Remshalden

Awo-Pflegeheim wegen Corona-Ausbruch geschlossen: Testergebnisse ließen teilweise sieben Tage auf sich warten

Awo-Pflegeheim
Das Pflegeheim „An den Weinbergen“ in Remshalden-Geradstetten ist wegen Corona-Fällen seit Freitag, 30. Oktober, geschlossen. © ALEXANDRA PALMIZI

Heimleiterin Ursula Wössner-Ackermann schreibt in einem Brief an die Angehörigen von einer „Welle“, zu deren Eindämmung eine „schnelle Schließung“ der Einrichtung unabdingbar gewesen sei. Seit Freitag, 30. Oktober, ist das Remshaldener Pflegeheim „An den Weinbergen“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) geschlossen, kein Besucher darf mehr hinein. Ursula Wössner-Ackermann schreibt von einem „rasanten Anstieg der Fallzahlen“, der keinen größeren Vorlauf für die Maßnahme mehr zugelassen habe.

Fatale Überlastung im Labor: Sieben Tage Warten auf Testergebnisse

Die Entwicklung, die das Heim überrollt hat, begann mit einem Testdurchlauf aller rund 100 Bewohner am 16. Oktober. Alle Tests waren negativ – bis auf den einer Bewohnerin. Fatal war dabei, wie die Einrichtungsleiterin sagt, dass es sieben Tage dauerte, bis die Ergebnisse da waren. Das Labor sei mit den Auswertungen nicht mehr hinterhergekommen“, so Ursula Wössner-Ackermann. „In diesen sieben Tagen hatten die Bewohner natürlich Kontakt zueinander.“ Und auch Angehörige seien zu Besuch gewesen. Unabhängig davon waren zu dem Zeitpunkt bereits drei Mitarbeiter mit positiven Testergebnissen in Quarantäne, einer ist es nach wie vor.

Zuletzt wurden erneut Abstriche zur Testung am Dienstag, 27. Oktober, genommen. Sie erbrachten für acht Bewohner und vier Mitarbeiter positive Ergebnisse. Daraufhin wurde das Heim auf Anordnung der Gemeinde geschlossen. Noch am selben Tag wurde bei allen Bewohnern erneut ein Abstrich zur Testung genommen und bei allen Mitarbeitern an diesem Montag, 2. November, ebenfalls. „Ohne diese Testergebnisse können wir die Lage überhaupt nicht beurteilen und deshalb auch auf keinen Fall die Einrichtung öffnen“, schreibt die Heimleiterin an die Angehörigen. Man könne Bürgermeister Reinhard Molt für die Unterstützung der schnellen Schließung der Einrichtung „nur dankbar sein“.

Ursprung der Infektionen nicht mehr nachvollziehbar

Wie das Virus ins Heim kam, das könne man nicht mehr nachvollziehen, sagt Ursula Wössner-Ackermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei einer Mitarbeiterin, die Mitte Oktober ein positives Testergebnis gehabt habe und die vor dem Ausbruch im Heim schon in Quarantäne gewesen sei, wisse man, dass sie sich in der Altenpflegeschule angesteckt habe. Alle Mitarbeiter seien sehr sorgfältig darauf bedacht, Schutzmaßnahmen einzuhalten. Den Sommer über habe dazu das Tragen einer Mund-Nasen-Schutzmaske gehört. Seit einigen Wochen sei es eine „Vollmontur“ mit Schutzkittel, FFP-2-Masken, Hauben auf den Haaren und Handschuhen.

Die Bewohner tragen im Heim keine Maske. „Das geht nicht“, sagt Ursula Wössner-Ackermann ganz klar. „Das ist ihr Wohnzimmer. Die Leute tragen sonst zu Hause ja auch keine Maske.“ Bei den Angehörigen, die den Sommer über nach strikten Regeln zu Besuchen ins Haus durften, hielten sich fast alle an die Maskenpflicht. Aber: „Es gibt auch völlig unvernünftige Angehörige“, sagt die Heimleiterin. Immer wieder höre sie Sätze wie: „Wissen Sie, da halten wir nix davon, von dem Corona.“ Oder: „Der Wirt da in Schorndorf, der macht das in seinem Lokal doch auch total locker.“ Andere ließen die Nase raushängen und entschuldigten sich damit, dass sie sonst so schlecht Luft bekämen. Dazu meint Ursula Wössner-Ackermann: „Meine Mitarbeiter laufen den ganzen Tag in Vollschutzkleidung rum. Und die müssen damit auch noch arbeiten.“ Sprich: Klagen von Angehörigen über die Beschwerlichkeit des Masketragens während eines Kurzbesuchs bei der Oma kann sie nicht so recht ernst nehmen.

Sie verstehe, dass das Besuchsverbot jetzt für alle Bewohner und ihre Angehörigen eine schwierige Situation sei. Aber es müsse sein, es gehe nicht um Einzelinteressen. „Es geht um 100 Bewohner und 130 Mitarbeiter, die daheim auch ihre Kontakte haben. Wir sind alle betroffen. Das macht gerade niemandem Spaß, dass man solche Maßnahmen ergreifen muss. Alle sind darüber total deprimiert.“ Aber: Es müsse ganz einfach möglich sein, das Haus zuzumachen, solange die Lage so unklar sei. „Ich kann hier nicht jeden durchs Haus rennen lassen, solange ich nicht weiß, wer infiziert ist.“

„Wir warten auf einen Schnelltest, der sicher ist“

Corona-Fälle hat es im Pflegeheim „An den Weinbergen“ bereits im April gegeben. Eine an Covid-19 erkrankte Bewohnerin sei im Krankenhaus verstorben, sagt Ursula Wössner-Ackermann. Infizierte Mitarbeiter hätten es bislang „gut verpackt“. Generell seien die Pflegekräfte „die armen Socken“. „Die kämpfen an allen Fronten.“ Aktuell sind fünf Mitarbeiter in Quarantäne. Mit Blick auf die Dienstplanung sagt die Heimleiterin: „Das ist der Albtraum pur. Und dann haben wir auch noch die verschobenen Urlaube aus dem Frühjahr.“ Ein kleines Licht am Ende des Tunnels sind Corona-Schnelltests, die teilweise auch schon in Pflegeheimen erprobt werden. „Wir warten auf einen Schnelltest, der sicher ist und mit dem man verlässlich einen Ist-Stand prüfen kann“, sagt Ursula Wössner-Ackermann. Vorläufig ist sie froh, wenn ein Testergebnis nicht sieben Tage auf sich warten lässt.

Heimleiterin Ursula Wössner-Ackermann schreibt in einem Brief an die Angehörigen von einer „Welle“, zu deren Eindämmung eine „schnelle Schließung“ der Einrichtung unabdingbar gewesen sei. Seit Freitag, 30. Oktober, ist das Remshaldener Pflegeheim „An den Weinbergen“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) geschlossen, kein Besucher darf mehr hinein. Ursula Wössner-Ackermann schreibt von einem „rasanten Anstieg der Fallzahlen“, der keinen größeren Vorlauf für die Maßnahme mehr zugelassen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper