Remshalden

Enormer Stromverbrauch: So will die PTS Prüftechnik in Remshalden Kosten senken

PTS-Prüftechnik
Dr. Walter Schwelberger ist Geschäftsführer von PTS Prüftechnik: „Wirklich eine sehr anspruchsvolle Zeit.“ © ALEXANDRA PALMIZI

Das Gebäude von PTS Prüftechnik in Remshalden ist ein mächtiger grau-schwarzer Block direkt neben der B 29, der seit dem Bau vor etwa vier Jahren das Ortsbild von Grunbach prägt. PTS testet darin für seine Auftraggeber Antriebsstränge, inzwischen vor allem für Elektromotoren von Fahrzeugen. Dementsprechend hoch ist der Energiebedarf: „Wir verbrauchen im Jahr so viel Strom wie ein Dorf mit 3000 Einwohnern“, sagt Geschäftsführer Walter Schwelberger. Angesichts der explodierenden Preise und der unklaren Entwicklung der Versorgungslage investiert PTS jetzt viel Geld, um die Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Firmenstandorte zu erweitern.

Walter Schwelberger rechnet damit, dass die Stromkosten für sein Unternehmen auf vier Millionen Euro im Jahr oder mehr steigen könnten. Die weitere Entwicklung der Lage sei unkalkulierbar, sagt Schwelberger. Mit weiteren größeren Investitionen ist PTS deswegen derzeit eher zurückhaltend. Dabei ist die riesige schwarze Halle in Remshalden extra so dimensioniert, dass sie viel Raum bietet für Erweiterungen. Trotz der Energiekrise ist die Firma aber weiterhin auf Wachstumskurs und sucht neue Mitarbeiter.

Es sind vor allem zwei große Anlagen, die bisher in der Halle stehen. Abgesenkt in einem Graben gibt es zwei Reihen von Containern. „In jedem sind zwei Klimakammern“, erklärt Geschäftsführer Schwelberger beim Rundgang durch die Firma. Darin werden Batterien für Elektrofahrzeuge getestet und dafür extremen Bedingungen ausgesetzt. Es ist in den Prüfständen zum Beispiel ein kleiner Aufzug eingebaut, mit dem die Batterie innerhalb von Sekunden einen Temperaturschock von minus 40 auf plus 60 Grad bekommt. „Ein Autofahrer weiß gar nicht, was die Teile unter seinem Sitz oder unter der Motorhaube aushalten müssen“, sagt Schwelberger.

Brennt eine Batterie, können die Prüfstände mit Wasser geflutet werden

In die schweren Container sind die Prüfstände aus Sicherheitsgründen verpackt. Sollte bei einer Batterie mal etwas schiefgehen und sie zum Beispiel in Brand geraten, kann der Container komplett mit Wasser geflutet werden.

Außerdem steht in der Halle ein großer, länglicher Prüfblock. Darin werden komplette Antriebsstränge getestet. In den einzelnen Prüfzellen stehen verschiedene Maschinen, die Antrieb und Räder simulieren. „Rollenprüfstände gibt es immer weniger“, sagt Walter Schwelberger. „Du brauchst das Auto nicht mehr. Man kann alles simulieren.“

Noch mal genau der gleiche Prüfblock könnte neben dem ersten in der Halle unterkommen. Die Erweiterung ist fest eingeplant bei PTS.

Batterien werden gefrostet und wieder aufgetaut

Außer der großen Halle gehören einige weitere, kleinere Räume zum Betrieb in Remshalden. Hier stehen sogenannte Klimakammern, kleiner als in den Containern in der Halle, für die Simulation von Umweltbedingungen. In den Prüflaboren werden zum Beispiel Batterien mit Salzwasser besprüht, gefrostet und wieder aufgetaut oder durch Wasserdampf mit Feuchtigkeit belastet. Gleichzeitig werden die Batterien immer wieder ge- und entladen, um die reale Nutzung zu simulieren.

Da wird schnell klar, woher der hohe Stromverbrauch kommt. Es ist, als würde eine ganze Flotte von E-Autos im Dauerbetrieb herumkurven und immer wieder geladen werden.

Vier öffentliche Ladepunkte

Ladesäulen für E-Fahrzeuge hat PTS übrigens auf dem Parkplatz vor dem Gebäude im Gewerbegebiet Breitwiesen auch, und zwar eine ganze Menge mit insgesamt 18 Ladepunkten für die Autos der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Außerdem gibt es vier öffentliche Ladepunkte am Firmengelände. Diese werden laut Walter Schwelberger auch rege genutzt.

Für die Grunbacher im Norden der B 29 habe das massive Gebäude im Verbund mit dem von Kurz Industrie-Elektronik direkt nebenan eine abschirmende Wirkung gegen den Autolärm auf der Bundesstraße. Für PTS selbst wiederum sei es ein idealer Standort: verkehrsgünstig und werbewirksam an der B 29 und auf der anderen Seite mit einem schönen Ausblick auf die Weinberge aus Büros und Gemeinschaftsräumen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Gemeinde Remshalden wollte PTS unbedingt im Gewerbegebiet Breitwiesen haben, als die Firma ihr Interesse signalisierte. Beim Remstalwerk, dem kommunalen Energieversorger und Netzbetreiber, wurden dafür alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Strombedarf des Unternehmens decken zu können. „Wir haben gesagt, wir brauchen mindestens drei Megawatt Anschlussleistung“, sagt Walter Schwelberger. Vorgesehen gewesen sei ursprünglich für das gesamte Gewerbegebiet eine Leistung von einem Megawatt.

Mit großem Aufwand stellte das Remstalwerk daraufhin die Planung für die Erschließung des Gebiets auf den Kopf und verlegte Leitungen, über die nun laut Schwelberger rund 4,8 Megawatt Leistung zusammenkommen.

Ausbau der Solarenergie-Erzeugung: Steigerung um 70 Prozent

Etwa 20 Prozent des Energiebedarfs deckt PTS in Remshalden aus Sonnenenergie über die Photovoltaik-Module auf dem Dach. In dem Bereich investiert das Unternehmen jetzt aber noch einmal massiv, indem bisher anders verplante Dachflächen dafür genutzt werden. „Wir steigern an allen Standorten, an denen wir PV-Strom erzeugen, die Kapazität um 70 Prozent“, sagt Walter Schwelberger. Aktuell hat PTS insgesamt eine Kapazität von 450 Kilowatt auf den Dächern. Allein in Remshalden sind es 300 KW, zu denen jetzt noch einmal 150 KW kommen.

In guten Sommermonaten habe man bisher in Remshalden einen Ertrag von 45 000 Kilowattstunden, so Schwelberger. Das könne man in Zukunft um den Faktor 1,5 steigern. Weil in Remshalden neue Prüfanlagen dazukommen, bleibt der Anteil des Sonnenstroms bei der Deckung des Energiebedarfs dennoch bei etwa 20 Prozent.

„Es ist wirklich eine sehr anspruchsvolle Zeit“, sagt Walter Schwelberger. Alles sei in Bewegung, könne sich von heute auf morgen verändern. Man könne nur versuchen, sich auf alle Veränderungen so schnell wie möglich einzustellen. Fakt sei in jedem Fall: Durch die fehlende Planungssicherheit bestehe „eine massive Beschränkung im Hinblick auf weitere Investitionen“.

Für den PTS-Chef ist klar: „Wenn man Planungssicherheit reinbringen möchte, dann sollte man sich schleunigst darauf einigen, dass man den Strompreis deckelt.“ Und zwar am besten auf EU-Ebene. Derzeit sei die Situation unüberschaubar, es gebe zum Beispiel bei den Stromverträgen von PTS mit der EnBW einen hundertprozentigen Preis-Unterschied zwischen dem Standort Waldstetten und Remshalden. Sprich: In Remshalden muss PTS für den Strom doppelt so viel zahlen wie in Waldstetten. „Das spiegelt wider, wie verrückt die Preissituation ist.“

243 Mitarbeiter, Hauptsitz in Waldstetten

Die PTS-Prüftechnik GmbH hat 243 Mitarbeiter an sechs Standorten. Der Hauptsitz der Firma befindet sich in Waldstetten im Ostalbkreis. Es gibt außer in Remshalden Niederlassungen in Schwäbisch Gmünd (zwei Standorte) und in den Autostädten Ingolstadt und Wolfsburg. Der Großteil der Kunden kommt aber laut Geschäftsführer Walter Schwelberger aus dem Großraum Stuttgart. Bosch, Daimler, Mahle oder Porsche sind darunter. Gegründet wurde die Firma 2009.

In Remshalden arbeiten derzeit rund 40 Menschen. Bei einer vollen Auslastung des Standorts liege das Ziel bei 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sagt Schwelberger.

„2016 haben wir die ersten Tests mit E-Antrieben gemacht“, so der Geschäftsführer. Damals sei dann auch die Entscheidung gefallen, im Bereich E-Mobilität zu erweitern. So kam es zum Bau im Gewerbegebiet Breitwiesen in Remshalden, wo der Schwerpunkt auf E-Mobilität liegt und es die Infrastruktur für die Testung batterieelektrischer Antriebe, aber auch die Möglichkeit vorbereitet ist, Wasserstoff-Antriebe zu testen.

Was heißt "Greentesting?"

„Greentesting“ – so lautet der Claim von PTS, der in Remshalden auch groß an der Fassade unter dem Firmennamen angebracht ist. Ja, gibt Walter Schwelberger zu, da schwinge im Kopf des Betrachters vielleicht leicht der negative Begriff des „Greenwashing“ mit, der für die PR-Verrenkungen von Unternehmen steht, die sich versuchen, von außen einen grünen Anstrich zu geben, obwohl die Realität ganz anders aussieht.

Aber er legt Wert darauf, dass PTS die Sache ernst meint und an dem – wenn auch noch fernen – Ziel arbeitet, klima- und CO2-neutral zu werden. „Wir erzeugen so viel Strom wie möglich selbst. Und was wir nicht erzeugen können, müssen wir an grünem Strom zukaufen.“

Die Anstrengungen in dieser Richtung seien auch für das Geschäft wichtig: „Ich gehe davon aus, dass wir irgendwann von unseren Kunden gefragt werden, wie viel CO2 wir einsetzen, um ihre Aufträge auszuführen.“ Sprich: ob die Testvorgänge wirklich „grün“ sind.

Das Gebäude von PTS Prüftechnik in Remshalden ist ein mächtiger grau-schwarzer Block direkt neben der B 29, der seit dem Bau vor etwa vier Jahren das Ortsbild von Grunbach prägt. PTS testet darin für seine Auftraggeber Antriebsstränge, inzwischen vor allem für Elektromotoren von Fahrzeugen. Dementsprechend hoch ist der Energiebedarf: „Wir verbrauchen im Jahr so viel Strom wie ein Dorf mit 3000 Einwohnern“, sagt Geschäftsführer Walter Schwelberger. Angesichts der explodierenden Preise und der

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