Remshalden

Döner hat in Grunbach Zukunft: "Babylon"-Imbiss ist nach schwierigen Zeiten im Ort umgezogen

Babylon Döner
Hasan Kocaman vor seinem Imbiss am neuen Standort in der Grunbacher Bahnhofstraße. © Gabriel Habermann

Das Geheimnis der Zubereitung und des Verkaufens von Döner hat Hasan Kocaman in einem intensiven, sechswöchigen Schnellkurs gelernt: bei einem Ferienjob in Titisee-Neustadt. Als er im Jahr 2006 in Grunbach seinen ersten Imbiss aufgemacht habe, erzählt er, da habe er sechs Wochen Berufserfahrung gehabt – und er fügt mit trockenem Witz hinzu: „In dem Beruf zählt das als abgeschlossene Ausbildung.“

Jetzt ist der 40-Jährige mit dem Familienbetrieb zum zweiten Mal innerhalb von Grunbach umgezogen. Seit Ende September ist der „Babylon Döner“ in der Bahnhofstraße 27 zu finden, neben der Bärenapotheke, in dem Gebäude, das im Ort als „Carpe Diem“ bekannt ist. Hasan Kocaman hat eine schwierige Zeit hinter sich, ist jetzt aber glücklich, weil er endlich wieder das Gefühl hat, mit seinem Geschäft eine Zukunft zu haben.

Statt Baden im Titisee Schuften im Döner-Imbiss

Der Döner-Schnellkurs am Titisee, den bekam er bei einem Bekannten, der dort einen Imbiss betrieb. Das war in einer Zeit, als Hasan Kocaman gerade daran scheiterte, die Fachhochschulreife zu machen. Mathe und Physik seien die Problemfächer gewesen. „Das hat mich umgehauen.“ Doch dann: „Dann fing das mit dem Döner an.“ Als er sich zum Ferienjob in die Urlaubsregion im Schwarzwald aufmachte, hatte er auch seine Badehose dabei, weil er hoffte, auch mal in den See springen zu können. Doch nach den sechs Wochen hatte er sie kein einziges Mal ausgepackt. So viel Arbeit gab es im Döner-Imbiss, in dem er jobbte.

Wenig später wagte er dann zu Hause den Sprung in die Selbstständigkeit: Als eine Ladenfläche in der Reinhold-Maier-Straße, direkt an der Ortsdurchfahrt, zur Vermietung ausgeschrieben war, griff er zu – mit Unterstützung seines Vaters, der für ihn, der keine Sicherheiten bieten konnte, einen Kredit aufnahm. „Dann ist es gleich sehr gut gelaufen“, sagt Hasan Kocaman.

Er kam als Zwölfjähriger mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland, mit Mutter, Vater und seinem drei Jahre jüngerer Bruder Hüseyin. Sie kamen als Asylbewerber, waren lange nur mit immer wieder zu verlängernden sechs Monate gültigen Aufenthaltserlaubnissen geduldet und lebten die erste Zeit in einem kleinen Zimmer in einem Wohnheim.

Die Brüder Hüseyin und Hasan gingen dann auf die Hauptschule in Geradstetten. Damals, erzählt Hasan Kocaman, sei er noch einer der Besten in Mathe gewesen. Nach der Schule suchte er erst vergeblich eine Lehrstelle. Es sei schwierig gewesen, weil er keine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis hatte. Doch dann kam er bei der Firma Schäfer in Waiblingen unter und lernte Schlosser – Konstruktionstechniker, wie der Beruf dann hieß. Sein Chef habe sich damals sehr für ihn eingesetzt und ihm geholfen, erinnert er sich. Wenig später bekam Hasan Kocaman die ersehnte dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Mittlerweile hat er sogar den deutschen Pass.

Nach der Ausbildung hatte Kocaman eigentlich das Ziel, zu studieren, und ging weiter zur Schule. Den Realschulabschluss, erzählt er, habe er noch mit guten Noten geschafft, doch dann – ja dann kamen auf dem Weg zur Fachhochschulreife Mathe und Physik dazwischen. Sein Bruder sei da anders, der sei „ein bisschen ehrgeiziger“ als er, meint er. Hüseyin Kocaman arbeitet heute als Arzt im Tübinger Uniklinikum.

"Ich wusste, die Kunden werden auch hierherkommen"

Hasan Kocamans Stammkunden, die Döner, Pizza und Pide lieben, die er verkauft, werden froh sein, dass er statt mit Mathe und Physik seine Berufung am Fleischspieß fand. Es ist ein Familienbetrieb, seine Mutter und sein Vater helfen mit, auch seine Frau steht hinter der Theke. Der Imbiss ist beliebt. Wer zu den Stoßzeiten dorthin kommt, der muss sich schon mal etwas anstellen, weil oft sehr viel Andrang ist. „Deswegen habe ich mir auch keine Sorgen gemacht vor dem Umzug“, sagt Hasan Kocaman. „Ich wusste, die Kunden werden auch hierherkommen. Sein alter Laden in der Schorndorfer Straße unweit des Reinhold-Maier-Platzes ist nur ein paar Hundert Meter zu Fuß entfernt.

Der Zuspruch und die Unterstützungsangebote von Kunden während der Umzugsphase seien riesig gewesen, freut sich Kocaman. Er habe ja schon vorher gewusst, dass viele seinen Döner schätzen, aber jetzt habe er noch mal etwas ganz anderes erfahren. „Es ist ein tolles Gefühl gewesen, so akzeptiert zu sein. Man fühlt sich als Teil von etwas, als Teil von Remshalden.“

Dabei trug Hasan Kocaman lange Zeit die Sorge mit sich herum, dass es vorbei sein könnte mit dem Imbiss, zumindest in Grunbach. Aus den Räumen in der Schorndorfer Straße musste er jetzt nach wenigen Jahren raus, ein Gerichtsprozess darum kostete ihn viele Nerven. Dann kam Corona, er musste seinen Imbiss wie alle vorübergehend dichtmachen. „Das war echt hart“, sagt er. „Aber jetzt habe ich wieder einen freien Kopf. Ich muss mir keine Zukunftssorgen mehr machen.“

Unklare Zukunft weiterer Gewerbeflächen im „Carpe Diem“

Hasan Kocamans Glück war, dass es die freien Ladenräume in der Bahnhofstraße 27 gab. Dort war zuletzt auch bereits ein Döner-Imbiss drin. Doch die neuen Hausbesitzer, die das große Gebäude an zentraler Stelle in Grunbach aus einer Insolvenzmasse erworben hatten, kündigten dem Betreiber. Einer der neuen Besitzer sprach von einem Café oder einer Bäckerei, die er gerne darin hätte. Heute will er allerdings nichts mehr dazu sagen. Auch Fragen zu den weiteren Gewerbeflächen im Erdgeschoss neben dem Döner-Imbiss, die seit Jahren leerstehen, will er nicht beantworten.

Das Geheimnis der Zubereitung und des Verkaufens von Döner hat Hasan Kocaman in einem intensiven, sechswöchigen Schnellkurs gelernt: bei einem Ferienjob in Titisee-Neustadt. Als er im Jahr 2006 in Grunbach seinen ersten Imbiss aufgemacht habe, erzählt er, da habe er sechs Wochen Berufserfahrung gehabt – und er fügt mit trockenem Witz hinzu: „In dem Beruf zählt das als abgeschlossene Ausbildung.“

Jetzt ist der 40-Jährige mit dem Familienbetrieb zum zweiten Mal innerhalb von Grunbach

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