Remshalden

Großer Andrang bei Corona-Impfaktion in Remshalden: "Der Druck steigt"

MobileImpfaktion
Über 200 Meter lang war die Schlange für eine Corona-Impfung vor dem Remshaldener Rathaus. © Gaby Schneider

Die ersten standen schon um zehn Uhr vor dem Rathauseingang. Bis zum angekündigten Impfbeginn um 13 Uhr war dann die Warteschlange schon auf einige Hundert Meter angewachsen. Weit mehr als 200 Impfbereite harrten hier in feucht-kalter Witterung darauf, den Piks gegen Corona zu bekommen. Nicht alle waren ganz freiwillig gekommen.

Es gab die unterschiedlichsten Geschichten zu hören. Ganz vorne in der Schlange eine in ihren Anorak vermummte Frau. Sie wartet auf ihre Erstimpfung. Warum erst jetzt? Ihre Antwort: „Muss!“ Sonst nicht? Sie schüttelt heftig den Kopf.

Auch für eine junge Frau ein paar Meter weiter in der Reihe ist es die Erstimpfung. „Der Druck steigt.“ Sie sagt: „Ich hatte lange Zweifel, was die Impfstoffe angeht.“ Sie kommt aus Göppingen, hat es zuvor schon in Nürtingen bei einer Impfaktion probiert, wo sie aber nicht drangekommen sei. „Ich verstehe die Notwendigkeit“, erklärt sie ihr Einknicken. „Aber ich finde die Art und Weise, wie es umgesetzt wurde, fragwürdig“. Sie hätte sich, sagt sie fast ein wenig traurig, „mehr Aufklärung als Druck“ gewünscht, „von Anfang an!“

Grund für Impfbereitschaft wider Willen: „Wollen am sozialen Leben teilnehmen.“

Auch nicht aus freien Stücken stehen eine Mutter und Tochter aus Weiler an. Die Mutter erzählt von der Situation ihrer Tochter: „Wenn sie bis Januar nicht geimpft ist, wird ihre Ausbildung zu einem medizinisch-therapeutischen Beruf abgebrochen.“ Das sei ihr von ihrer Schule angedroht worden. „Ich mach’ mit, weil man muss. Ich bin kein Gegner, aber ich traue den Impfstoffen nicht.“

Zwei jüngere Männer berichten, dass sie es schon vergeblich in Backnang und Stuttgart versucht hätten, wo dann aber zu den angekündigten Terminen der Impfstoff nicht geliefert wurde. Auch sie sind Erstimpflinge. Auch hier: „Wegen 2G. Wir hätten es ohne Druck nicht gemacht.“

Und ein Mann etwas weiter in der Schlange gibt an: „Weil es im Geschäft nicht mehr geht ohne Impfen.“ Eigentlich aber ist er der Überzeugung: „Wenn man sich anständig verhält, ist es nicht notwendig.“ Ähnlich sieht es ein 53-Jähriger in seiner vierköpfigen Gruppe. Ohne Druck, sagt er, „würde ich auf mein gutes Immunsystem setzen“. Dass man aber bald gar nichts mehr machen könne, sei der Grund für die Impfbereitschaft wider Willen: „Wir wollen am sozialen Leben teilnehmen!“

Die Österreicher, die auch in Notzeiten wie im aktuellen Lockdown immer für ihren Schmäh berüchtigt sind, haben für diese Reaktion gerade scherzhaft das schöne Wort „Schnitzel-Panik“ erfunden.

Wunsch zum deutschen Impfchaos: Alles hätte besser organisiert werden müssen

Erstaunlich oft trifft man in der Warteschlange aber auch auf etwas ältere Frauen und Männer, die für die Booster-, also Auffrischungsimpfung anstehen. Da hätte sich ein Paar nur gewünscht, dass die Impfaktionen „staatlich besser organisiert“ worden wären und „nicht wieder im Chaos enden“.

Egal, wen man in der Schlange fragt, egal, was die Gründe für die Entscheidung zur Corona-Impfung sind, man hört Zweifel, Fragen, Kritik - aber nie unter der Gürtellinie. Der Druck steigt. Gut so. Geht doch!, möchte man sagen. Zwar hadernd, aber doch auch überraschend zivilisiert stehen die Zweifler im Kalten für die gefürchtete Nadel an und lassen sich den ungeliebten Schuss geben. Und toll, dass der DRK-Ortsverband zur Stelle war und die Wartenden mit Tee und Punsch versorgte.

Angekündigt war beim mobilen Impfangebot im Remshaldener Rathaus die Bereitstellung von 100 Impfdosen der Hersteller Biontech sowie Johnson & Johnson. Zur Verfügung standen dann aber doch 200 Dosen, die von zwei Impfteams verabreicht wurden. Trotzdem mussten etwa 100 Impfinteressierte abgewiesen werden. Ja, meint auch Lea Hoffmann von der Ordnungsverwaltung Remshalden, „es wäre richtiger gewesen, wenn im letzten halben Jahr mehr geimpft worden wäre.“

„Mutti“, rief ein den Platz für seine Mutter frei haltender junger Mann in der Schlange in sein Handy, „du musst erst kurz vor fünf hier sein, es ist alles voll!

Die ersten standen schon um zehn Uhr vor dem Rathauseingang. Bis zum angekündigten Impfbeginn um 13 Uhr war dann die Warteschlange schon auf einige Hundert Meter angewachsen. Weit mehr als 200 Impfbereite harrten hier in feucht-kalter Witterung darauf, den Piks gegen Corona zu bekommen. Nicht alle waren ganz freiwillig gekommen.

Es gab die unterschiedlichsten Geschichten zu hören. Ganz vorne in der Schlange eine in ihren Anorak vermummte Frau. Sie wartet auf ihre Erstimpfung. Warum

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