Remshalden

Glasfaserausbau: Was man zur Entscheidung für den Hausanschluss wissen sollte

Glasfaser breitband
Solche Leerrohre werden üblicherweise für die Glasfaserleitungen verlegt. © Benjamin Büttner

Nach Jahren mit wenig Fortschritt ist endlich auch im Rems-Murr-Kreis viel in Bewegung beim Glasfaserausbau in den Städten und Gemeinden. So zum Beispiel aktuell in Grunbach, Rudersberg, Plüderhausen oder Urbach. Die Anbieter werben mit dem scheinbar unschlagbar guten Angebot: Wer sich jetzt entscheidet, bekommt die Baukosten für den Anschluss ins Haus geschenkt. Doch die Verbraucherzentrale rät, sich davon nicht allein locken zu lassen, sondern vor allem die Kosten gut durchzurechnen – denn am Ende wollen natürlich alle Anbieter trotzdem ihr Geld verdienen. „Kein Anbieter hat etwas zu verschenken“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Was muss man bei der Kosten-Nutzen-Rechnung bedenken?

Oliver Buttler sagt: „Es gibt gute Angebote am Markt.“ Wenn die persönliche Kosten-Nutzen-Rechnung stimme, dann solle man auch unbedingt zuschlagen und sich den Glasfaseranschluss ins Haus holen – selbst wenn man zum jetzigen Zeitpunkt keine riesige Bandbreite von 1000 Megabit pro Sekunde brauche, die dadurch möglich wird.

Auf die Kosten-Nutzen-Rechnung kommt es allerdings an. Dafür sollte man sich verschiedene Fragen stellen, rät Fachmann Oliver Buttler. In jedem Fall sollte man genau hinschauen: „Fallen wirklich gar keine Kosten für den Anschluss für mich an?“ Ist die Frage zufriedenstellend beantwortet, lautet die nächste: „Was kommt dann an Folgekosten auf mich zu?“ Denn: Die Gratis-Glasfaserleitung ins Haus ist in der Regel verbunden mit dem Vertragsabschluss bei einem Telefon- und Internetanbieter, im Normalfall mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Und für die Leistung, die man darüber bestellt, zahlt man monatlich – mit teilweise beträchtlichen Unterschieden zwischen den Anbietern.

In der Regel am teuersten sind die Tarife der Telekom. Die Unterschiede zu günstigeren Anbietern können sich je nach Angebot schnell mal auf um die zehn Euro im Monat oder sogar deutlich mehr summieren.

Bei einem Anbieterwechsel müsse man aber immer auch eine Frage im Blick behalten, mahnt Oliver Buttler: „Wie lange läuft mein alter Vertrag?“ Komme man da nicht schnell raus, müsse man weiterzahlen und damit natürlich zusammen mit dem neuen Vertrag höhere Kosten kalkulieren, sobald dieser beginnt. Manchmal gebe es deswegen Aktionen von Anbietern wie: Solange Ihr alter Vertrag noch läuft, zahlen Sie bei uns nichts. Danach könne man durchaus auch mal gezielt fragen.

Was brauche ich und was muss mein Internetanschluss überhaupt können?

Eine weitere zentrale Frage für eine Entscheidung bringt Oliver Buttler so auf den Punkt: „Was brauche ich denn tatsächlich? Brauche ich eine riesengroße Bandbreite?“ Die wenigstens Privatnutzer werden heute schon die 1000 Megabit benötigen, die den Versprechen der Anbieter zufolge über den Glasfaseranschluss direkt ins Haus möglich sind. Selbst mit 100 Megabit dürften die meisten sehr gut zurechtkommen.

Wie viel Bandbreite man benötige, also wie leistungsfähig der Internetanschluss sein müsse, das hänge von der Internetnutzung des jeweiligen Haushalts ab, sagt Oliver Buttler. Arbeitet jemand viel im Home-Office, werden Streaming-Dienste wie Netflix oder Internet-TV genutzt? „Wenn ich Ultra-HD-Auflösung beim Netflix-Video will, brauche ich mindestens 25 Mbit“, sagt Oliver Buttler. Wenn aber gleichzeitig noch die Kinder im Haushalt ein Online-Spiel spielen oder ebenfalls ein Video streamen oder im Mehrfamilienhaus die Nachbarn auch gerade vor dem Fernseher sitzen, werde es dann schon eng. Für IPTV, also Fernsehen über die Internet- und Telefonleitung werden mindestens 50 Megabit pro Sekunde empfohlen.

Ist der Glasfaseranschluss als Zukunftsinvestition zwingend?

Nun ist ja die Nutzung zum aktuellen Zeitpunkt das eine - was ist aber in der Zukunft? Werden wir dann für heute noch gar nicht mögliche Anwendungen, neue Online-Spiele oder noch weiter entwickelte Fernseh- und Streamingangebote viel mehr Bandbreite brauchen? Ja, es sei durchaus wichtig, die zukünftige Entwicklung mitzudenken, sagt Oliver Buttler. Er rät dennoch immer zu einer nüchternen Rechnung für die gegenwärtige Situation.

Ein Argument für den Glasfaseranschluss, das in die Zukunft gedacht ist, ist auch die Wertsteigerung der Immobilie, danach werden künftige potenzielle Kaufinteressenten mit Sicherheit fragen. Für Oliver Buttler ist aber auch das kein pauschales Argument, sich einen Anschluss legen zu lassen – siehe die Frage zur Kosten-Nutzen-Rechnung.

Bekomme ich wirklich die versprochene Leistung?

Verbraucherschützer Oliver Buttler warnt auch davor, die Werbeversprechen der Anbieter immer buchstabengetreu zu glauben. Die Angaben bei den Bandbreiten seien meist Maximalwerte, die im besten Fall möglich sein könnten. Wichtig sei auch beim Glasfaser-Direktanschluss, sich den Minimalwert anzuschauen, den der Anbieter wirklich garantieren könne. Dazu müsse man sich das Produktinformationsblatt anschauen. Wie viel Bandbreite tatsächlich am Ende aus der Leitung komme, hänge von der Situation vor Ort ab.

Michael Murer, Breitbandkoordinator des Rems-Murr-Kreises hält Leistungsverluste bei den Glasfaser-Hausanschlüssen dagegen für kein Thema mehr. Dadurch, dass die Glasfaserleitung bis in die Wohnung gelegt werde, komme bis auf vielleicht geringe Verluste von ein oder zwei Prozent alles an, was man bestelle.

Wichtig sei dann aber auch noch ein Router, der bei der Leistung mitgehen könne. „Es ist natürlich zu beachten: Wenn von der Dose in der Wand bis zum PC die Bandbreite nicht transportiert werden kann, kommt da vielleicht weniger an, obwohl in der Wohnung eigentlich die bestellte Bandbreite vorliegt.“

Was ist bei Mehrfamilienhäusern oder Mietwohnungen zu beachten?

Im Mehrfamilienhaus werde grundsätzlich bei einer baulichen Maßnahme wie der Verlegung einer Glasfaserleitung auch die Absprache mit den Miteigentümern wichtig, sagt Oliver Buttler.

Mieter müssen unbedingt Rücksprache mit dem Vermieter vor einer Umbaumaßnahme halten. Einen Anspruch auf eine Glasfaserleitung habe man grundsätzlich nicht, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale. Zwar sei die Versorgung mit Internet vom Bundesgerichtshof als grundrechtsgleich eingestuft worden. Aber wenn schon eine Kupferleitung mit schnellem Internet im Haus sei, dann sei das damit bereits abgedeckt.

Nach Jahren mit wenig Fortschritt ist endlich auch im Rems-Murr-Kreis viel in Bewegung beim Glasfaserausbau in den Städten und Gemeinden. So zum Beispiel aktuell in Grunbach, Rudersberg, Plüderhausen oder Urbach. Die Anbieter werben mit dem scheinbar unschlagbar guten Angebot: Wer sich jetzt entscheidet, bekommt die Baukosten für den Anschluss ins Haus geschenkt. Doch die Verbraucherzentrale rät, sich davon nicht allein locken zu lassen, sondern vor allem die Kosten gut durchzurechnen – denn

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