Remshalden

Digitalisierungs-Experte Heinz-Peter Bürkle aus Remshalden: So sehen die Jobs der Zukunft aus

Buerkle
Heinz-Peter Bürkle in seinem Labor. © Hochschule Aalen

Faxpapierberge, donnerstags nachgemeldete Corona-Fallzahlen, Datenschutzpannen – seitdem das Coronavirus vor rund zwei Jahren das Land vor neue Herausforderungen stellte, wird offenbar, wo’s digital noch klemmt. Schnell nachgerüstet haben die meisten Wirtschaftsbetriebe, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden fürs Home-Office ausgerüstet, in Teams-Konferenzen zusammengeschlossen. Anders sah es lange in den Ämtern des Landes aus.

„Ja, wir könnten in der Pandemie weiter sein“, davon ist Prof. Dr. Heinz-Peter Bürkle, Prorektor der Hochschule Aalen, der in Remshalden lebt und aufgewachsen ist, überzeugt. Vieles könnte einfacher und schneller funktionieren, wenn das Thema „Digitalisierung“ schon früher die Anerkennung bekommen hätte, die ihm zusteht. Inzwischen gibt’s schließlich kaum einen Lebenskomplex mehr, der davon unberührt bliebe:

Die Digitalisierung ist in fast jedem Teilbereich des Lebens angekommen

Das morgendliche Wecken mit dem Handy, Zeitung lesen in der einen App, Test- oder Impftermin vereinbaren mit einer anderen. Im Auto dann: Routenplanung per GPS oder Google, das Parklücken-Spiel mit Hilfe der Einparkhilfe lösen, weiter geht’s im Büro mit E-Mails, geschäftlichen Chatgruppen und Videokonferenzen. Währenddessen funktionieren ganze Fabriken quasi per Mausklick. Am Abend zurück auf dem Sofa im Smart-Home, Entspannung bei Netflix oder bei der individuell gemixten Playlist des Musik-Streaming-Dienstes.

Digitale Kompetenz braucht's in allen Studiengängen

Und auch in der Welt der Wissenschaften sind die Bits und Bytes allgegenwärtig: Waren alle digitalen Ideen an den Universitäten früher ordentlich im Studienfach „Informatik“ an den Universitäten aufgeräumt, ist’s inzwischen ein „Querschnittsfach“ geworden, wie Bürkle erklärt. In jeder Wissenschaft steckt auch reichlich Digitalisierung, ganz gleich ob Medizin, Physik oder Elektrotechnik. Und selbst die Geisteswissenschaften können sie nicht ausblenden.

Seit 2010 ist Heinz-Peter Bürkle, Experte für Nachrichtentechnik, Prorektor der Hochschule Aalen und treibt in dieser Funktion insbesondere Themen rund um die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz voran. Das gilt auch für die Lehre: „Mit unserem erfolgreichen Konzept der hybriden Lehre haben wir viel erreicht und sind damit gerade auch in Zeiten der Pandemie sehr gut aufgestellt“, betont der gebürtige Stuttgarter, der in Remshalden aufgewachsen ist und noch immer dort lebt.

Engagement in Schüler-Ingenieursakademie und SV-Gemeinde

In seiner Heimat engagiert sich der Vater dreier erwachsener Kinder für die Schüler-Ingenieursakademie Schorndorf. „Es ist wichtig, den Nachwuchs so früh wie möglich an Naturwissenschaften und Technik heranzuführen“, betont Bürkle, der sich schon als kleiner Steppke für Elektronik interessiert hat. Das Abitur hat Bürkle am Remstal-Gymnasium Weinstadt gemacht, wo ihn der Physik-Leistungskurs vollends überzeugte, Elektrotechnik zu studieren.

Nach Studium und Promotion an der Universität Stuttgart arbeitete er einige Jahre in der Konzernforschung des Unternehmens Alcatel, bevor er 2003 als Professor an die Hochschule Aalen berufen wurde. Jetzt wurde er in seinem Amt als Prorektor für Digitalisierung bestätigt.

"Andere zum Blühen bringen"

Darüber ist Bürkle sehr froh, denn: „Mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und Themen weiterzuentwickeln, die die Welt in Zukunft prägen werden, das ist einfach ein super Job.“ Beruflich und auch ehrenamtlich - neben der Schüler-Ingenieursakademie Schorndorf engagiert er sich auch in der evangelischen Gemeinde SV Schorndorf - ist sein Leitsatz: „Andere zum Blühen zu bringen, das ist genau mein Ding“.

An der Hochschule Aalen rüstet man die Studenten für die Zukunft mit Studiengängen wie IT-Sicherheit, Informatik, Data Science, Machine Learning and Data Analytics, Digital Health Management, Business Analytics oder Digital Product Design and Development, den Bürkle selbst mitentwickelt hat und der in Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung im Forum Gold und Silber in Schwäbisch Gmünd gelehrt wird.

Wissenschaft mit Praxis verzahnen

Zudem verzahnt die Hochschule Forschungsansätze mit kleinen Start-ups. Hier wird nicht nur der Wissenschaft zuliebe geforscht. Brauchbare Anwendungen zu entwickeln, die in der freien Wirtschaft ihre Kunden finden, ist das eigentliche Ziel. Gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz kooperiert die Hochschule mit kleinen und mittleren Unternehmen.

Dabei geht es beispielsweise um Steuerungselemente, die es ermöglichen, zu erwartende Ereignisse – wie etwa ermüdende Maschinenteile – im Betrieb vorherzusagen.

Auch Künstliche Intelligenzen müssen dazulernen

Auch beim autonomen Fahren sind solche Elemente zentral und setzen außerdem voraus, dass die Künstliche Intelligenz selbstlernend funktioniert. So erkennt der Bordcomputer zum Beispiel, dass das Fahrzeug bremsen muss, wenn die ausgewerteten Bilddaten ein Hindernis auf der Strecke erkennen. Ähnliches gilt fürs Smart Home und für die Smart City.

Ebenso wesentlich wie der technische Fortschritt der Digitalisierung sei aber auch die Weiterbildung der Menschen, merkt Bürkle an. Ohne digitale Kompetenz werde in naher Zukunft kaum ein Beruf mehr ausgeübt werden können. Insofern müsse weiter stark in die digitale Ausrüstung der Schulen investiert werden. Aber auch inhaltliche Digitalkompetenz müsse vermittelt werden: Wie recherchiert man in digitalen Quellen, welche sind vertrauenswürdig, solche Dinge.

Daten sind das neue Öl

Und klar sei auch, in der digitalen Zukunft gibt’s eine spezielle Währung. Daten sind das neue Öl. Maschinen in Unternehmen produzieren immer neue Zahlen und Werte. Aus ihnen lassen sich Geschäftsgeheimnisse herauslesen. Verliert ein Betrieb seine Daten, verliert er seine Geschäftsgrundlage. Gleichzeitig sammeln Werbe- sowie diverse Wirtschaftsunternehmen so viele personenbezogene Daten, wie sie nur bekommen können.

So lassen sich Produkte nahe an den Präferenzen der Kunden entwickeln, die sich umso besser verkaufen lassen. „Hier braucht es dann aber einen intelligenten Datenschutz, der trotzdem den gläsernen Kunden vermeidet“, so Bürkle.

Faxpapierberge, donnerstags nachgemeldete Corona-Fallzahlen, Datenschutzpannen – seitdem das Coronavirus vor rund zwei Jahren das Land vor neue Herausforderungen stellte, wird offenbar, wo’s digital noch klemmt. Schnell nachgerüstet haben die meisten Wirtschaftsbetriebe, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden fürs Home-Office ausgerüstet, in Teams-Konferenzen zusammengeschlossen. Anders sah es lange in den Ämtern des Landes aus.

„Ja, wir könnten in der Pandemie weiter sein“, davon

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