Rems-Murr-Kreis

Kriegsspiele in Wehrmachtsuniform: SEK-Einsatz in Backnang war Teil einer großen Aktion - Polizei stößt auf massenhaft Waffen

SEK-Einsatz
SEK-Einsatz in Backnang-Sachsenweiler am Donnerstagmorgen. Nicht nur im Rems-Murr-Kreis wurde die Polizei fündig. © 7 aktuell / Simon Adomat

Der Einsatz von Spezialeinsätzkräften am frühen Donnerstagmorgen in Backnang-Sachsenweiler war Teil einer groß angelegten Aktion in mehreren Bundesländern. Im Rems-Murr-Kreis sind große Mengen Waffen gefunden worden.

Es geht um ein Ermittlungsverfahren gegen derzeit 19 Beschuldigte aus verschiedenen Bundesländern, die im Verdacht stehen, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. Laut Polizei gab es einen Hinweis, wonach sich bewaffnete Personen in Wehrmachtsuniformen in einem Gebäude im Landkreis Biberach getroffen haben sollen. Im Zuge der Ermittlungen gerieten weitere Personen ins Visier der Kripo Ulm. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich einer Mitteilung der Polizei zufolge um Männer und Frauen im Alter zwischen 27 und 77 Jahren. Sie sollen Wehrmachtsuniformen getragen und mit Waffen ausgestattet gewesen sein, als sie in einem Waldstück zusammen gekommen waren und unter anderem Kriegsszenarien nachgestellt haben sollen. Nach diesem Vorfall führte eine der Spuren offenbar auch nach Backnang-Sachsenweiler. Laut Polizei besteht der Verdacht, dass die Männer und Frauen auch Waffen, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, benutzten und Kleidung trugen, auf denen verfassungsfeindliche Symbole angebracht sind.

Rund 17 Wohnungen und ein Waldstück durchkämmt

Beim groß angelegten Einsatz diesen Donnerstagmorgen wurden rund 17 Wohnungen und ein Waldstück nach Beweismitteln durchsucht. Beamte durchkämmten Objekte in München, in den Landkreisen Augsburg, Biberach, Esslingen, Günzburg, Kempten, Sigmaringen, Tübingen und Ostallgäu sowie im Ostalb- und im Rems-Murr-Kreis. Die Ermittler beschlagnahmten Computer, eine Vielzahl an Waffen, Munition, Uniformteile, Fahrzeuge und verfassungsfeindliche Symbole. Die Einsatzkräfte fanden ferner Granaten, die von Sprengstoffexperten begutachtet werden mussten. Im Landkreis Sigmaringen wurden zwei Zündkapseln unter Aufsicht der Fachkräfte kontrolliert gesprengt. Bei einem der Beschuldigten stellten die Ermittler außerdem Betäubungsmittel sicher. In den Landkreisen Esslingen, Sigmaringen und im Rems-Murr-Kreis stießen die Ermittler auf eine derart große Anzahl an Waffen, dass zu deren Abtransport Lkw benötigt wurden. Sachverständige sollen nun klären, ob die Waffen echt sind oder ob es sich um Anscheinswaffen handelt.

Verdächtige zunächst auf freien Fuß gesetzt

Die Tatverdächtigen kamen vorerst wieder auf freien Fuß, heißt es in der entsprechenden Mitteilung des Polizeipräsidiums Ulm.

Die Durchsuchungen dauerten am Abend noch an, weil die Ermittler auf sehr sehr viele Beweismittel gestoßen waren. Die Auswertung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Ein SEK-Einsatz sorgt immer für Aufsehen, das verwundert nicht. „Sehr viele Einsätze“ hat das am Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen ansässige Spezialeinsatzkommando (SEK) zu bewältigen, so Sprecher Jens Czechtizky. Gegründet wurde das SEK 1977. Fast 8000 Einsätze zählte die Spezialeinheit in 40 Jahren, und „noch keine zehn Mal musste das SEK von der Schusswaffe Gebrauch machen“, informiert Jens Czechtizky. Kein einziger SEK-Beamter sei in Baden-Württemberg in all den Jahren im Einsatz getötet worden, obwohl es die Fachleute mit einem „hohen Gefährdungsgrad“ zu tun haben. Gerufen wird das SEK etwa immer dann, wenn es die Polizei mit einem bewaffneten Täter zu tun hat oder zu befürchten ist, dass Verdächtige eine Schusswaffe einsetzen könnten. Das SEK setzt „auf das Überraschungsmoment“ und ist natürlich auf zu erwartende Gefahren im Einsatz vorbereitet.

"Die Leute müssen ständig am Ball bleiben"

Zahlen zur Einheit oder Details zur Einsatztaktik behält die Polizei aus nachvollziehbaren Gründen für sich. Klar ist, dass ausgebildete Polizisten ein Auswahlverfahren bestehen und psychisch wie physisch besonders belastbar sein müssen, um die Ausbildung bewältigen zu können.

Das in Göppingen ansässige SEK ist für ganz Baden-Württemberg zuständig und gelangt mit Hubschraubern an die Einsatzorte. Fortbildungen beanspruchen viel Zeit; „die Leute müssen ständig am Ball bleiben“, sagt Czechtizky. Es geht in den Fortbildungen unter anderem um Einsatztaktik oder um Nachbearbeitung von Einsätzen.