Remshalden

Ein fast normaler Wahlkampf-Abend

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Die fünf Bewerber für den Chefsessel im Remshaldener Rathaus bei der Kandidatenvorstellung in der Jahnhalle (von links): Thomas Hornauer, Klaus Schäufele, Reinhard Molt, Friedhild Miller und Axel Fischer. © Palmizi / ZVW

Remshalden. An die 700 Remshaldener Wähler kamen am Dienstagabend in die Jahnhalle, um sich persönlich einen Eindruck von den fünf Menschen zu machen, die Chef im Rathaus werden wollen. Wer angesichts der teils illustren Bewerber ein Spektakel mit ordentlich Zunder wie etwa in Plüderhausen vor wenigen Wochen erwartet hatte, sah sich aber getäuscht. Lediglich Fridi Miller sorgte vorübergehend für etwas Unruhe.

Friedhild Miller, die Dauerkandidatin, die sich im Dutzend bei Bürgermeister- und Landratswahlen bewirbt, hatte in der Grunbacher Jahnhalle den mit Abstand kürzesten Auftritt. Schon nach nicht einmal zehn Minuten stieg sie wieder von der Bühne und begründete das mit einer Zwischenruferin, die sie aufforderte, zum Thema zu kommen, und dem Applaus, den diese bekommen hatte. Vorher sprach sie noch über die aus ihrer Sicht „katastrophale“ Kandidatenvorstellung in Urbach. „Es waren Leute auf mich angesetzt, die mich als ‚psycho’ verkaufen wollten.“ Dann präsentierte sie zwei Plastikbecher, zwei „Drogenpisstests“ wie sie sagte, einen für sich und einen für denjenigen, der sie in Urbach gefragt habe, auf welchen Drogen sie sei, falls er auch an diesem Abend anwesend sei.

Reinhard Molt: Gegen die Selbstdarstellung

Die anderen vier Bewerber blieben alle länger. Sie hatten 15 Minuten, sich und ihr Wahlprogramm vorzustellen, und weitere 15 Minuten für Fragen aus dem Publikum. Es waren geschätzt an die 700 Menschen in der Halle, wobei einige Stühle leer blieben.

Als Erster trat Reinhard Molt auf. Er las seine Rede vom Blatt ab und kündigte an, er wolle zu einem „informativen Abend beitragen“. „Denn für Selbstdarstellung ist mir das Amt und diese schöne Gemeinde viel zu schade.“ Sein Versprechen hielt er insofern, als seine Rede tatsächlich sehr nüchtern und ohne irgendwelche Überraschungen oder Besonderheiten daherkam.

Molt, geboren 1964 in Schwäbisch Gmünd bezeichnete sich als „Kind der Region und „echter Remstäler“. Er ist seit 2012 Baubürgermeister in Filderstadt. Ein Wahlsieg würde für ihn eine Rückkehr in vertraute Gefilde bedeuten: Er war zwölf Jahre Technischer Beigeordneter und Bauamtsleiter in Remshalden. In dieser Zeit habe er die Gemeinde, aber „auch die Menschen hier kennen- und schätzengelernt“. Bauprojekte seien bisher vor allem sein Metier, aber: „Man sagt mir nach, dass ich es auch ganz gut mit Menschen kann.“ Darum reize es ihn auch, seinen Aufgabenbereich zu erweitern und Bürgermeister zu werden.

Axel Fischer: Sieht sich als Bereicherung

Das totale Kontrastprogramm zum nüchternen Reinhard Molt bot danach Axel Fischer. Er joggte in Richtung Bühne und machte davor Faxen, bevor er sie energisch erklomm. Der gebürtige Remshaldener sprach frei und sehr ausführlich über seine Lebensgeschichte vom Kindergarten über die Schulzeit und dem Wehrdienst bis zu den zahlreichen Berufsfeldern, in denen er sich bewegt hat: Vom Goldschmied über den Sportlehrer zum Landschaftsgärtner, um nur eine Auswahl zu nennen. Sein sonniges Gemüt und seine Weltläufigkeit habe er sich unter anderem bei einer Arbeitsstation auf den Malediven geholt.

Irgendwann habe er „vier Jahre in Internetrecherche investiert“ und „sich schlaugemacht“ und dann die Chance erkannt und sich vor fünf Jahren für die Bürgermeisterwahl in Remshalden beworben. Der heute 45-Jährige holte damals 17 Prozent der Stimmen und unterlag deutlich Stefan Breiter. Als dieser dann seinen Job gemacht habe, „hatte ich ja Zeit und habe dann noch ein Kindle gemacht“. Drei Kinder hat Fischer insgesamt, lebt mit ihnen und seiner Frau in Buoch. „Ich möchte meine Kandidatur als Bereicherung für Remshalden sehen“, so Fischer. Es werde „so viel g’schwätzt“ und man mache sich Gedanken, was eigentlich los sei.

Für Diskussionen sorgten bisher vor allem Fischers Äußerungen, die ihn in die Nähe der Szene der „Reichsbürger“ rücken und die dazu passende Tatsache, dass er seinen Personalausweis gegen einen Staatsangehörigkeitsnachweis eingetauscht hat. Er erwähnte die Sache selbst mit keinem Wort, bis er von einem Bürger danach gefragt wurde. Was meint er denn mit Aussagen wie „Keine Verfassung – Kein Land – Kein Volk – Keine Rechte“? Fischer zitierte daraufhin den Grundgesetzartikel 146, der „Reichsbürgern“ als einer der Belege dient, dass die BRD gar keine richtige Verfassung hat. „Zum Glück haben wir eine Landesverfassung“, meinte Fischer und schloss mit der Behauptung: Ohne Staatsangehörigkeitsausweis könne man nicht nachweisen, dass man deutscher Staatsbürger sei.

Thomas Hornauer: Angekommen in der Normalität

Wer die Auftritte von Thomas Hornauer im Wahlkampf in Welzheim und vor allem in Plüderhausen vor Augen hatte, der musste sich in Remshalden am Montag dieselbigen vor Verwunderung reiben: Stand hier die gleiche Person auf der Bühne? Keine Beschimpfungen von Politikern und Presse oder sonstige verbale Ausfälligkeiten, keine Fantasie-Königskostüme, sondern nur ein leicht extravaganter weißer Anzug mit gelber Krawatte.

Hornauer strahle große Entspannung und Harmonie aus: „Ein Kandidat besser wie der andere“, stellte er fest. „Für jeden Geschmack etwas dabei.“ Er erzählte seinen Werdegang vom Wirt über die 0190er-Hotlines zum Besitzer des Landessenders B.TV, für den er aber nach kurzer Zeit keine Sendelizenz mehr erhielt. Er habe dann das „Beratungsfernsehen“ erfunden und in einem guten Jahr 44 Millionen Euro Umsatz gemacht, wobei der Fernsehsender ihn „auch mal eine Million im Monat gekostet“ habe. Mit diesem Hintergrund traue er es sich zu, Bürgermeister zu werden. „Ich weiß wie man Geld verdient.“ In Plüderhausen habe er durch sein „Engagement“ die Kommunalpolitik wieder interessant gemacht. Dann sagte Hornauer Sätze, wie sie jeder Bürgermeisterkandidat hätte sagen können: „Der Mensch ist wichtig.“ Und trug Punkte aus seinem Wahlprogramm vor, die zum Standardrepertoire gehören. Er sei kein Spaßkandidat: „Mir ist das ernst.“

Klaus Schäufele: Kein „weiter so“

Nach zwei Stunden Wartezeit betrat schließlich Klaus Schäufele die Bühne, der kurz vor Bewerbungsschluss noch mit in den Ring gestiegen ist. „Weil ich der Meinung bin, dass Sie eine echte Wahl haben sollen“, sagte der 56-Jährige. „Keine mit Spaßkandidaten und keine mit Verwaltungsvertretern, bei denen es heißt: alles weiter so.“ Und er kandidiere auch, weil er „mit manchen Dingen nicht zufrieden“ sei. Schäufele wohnt mit seiner Familie seit 1999 in Buoch.

Ob er das als studierter Architekt denn könne, Chef einer Verwaltung sein? Schäufele ist davon überzeugt. Klar, wie bei jedem neuen Job müsse man Strukturen und Abläufe erst einmal kennenlernen. Aber: „Gefragt ist in erster Linie die Fähigkeit, anstehende Aufgaben zu delegieren und die richtigen Leute zusammenzubringen.“ Er wolle einer sein, der ein „offenes Ohr für alle hat“. Die Verwaltung sieht er als „ganz normalen Dienstleistungsbetrieb“. Alle Aktivitäten, die den Zusammenhalt der Ortsteile stärken, „verdienen unsere erstrangige Unterstützung“. Einhundertprozentige Zufriedenheit lasse sich nicht erreichen. Aber: „Für mich als Schwabe gibt es kaum etwas Schlimmeres als Rundumzufriedenheit, dann fehlt ja jeglicher innere Antrieb.“


Wahl und Wahlstudio

In Remshalden wird am Sonntag, 6. Mai, gewählt. Der bisherige Bürgermeister Stefan Breiter ist seit 1. April Finanzbürgermeister in Freiburg.

Wir berichten am Wahlabend ab 18.15 Uhr live aus dem Rathaus in Remshalden. Alle Entwicklungen und Ergebnisse des Wahlabends kann man live mitverfolgen unter www.zvw.de/wahlstudio oder facebook.com/zvwonline. Außerdem gibt es ab 18 Uhr einen Wahlblog unter www.zvw.de/wahl-remshalden.

Podiumsdiskussion

Am Montag, 23. April, haben die Remshaldener Wählerinnen und Wähler ab 19 Uhr in der Wilhelm-Enßle-Halle in Geradstetten eine weitere Gelegenheit, ihre Kandidaten kennenzulernen. Hans Pöschko, Leiter der Lokalredaktion Schorndorf, moderiert die Diskussion und befragt die Bewerber im Gespräch. Außerdem besteht für alle Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an die Kandidaten zu richten.

Die ganze Veranstaltung kann auch im Live-Stream verfolgt werden unter www.zvw.de/remshaldenlive