Remshalden

Alte Realschule vermutlich von Rakete entzündet

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Feuer auf dem Dach der ehemaligen Remshaldener Realschule in der Silvesternacht. © Benjamin Beytekin

Remshalden.
Zum Jahreswechsel nicht beim Feiern mit Familie und Freunden, sondern im Brandeinsatz – das ist leider für Angehörige von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz alle Jahre wieder eine Situation, mit der sie rechnen müssen. wo mehr als 30 Affen in einem Zoo verbrannten, gab es aber nicht. Im Kreis wurde nach dem aktuellen Kenntnisstand der Polizei niemand ernstlich durch Brände oder andere Feuerwerks-Folgen verletzt.

Doch auch in der Region hat diese Silvesternacht wieder nur zu gut gezeigt, wie gefährlich der bunte Knallspaß werden kann. „Da muss man schon jedes Jahr die Daumen drücken“, sagt Tobias Greiner, der Kommandant der Remshaldener Feuerwehr. In Remshalden hat das Daumendrücken dieses Jahr nicht geholfen. Gegen 23.30 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr dort in der Silvesternacht alarmiert, weil die ehemalige Ernst-Heinkel-Realschule in Flammen stand.

Schuld war vermutlich eine Rakete, davon gehen Polizei und Feuerwehr aus. Es gebe zu dem Dach keinen direkten Zugang, sagt Tobias Greiner, und die Geschosshöhe sei zu groß, um einfach daraufzuklettern. „Zu 99 Prozent war es ein Feuerwerkskörper.“ Da dieser aber verbrannt sei, sei das vor Ort nicht sicher feststellbar gewesen.

Dachpappe auf dem Abbruchgebäude fing Feuer

Weitreichende Ermittlungen wird es wohl nicht geben, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung sagte. „Wir haben keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung.“ Die Realschule wird derzeit ohnehin abgerissen, deswegen war für die Polizei auch kein Sachschaden feststellbar. In so einem Fall stelle man normalerweise keine tiefergehenden Ermittlungen an, so der Sprecher. Nur durch die laufenden Abbrucharbeiten kam es wohl überhaupt zu dem Brand: Es waren Teerdachpappe und Bretter, die auf dem Dach herumlagen und Feuer fingen.

Eine Gefahr für die umliegenden Wohnhäuser habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, sagt Feuerwehrkommandant Tobias Greiner. Die Schwierigkeit zu Beginn bestand für die Einsatzkräfte darin, dass das Schulgelände aufgrund der laufenden Abbrucharbeiten eingezäunt ist. „Den Zaun mussten wir erst einmal demontieren, der war verschraubt“, so Greiner. Danach sei das Feuer, auch mit Hilfe der aus Weinstadt gerufenen Drehleiter, schnell gelöscht gewesen. 40 Feuerwehrleute mit sieben Fahrzeugen waren insgesamt im Einsatz, dazu die Polizei und acht Kräfte des DRK Ortsverbands Remshalden mit zwei Fahrzeugen, die für alle Fälle bereitstanden. Doch alle Feuerwehrleute überstanden den Einsatz unverletzt, gegen 1 Uhr waren die letzten wieder zurück im Gerätehaus.

Ein glimpflicher Ausgang also – so wie insgesamt der Jahreswechsel in der Region ohne größere Katastrophen blieb. Die Polizei spricht von einer „durchschnittlichen“ Silvesternacht mit einem Aufkommen an Einsätzen, „wie es zu erwarten war“.

„Wir sind froh, dass alle vernünftig geblieben sind“, sagt der Kommandant der Schorndorfer Feuerwehr, Jost Rube. In Schorndorf gab es nur einen Einsatz, der fast nicht der Rede wert ist: glimmende Kartonreste von Feuerwerkskörpern auf der Straße, die abgelöscht wurden.

Gefährlich wird es aus Rubes Erfahrung dann, wenn in Mülltonnen geworfene Böller weiterglimmen und sich dann Brände entwickeln. Oder eben durch Silvesterraketen, die querschießen. „Eine Rakete, die man senkrecht hochjagt, die in der Luft explodiert und dann runterkommt, ist nicht mehr gefährlich“, so der Feuerwehrkommandant. Wenn aber eine Rakete irgendwo lande und dort explodiere, könne etwas Feuer fangen, zum Beispiel auf Balkonen, wenn es dort brennbare Dinge gebe, aber besonders bei alten Häusern mit Baustoffen wie Holz und Stroh. Deswegen seien Feuerwerks-Verbotszonen in historischen Altstadt-Bereichen wie in Schorndorf absolut sinnvoll.

Himmelslaterne sorgte schon einmal für Großeinsatz bei Weiler

Vorkommnisse mit Himmelslaternen, wie sie für den verheerenden Brand im Krefelder Affenhaus verantwortlich sein sollen, gab es nach Rubes Kenntnis in der Region seit deren Verbot nicht mehr. Seit 2012 ist es in Baden-Württemberg wie fast überall in Deutschland illegal, die mit einer Flamme bestückten Papierlampions aufsteigen zu lassen.

Vor dem Verbot habe aber einmal so eine brennende Laterne für einen Großeinsatz im Wald zwischen Winterbach und Weiler gesorgt, erinnert sich Jost Rube. Damals meldete über den Notruf jemand ein brennendes Objekt am Nachthimmel und sprach von einem möglichen Ballon- oder Flugzeugabsturz. Feuerwehr, THW und Polizei hätten den Wald abgesucht, aber nichts gefunden, erzählt Rube. Durch Befragungen sei man dann darauf gekommen, dass es sich wohl um eine Himmelslaterne gehandelt haben müsse.

Das Verbot dieser brennenden Flugkörper sei vertretbar, sagt Jost Rube. Ein generelles Feuerwerksverbot, wie es auch vor dieser Silvesternacht wieder mal diskutiert wurde, will er aber nicht fordern. Er setzt auf die Vernunft der Leute in der Handhabung. Das Feuerwerk sei eine schöne Tradition – trotz der negativen Folgen, zu der auch die Luftverpestung gehöre.

„Der Nebel am Neujahrsmorgen im Remstal kommt nicht von ungefähr“, sagt auch Tobias Greiner, der Remshaldener Kommandant. Die temporäre Luftverschmutzung sei nicht wegzudiskutieren, genau wie die möglichen Gefahren. Aber er sagt auf die Frage nach einem kompletten Böllerverbot: „Auf keinen Fall.“ Privat habe er zwar dieses Jahr darauf verzichtet, sich mit Knallern und Raketen einzudecken. Aber es sei eben eine Tradition, die vielen Leuten wichtig sei. Und aus Sicht der Feuerwehr könne man diese Tradition bewahren: „Wenn man es ordentlich macht.“ Das heißt: Nur Böller mit Prüfsiegel kaufen und sich nicht „auf irgendwelche Abenteuer einlassen“. Dazu: Sicherheitsanweisungen befolgen und Raketen senkrecht nach oben starten lassen. „Dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen“, so Greiner.

Remshalden.
Zum Jahreswechsel nicht beim Feiern mit Familie und Freunden, sondern im Brandeinsatz – das ist leider für Angehörige von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz alle Jahre wieder eine Situation, mit der sie rechnen müssen. wo mehr als 30 Affen in einem Zoo verbrannten, gab es aber nicht. Im Kreis wurde nach dem aktuellen Kenntnisstand der Polizei niemand ernstlich durch Brände oder andere Feuerwerks-Folgen verletzt.

Doch auch in der

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