Rems-Murr-Kreis

Tollwut: Warnung an Käufer von Hundewelpen

Illegaler Hundewelpenhandel aus Pkw in FellbachFellbach, WernerstraßeDienstag, 23.11.2010, 11:00 Uhr
In Fellbach hat im November 2010 ein Ehepaar illegalerweise Hundewelpen aus einem Fahrzeug mit litauischem Kennzeichen heraus verkauft. © Polizeipräsidium Aalen (Archiv)

Backnang. Bei Hunden aus Osteuropa kommt einem der illegale Welpenhandel in den Sinn. Andererseits aber auch aufopferungsvolle Tierschützer, die Straßenhunden aus Rumänien helfen. In beiden Fällen gilt: Wenn die Tiere nicht geimpft sind, könnten sie Tollwut haben! Darüber klärt jetzt zum Welt-Tollwut-Tag das Kreisveterinäramt auf und gibt nützliche Tipps.

Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei. Allerdings sind Experten wachsam. Ein Risiko stellen aus Sicht von Stephan Betz, Leiter des Veterinäramts im Rems-Murr-Kreis, junge Hunde aus nicht tollwutfreien osteuropäischen Ländern dar.

Bisher sind dem Veterinäramt in Deutschland zwei Fälle von eingeschleppter Tollwut bekannt. Im Landkreis Bamberg wurde im Sommer 2013 bei einem Hundewelpen aus Marokko Tollwut festgestellt. Bei einem aus Kroatien importieren Hund im Landkreis Lörrach wurde am Ende Dezember 2008 durch die Veterinärbehörde des Landratsamtes Lörrach Tollwut amtlich festgestellt.

Tierschützer kämpfen seit Jahren gegen den illegalen Handel

Tierschützer kämpfen seit Jahren gegen den illegalen Welpenhandel, der neben tierschutzrechtlichen Problemen insbesondere in Bezug auf Tollwut eine Gefahr sei. „Erst wenn der Hund mindestens zwölf Wochen alt ist, kann er geimpft werden, weil er zuvor keinen Impfschutz ausbilden kann“, so Stephan Betz. Allerdings kämen häufig wesentlich jüngere Hunde aus Osteuropa nach Deutschland. Sie sind in der Regel ungeimpft, dies mache sich allerdings nicht jeder Hundefreund klar.

„Wer sich leichtgläubig einen süßen kleinen Welpen aus den Ländern kauft, hat widerrechtlich einen Hund ohne Impfschutz eingeführt.“ Zudem unterstütze er einen Verstoß gegen das Tierschutzrecht, weil Hunde nicht so früh von der Mutter getrennt werden dürfen. Bevor jemand mit Hunden Handel treiben darf, lässt sich das Veterinäramt den Sachkundenachweis vorlegen - er ist Voraussetzung für den geregelten Handel mit Hunden.

„In Ungarn setzen Züchter Hunde aus, die nicht perfekt geraten sind“

Betz rät Hundekäufern, sich vor dem Kauf den Heimtierausweis zeigen zu lassen: Dieser werde ausschließlich an zugelassene Tierärzte ausgegeben. „Liegt dieser vor, zusammen mit einer gültigen Tollwut-Impfung, ist man wegen der Tollwut auf der sicheren Seite.“ Existiert kein Nachweis über eine Impfung des Hundes oder ist er mit gefälschten Papieren in Deutschland gelandet, werde das Tier in Quarantäne gesteckt. Wichtig zu wissen: Eine Quarantäne aufgrund des fehlenden Tollwutschutzes ist eine große Belastung für die Welpen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verhaltensstörungen führen könne.

Wer meint, etwas Gutes zu tun, indem er Straßenhunde in Osteuropa „rettet“, solle die andere Seite bedenken: „In Ungarn setzen Züchter Hunde aus, die nicht perfekt genug geraten sind. Dies wiederum ist dem Umstand geschuldet, dass diese Hunde für unseren Markt und unsere Ansprüche überhaupt gezüchtet werden.“ Eine ungute Verkettung.

Aushebeln lassen sich die Missstände durch eine grundlegende Einsicht: „Es gibt genügend vermittelbare Hunde in unseren Tierheimen, wir müssen nicht auf Hunde aus anderen Staaten, insbesondere aus Tollwut-Risikoregionen zurückgreifen“, so Betz. Zumal man sich mit einem Straßenhund weitere Probleme einfangen könne. „Sie sind in der Regel ein freies Leben gewohnt, es kann sein, dass dies zu Problemen und Verhaltensstörungen führt, wenn sie plötzlich in einer Wohnung leben sollen.“

Wichtige Tipps für Hundekäufer und Auslands-Reisende mit Hund

Organisationen, die Hunde aus Osteuropa nach Deutschland bringen, benötigen zwingend eine Erlaubnis des zuständigen Veterinäramtes nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes. Diese können sich Hundekäufer vorlegen lassen.

Zusätzlich zur gesetzlich vorgeschrieben Impfung ist es empfehlenswert, die Tiere zu entwurmen sowie sie einem Blut- und Gesundheitscheck bei einem Tierarzt unterziehen zu lassen. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen können ansteckende Krankheiten insbesondere aus Südeuropa eingeschleppt werden.

Bei einer Reise mit Hund ins EU-Ausland ist eine gültige Tollwut-Impfung Pflicht und gehört somit auf jeden Fall in den EU-Heimtierausweis. Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei. Bleibt ein Hund ausschließlich in unseren Breiten, ist eine Impfung nicht zwingend erforderlich. Mehrere Tollwutimpfstoffe für Hunde haben eine Zulassung für drei Jahre. Impfstoffe, die nur für ein oder zwei Jahre zugelassen sind, sollte man nicht geben lassen. (Quelle: www.deine-tierwelt.de).


Tollwut: Fakten, Verbreitung, Impfung

Jährlich sterben 59 000 Menschen an Tollwut, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Eine hohe Dunkelziffer gibt es wahrscheinlich in Asien und Afrika.

Tollwut ist eine Virusinfektion, die bei Tieren und Menschen eine akute lebensbedrohliche Encephalitis (Gehirnentzündung) verursacht. Das Virus gelangt in den Speichel des an Tollwut erkrankten Tieres und wird in der Regel durch einen Biss auf ein anderes Tier oder den Menschen übertragen. Eine Infektion ist jedoch auch über Kontakt des Speichels mit bestehenden kleinen Hautwunden möglich.

Wie das Robert-Koch-Institut informiert, stellt bei intakter Haut bloßes Berühren oder Kontakt zu Blut, Urin oder Kot eines tollwutverdächtigen Tieres keinen Übertragungsweg für Tollwut dar. Von Bissen durch kleine Nagetiere wie Ratten, Mäuse, Eichhörnchen sowie Hasen und Kaninchen gehe ebenfalls keine Tollwutgefahr aus.

Ohne vorherige Impfung und ohne rechtzeitige Behandlung nach dem Kontakt mit einem infiziertem Tier verläuft die Erkrankung tödlich.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Bisher wurden Übertragungen nach Organtransplantation dokumentiert. Eine Übertragung des Virus über Speichel (etwa durch Bisse oder Kontamination von Wunden) ist theoretisch denkbar, wurde bisher aber nicht beschrieben. Es wird davon ausgegangen, dass mit Symptombeginn beim Menschen eine Ansteckungsfähigkeit besteht.

Die Inkubationszeit beträgt bei der Tollwut in der Regel drei bis acht Wochen, selten kürzer als neun Tage, in Einzelfällen bis zu einem oder sogar mehreren Jahren.

Für Füchse, Hunde und Katzen gibt es eine Schluckimpfung. Der Impfschutz beim Menschen wird gespritzt.

Neben Deutschland haben in Europa auch die Schweiz, Finnland, Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien, Slowenien sowie die Tschechische Republik durch die orale Immunisierung der Füchse offiziell den Status „tollwutfrei“ (frei von terrestrischer Tollwut) erlangt. Als frei von terrestrischer Tollwut gelten seit langem auch Spanien (nicht die nordafrikanischen Exklaven Melilla und Ceuta), Portugal, Großbritannien, Irland und die skandinavischen Länder. In Ländern wie Polen, der Slowakei, Ungarn, Estland, Litauen und Lettland wurden in den letzten Jahren nur noch sporadisch Einzelfälle von Tollwut gemeldet. Die Türkei, Nordafrika, Russland, die Karpaten und weitere Länder und Regionen gelten als nicht tollwutfrei. (Quelle: Robert-Koch-Institut)