Remshalden

Die Corona-Lage im Remshaldener Awo-Pflegeheim: Vier tote Bewohner, weitere positive Tests und kollabierende Dienstpläne

Awo-Pflegeheim
Das Awo-Pflegeheim in Remshalden. © Alexandra Palmizi

Die Situation im Pflegeheim „An den Weinbergen“ in Remshalden-Geradstetten ist weiterhin angespannt. Mit den jüngsten Testergebnissen sind inzwischen zehn der rund 100 Bewohner infiziert, außerdem befinden sich acht Mitarbeiter in Quarantäne – wobei, Stand Donnerstagnachmittag, noch nicht alle Ergebnisse des letzten genommenen Abstrichs vorlagen.

„Es ist echt schwierig gerade“, sagte Pflegedienstleiterin Ulrike Zimmermann-Gernhardt am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Vier infizierte Bewohner seien inzwischen gestorben, drei davon im Krankenhaus und eine 100-Jährige noch im Heim selbst. „Die Leute waren natürlich schon vorher angeschlagen“, sagt Ulrike Zimmermann-Gernhardt. Sprich: Sie hatten Vorerkankungen, sind hochbetagt und damit Hochrisikopatienten. „Es sind Leute, die hier viele Jahre gelebt haben, aber Leute, die lange stabil waren. Die haben jetzt das Virus gekriegt und mussten in wenigen Tagen sterben.“

Mitarbeiter in Quarantäne: „Mein Dienstplan kollabiert mir“

Das erste positive Testergebnis einer Bewohnerin hatte es im Remshaldener Pflegeheim am Freitag, 23. Oktober, gegeben. Danach gab es zwei weitere Testdurchläufe bei Bewohnern und Mitarbeitern. Aufgrund der hohen Infektionszahlen ist das Heim seit Freitag, 30. Oktober, für den Besucherverkehr geschlossen.

Problematisch ist für die Einrichtung auch der Ausfall der positiv getesteten und erkrankten Mitarbeiter. „Mein Dienstplan kollabiert mir“, sagt Ulrike Zimmermann-Gernhardt. Einigen schon länger erkrankten Mitarbeitern gehe es jetzt wieder besser, sie hätten jedoch alle Symptome gehabt, berichtet die Pflegedienstleiterin. „Die haben sich sehr schlecht gefühlt zwischendurch.“

Erst wenn sie die Quarantänezeit durchlaufen haben, komplett symptomfrei sind und zwei negative Tests vorweisen können, dürfen sie wieder im Heim zum Arbeiten kommen. Die Auslegung der Regeln sorge immer wieder für Konfusion, sagt die Pflegedienstleiterin. Mitarbeiter des Gesundheitsamts gäben immer wieder andere oder widersprüchliche Informationen heraus, dort herrsche teils große Verunsicherung. „Das hilft uns nicht“, klagt sie, betont aber: Sie wolle dem Gesundheitsamt und seinen Mitarbeitern keine Vorwürfe machen. Die Situation sei schwierig für alle, die Überlastung groß. Für die Awo-Einrichtung gelte ganz einfach die größtmögliche Absicherung, trotz Vollschutzkleidung bei der Arbeit: „Wir wollen einfach, dass von Mitarbeitern, die positiv waren, keine Gefahr mehr ausgeht für die Bewohner.“

Was sagt das RKI zur Entlassung aus der Quarantäne?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat klare Richtlinien zur Entlassung aus der Isolierung herausgegeben, auch speziell für medizinisches Personal. Darin heißt es für Patienten mit einem leichten Covid-19-Verlauf, die nicht beatmet werden mussten: Sie dürfen die Isolierung frühestens zehn Tage nach Symptombeginn und nach 48 Stunden Symptomfreiheit verlassen. Aber: „In Situationen mit akutem Personalmangel kann bei leichtem Verlauf eine Verkürzung der zehntägigen Isolationsdauer im Einzelfall erwogen werden – nach Erreichen von 48 Stunden Symptomfreiheit und Vorliegen von zwei negativen PCR-Untersuchungen im Abstand von mindestens 24 Stunden.“ Da stecken also die auch vom Pflegeheim in Remshalden verlangten zwei negativen Tests drin, die dort aber in allen Fällen, nicht nur bei einer Verkürzung der geforderten Isolationszeit, Voraussetzung sind.

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts würden sich an die geltenden Richtlinien und Regeln in der Beurteilung von Quarantänefällen halten, sagt Martina Keck, Sprecherin des Rems-Murr-Kreises. Aber: „Man muss immer auch im Einzelfall gucken, was sinnvoll ist.“ Die Entscheidung, wann jemand aus der Quarantäne entlassen werden könne, sei immer eine Einzelfallentscheidung. Außerdem hätten Arbeitgeber auch noch ihre eigenen, oftmals noch strengeren Regeln zu der Frage, wann jemand an den Arbeitsplatz zurückkehren könne.

Auch die Sprecherin des Landratsamts gibt jedoch zu, dass die Lage für die Mitarbeiter des Gesundheitsamts oft schwierig zu beurteilen sei. Das sei auch der sich ständig ändernden Lage geschuldet: „Die Regeln ändern sich immer wieder. Wir lernen ja auch viel über das Virus dazu.“

Dynamisch ist auch die Entwicklung der Lage in den Altenpflege-Einrichtungen im Kreis. Das Remshaldener Heim sei derzeit das mit den meisten Fällen, sagt Martina Keck. In einem halben Dutzend weiterer Heime gebe es jedoch auch Infizierte, immer seien es noch einzelne Fälle. „Aber das ändert sich stündlich. Wir spüren schon eine Zunahme in dem Bereich.“

Die Situation im Pflegeheim „An den Weinbergen“ in Remshalden-Geradstetten ist weiterhin angespannt. Mit den jüngsten Testergebnissen sind inzwischen zehn der rund 100 Bewohner infiziert, außerdem befinden sich acht Mitarbeiter in Quarantäne – wobei, Stand Donnerstagnachmittag, noch nicht alle Ergebnisse des letzten genommenen Abstrichs vorlagen.

„Es ist echt schwierig gerade“, sagte Pflegedienstleiterin Ulrike Zimmermann-Gernhardt am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Vier

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