Remshalden

Biotopverbund: So will Remshalden bedrohte Unken, Nattern und seltene Orchideen retten

Gelbbauchunke
Die Gelbbauchunke braucht Hilfe: Sie findet kaum noch Lebensräume, in denen sie laichen kann und in denen die Kaulquappen heranwachsen können. © Kathy Büscher/pixabay

Etliche Biotope gibt’s auf Remshaldener Gemarkung. Sie bieten besonderen, gefährdeten Arten einen sicheren Lebensraum. Der Gelbbauchunke, der Zauneidechse und der Schlingnatter etwa. Auch spezielle Pflanzenarten können in solchen Gebieten geschützt werden – in Remshalden handelt es sich dabei um wilde Orchideenarten und Schlüsselblumen.

Allerdings sind die meisten dieser Biotope inselhaft voneinander abgegrenzt – dies durch die Infrastruktur der Zivilisation: Straßen, Baugebiete, Hochwasserrückhaltebecken durchschneiden die Wege von Amphibien und Insekten.

Die dort lebenden Arten - spezielle Kröten, Orchideenarten und Insekten beispielsweise – können sich also nur noch untereinander austauschen. Das hat zur Folge, dass die genetische Ausstattung verarmt. Für eine gesunde Population braucht’s aber einen breiten, genetischen Austausch. Zudem bewohnt manche Amphibienart innerhalb ihres Lebenszyklus eigentlich unterschiedliche Lebensräume.

Tiere in natürlichem Bewegungsradius eingeschränkt

Wenn die Wege dorthin aber versperrt sind, gelangen sie kaum zu ihren überlebenswichtigen Zielen. Viel besser geht’s auch den Insekten nicht. Die ein oder andere Wildbienenart hat gar nur einen Bewegungsradius von rund 30 Metern. Findet sie in diesem Umkreis nicht ausreichend viele Blühpflanzen, kann sie sich nicht ernähren.

Negativer Nebeneffekt: Sie kann auch keine Nahrungsmittelpflanzen bestäuben, erinnerte Ursula Zeeb von der ALi-Fraktion die Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung zu Thema.

Klimawandel macht Standortwechsel für viele Arten nötig

Bühstreifen entlang von Maisfeldern könnten Insekten helfen, mehr Schutz und Nahrung durch die möglichen Standortwechsel zu finden. Anderen Tieren könnten mit Hilfe von Verbindungen zwischen den Biotopen nicht nur die Nahrungsaufnahme und der Genaustausch wieder ermöglicht werden.

Ihnen würde so auch die durch den Klimawandel nötige Wanderungsbewegung in für ihre Art passendere Flächen überhaupt erst möglich gemacht werden. Kälteliebende Arten könnten sich in Richtung Norden entwickeln, während andere Arten aus dem Süden in schwäbische Gefilde einwandern könnten.

Gesetze stellen Ansprüche

So erscheint alternativlos, was im Bundesnaturschutzgesetz sowie im Naturschutzgesetz Baden-Württemberg steht: Bis zum Jahr 2030 sollen mindestens 15 Prozent des Offenlandes der Landesfläche für den Biotopverbund genutzt werden. Einzelnen Biotope sollen untereinander durch Hecken, Randstreifen an Feldern sowie Trittsteinbiotope verbunden werden.

Nun in diese Biotopverbundsplanung einzusteigen, hat der Gemeinderat jetzt beschlossen. Außerdem sollen die Fördermittel des Landes für diese Zwecke abgerufen werden.

Förderung in Höhe von 90 Prozent der Kosten

Aktuell fördert das Land Baden-Württemberg die Planung solcher Biotopverbünde nämlich mit 90 Prozent. Aus den drei Angeboten von Büros, die für die Gemeinde eine solche Planung übernehmen könnten, hat das Büro Tier- und Landschaftsökologie aus Köngen nun den Zuschlag bekommen.

Seitens der Unteren Naturschutzbehörde gibt es bereits eine Kartierung aller Biotope rund um Remshalden. Drei verschiedene Arten sind dabei zu unterscheiden: Trockenstandorte (in Remshalden vor allen Dingen oberhalb der Weinberge), sogenannte mittlere Standorte (Streuobst- und Agrarflächen) sowie Feuchtstandorte, in denen sich Laichgewässer und Feuchtgebiete befinden. Gerade Letztere sind rar geworden.

Trockene Winter, guter Hochwasserschutz: Schlecht für Unken

Schuld daran sind vermutlich der Klimawandel und die neuerdings trockenen Winter, aber auch Hochwasserrückhaltebecken. Sie schützen zwar Siedlungen optimal vor Ungemach, sorgen aber auch dafür, dass kaum noch Überschwemmungen von Wiesen stattfinden. Und die, so erklärt's Ursula Zeeb in ihrer Funktion als Vorsitzende der Remshaldener Ortsgruppe des B.u.n.d., sind für die Gelbbauchunke beispielsweise überlebenswichtig.

Sie brauchen vegetationsarme Auen, in denen sich keine Libellenarten angesiedelt haben. Nur in solchen Gebieten laichen sie, nur hier können ihre schnell wachsenden Kaulquappen in Ruhe heranreifen. Tatsächlich sind die Unken durch den Druck der Trockenheit in den vergangenen Jahren in Waldgebiete ausgewichen und laichen nun in Fahrspuren der Rückefahrzeuge – so sie denn nicht gepflegt und befestigt werden.

Strukturierte Baggerbisse, in denen sich Wasser sammeln kann, könnten beispielsweise als sogenannte „Trittsteine“ den Unken helfen.

Zustände der Biotope müssen neu untersucht werden

Bevor aber in die tatsächliche Vernetzung der Remshaldener Biotope eingestiegen werden kann, müssen die Kartierungen der Unteren Naturschutzbehörde noch einmal aktualisiert werden, erklärt Rudolf Willi, Biotopverbundbotschafter beim Landschaftserhaltungsverband, auf Nachfrage.

„Wir müssen überprüfen, ob die Kerngebiete noch in der gleichen Qualität da sind, ob sie verschwunden sind oder ob sich neue Biotope ergeben haben.“ Im Herbst kann man wohl mit neuen Informationen rechnen. Aus diesen sollte dann herauszulesen sein, wo der Bedarf am höchsten ist, wo vorhandene Strukturen genutzt werden können.

Etliche Biotope gibt’s auf Remshaldener Gemarkung. Sie bieten besonderen, gefährdeten Arten einen sicheren Lebensraum. Der Gelbbauchunke, der Zauneidechse und der Schlingnatter etwa. Auch spezielle Pflanzenarten können in solchen Gebieten geschützt werden – in Remshalden handelt es sich dabei um wilde Orchideenarten und Schlüsselblumen.

Allerdings sind die meisten dieser Biotope inselhaft voneinander abgegrenzt – dies durch die Infrastruktur der Zivilisation: Straßen, Baugebiete,

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