Remshalden

Eltern pochen auf Waldkindergarten in Remshalden - wie wahrscheinlich ist eine Umsetzung?

Waldkindergarten
Martina Hieber, Kerstin Horn, Daniel Feierabend, Christian und Ramona Nentwich sowie Marina und Samuel Adi mitsamt Kindern im Buocher Wald, wo sie sich gut einen Waldkindergarten vorstellen können. © Benjamin Büttner

Der direkte Kontakt zur Natur, Bewegung an der frischen Luft, die Erarbeitung von kreativen Spielmöglichkeiten – dem Konzept Waldkindergarten werden viele Vorteile nachgesagt. In Remshalden gibt es eine Gruppe von Eltern, die sich wünschen, dass sie ihren Nachwuchs zeitnah in einen solchen Kindergarten geben könnten. Konkrete Pläne gibt es dafür allerdings in der Gemeinde noch nicht, weshalb nun einige Eltern eine Petition gestartet haben, um dem Thema Dringlichkeit zu verleihen.

Schon vor etwa einem Jahr beauftragte der Gemeinderat nach einem Antrag der Gemeinderatsfraktion der Bürgerlichen Wählervereinigung die Verwaltung damit, zu prüfen, ob sich das Gebäude der „Waldschenke“ in Buoch zu einem solchen Kindergarten umfunktionieren lassen würde, da die Gemeinde damals ohnehin nicht plante, den Pachtvertrag mit dem damaligen Betreiber zu verlängern.

Hat sich seit dem vergangenen Jahr bei dem Thema etwas getan?

Inzwischen steht die Waldschenke zwar leer, dass sie in naher Zukunft oder überhaupt zu einem Waldkindergarten umfunktioniert wird, ist allerdings fragwürdig. „Da halte ich persönlich gar nichts davon“, sagt Bürgermeister Reinhard Molt auf Nachfrage. Nütze man ein solches bestehendes Objekt für einen Waldkindergarten um, würde er sich schließlich nicht von bestehenden Kindergärten unterscheiden. Wenn ein Waldkindergarten komme, dann sollte es laut dem Verwaltungschef einen „richtigen“ Waldkindergarten geben, in dem die Pädagogik bis auf einen Rückzugsort für unzumutbares Wetter ausschließlich im Freien stattfinde.

Die Elterninitiative, die die Petition für einen Waldkindergarten in Remshalden ins Leben gerufen hat, hat sich nicht auf die Waldschenke verfestigt. „Ich habe damals gelesen, dass die Möglichkeit geprüft wird“, bezieht sich Kerstin Horn auf einen Artikel in unserer Zeitung zum genannten Antrag der BWV. Als sie nichts mehr von dem Thema hörte, startete sie die Elterninitiative.

Petition soll Anliegen öffentlich machen

„Ursprünglich waren es 15 Mamas, die Interesse gezeigt haben“, sagt sie. Letztlich habe sich eine Kleingruppe aus fünf Familien gebildet, die bei der Gemeindeverwaltung ihr Interesse am Thema bekundeten. „Leider kam uns dann Corona dazwischen“, sagt Kerstin Horn. „Da standen wir verständlicherweise erst einmal hinten an.“ Trotzdem haben laut Horn zwei Termine mit Vertretern der Verwaltung stattgefunden. „Da wurde unsere Idee eigentlich schon befürwortet“, hatte sie das Gefühl. Trotzdem herrsche im Moment Stagnation, weshalb die Initiative dem Thema mit der Petition noch einmal Nachdruck verleihen wolle. „Ich glaube nicht, dass in der Öffentlichkeit bekannt war, dass da im Hintergrund etwas passiert“, vermutet sie.

Was sind die konkreten Vorstellungen der Elterninitiative?

„Zeitnah und kostengünstig“, beantwortet Marina Adi, die sich ebenfalls in der Elterninitiative engagiert, die Frage, wie sie sich die Umsetzung des Waldkindergartens im Idealfall vorstellt. Ein Waldkindergarten, so argumentiert sie, könne auch die Situation in anderen Kindergärten entlasten und dafür sorgen, dass mehr Geschwisterkinder dieselben Einrichtungen besuchen könnten. „Kostengünstig wäre es wahrscheinlich am besten, einen Bauwagen auszustatten und hinzustellen“, sagt ihre Mitstreiterin Kerstin Horn, die selbst schon in einem Waldkindergarten als Erzieherin gearbeitet hat.

Einen Bauwagen hält Bürgermeister Reinhard Molt nicht zwingend für notwendig. Stattdessen könnte er sich vorstellen, dass der Kindergarten in Buoch, der ja schließlich nicht weit von Wald und Natur entfernt sei, ein besonderes Naturlabel bekomme und sich verstärkt auf naturpädagogische Themen und den Aufenthalt im Freien konzentriere. Außerdem würde sich laut Molt der bestehende Unterstand des Musikvereins Buoch teilweise für die Zwecke eines Waldkindergartens umfunktionieren lassen.

Wer könnte die Trägerschaft übernehmen?

Offen blieb bei den Treffen mit der Verwaltung und den Eltern noch die für eine Umsetzung des Projekts durchaus wichtige Frage, wer die Trägerschaft für einen Waldkindergarten übernehmen könnte. Reinhard Molt stellt infrage, ob die Eltern nicht einen Förderverein gründen könnten. „Wenn es so eine Initiative gibt, dann steht sie auch in der Pflicht, das Projekt nicht nur anzuschieben und sich dann rauszunehmen“, findet er. Nur an eine Umsetzung für die eigenen Kinder zu denken und nicht an den allgemeinen Nutzen für den Ort, halte er für zu kurzfristig gedacht.

„Für uns wäre es wichtig, dass wir merken, der Gemeinde ist das Thema auch wichtig und sie sehen unseren Bedarf“, sagt Kerstin Horn. Außerdem wünscht sie sich, dass konkrete Überlegungen zur Umsetzung eines Waldkindergartens angestellt werden. Reinhard Molt verweist im nächsten Schritt auf einen Termin, den er mit einer Vertreterin der Initiative im Januar wahrnehmen möchte. 

Der direkte Kontakt zur Natur, Bewegung an der frischen Luft, die Erarbeitung von kreativen Spielmöglichkeiten – dem Konzept Waldkindergarten werden viele Vorteile nachgesagt. In Remshalden gibt es eine Gruppe von Eltern, die sich wünschen, dass sie ihren Nachwuchs zeitnah in einen solchen Kindergarten geben könnten. Konkrete Pläne gibt es dafür allerdings in der Gemeinde noch nicht, weshalb nun einige Eltern eine Petition gestartet haben, um dem Thema Dringlichkeit zu

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