistigkeit, zu behaupten, dass der Wald hier nur dem Forst dient.“ Sie sei jeden Tag dort unterwegs. Und dort, wo für die Windräder gerodet würde (Bach sprach von „Naturzerstörung“), entstehe eine kahle Fläche ohne Tiere und Pflanzen.

Thomas Häußermann von der Bürgerinitiative „Windrad und Natur“ nannte Soukups Aussage einen „schlimmen Satz“, den er sich merken werde. „Deswegen kämpfen wir. Wir kämpfen gegen Leute wie Sie, die einfach alles plattmachen.“

Zuvor sagte Häußermann: Die Wälder seien wirtschaftlich stark genutzt, „aber immer noch schön“. Sie würden das Remstal noch lebenswert machen. „Wir haben genug Industrie in den Tälern. Das ist gut und das brauchen wir. Jetzt wollen wir nicht noch die Wälder durch Windkraftanlagen zerstören. Dagegen wehren wir uns.“ Häußermann ist der Ansicht: „Drei Räder gehen ja noch.“ Er befürchtet aber, es könnten mehr werden. „Wir halten den Eingriff in Landschaft und Natur für nicht gerechtfertigt in der windschwachen Region Stuttgart.“

ENBW-Mann Michael Soukup hielt dem entgegen, dass die Erzeugung in der „neuen Energiewelt“ ohne fossile und atomare Kraftwerke dezentral aufgestellt sein solle. Und er wies darauf hin, dass auch hohe Kosten dafür entstehen, den Strom von Nord nach Süd zu transportieren. Kosten die einen großen Teil der EEG-Umlagen ausmachen, die derzeit noch alle Stromverbraucher zahlen müssten, so Soukup.

Mit welchem Ertrag rechnet die ENBW durch die Windräder?

Mit dem Windpark könnten pro Jahr rund 31Gigawattstunden Strom erzeugt werden, so die theoretische Rechnung der ENBW. Dafür wird der Energiekonzern laut Michael Soukup zwischen 20 und 22 Millionen Euro investieren.

Ob und wie schnell die ENBW dieses Geld durch die Stromerträge wieder einspielt, das ließ Michael Soukup in der Online-Infoveranstaltung offen. Entscheidend sei, dass der Windpark mit seiner produzierten Strommenge einen Beitrag zur Energieversorgung und als Ersatz für wegfallende konventionelle Kraftwerke leiste. Er sagte aber auch: „Wir werden Projekte nur umsetzen, wenn sie auch wirtschaftlich für die ENBW sind.“

Die für die Herstellung und den Bau der Windräder verbrauchte Energie und das dadurch freigesetzte CO², sei bereits in den ersten sieben bis zwölf Monaten wieder durch die CO²-Einsparung in der grünen Stromerzeugung ausgeglichen.

Bis 2025 könnten sich drei Windräder zwischen Breitenfürst und Walkersbach drehen. Vorher muss das Projekt der EnBW aber noch durch das Genehmigungsverfahren. Bei einer gut besuchten Online-Infoveranstaltung am Mittwochabend wurden die Pläne und das Verfahren nun erneut vorgestellt. Dabei ging es größtenteils sachlich zu. Ein Satz von ENBW-Mann Michael Soukup erzürnte jedoch die Windpark-Gegner. „Wir kämpfen gegen Leute wie Sie, die alles plattmachen“, schimpfte Thomas Häußermann von der

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