Remshalden

Jetzt haben die Bürger das Wort: So soll Remshalden in Zukunft aussehen

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Remshalden aus der Luft. © Gabriel Habermann (Archiv)

Die Gemeinde Remshalden hat sich auf einen neuen Weg gemacht. Man will nicht länger im Gremium des Gemeinderates und in den Reihen der Verwaltung analysieren und mutmaßen, was die Bevölkerung braucht und sich wünscht. In dem Prozess, der nun angestoßen wurde, haben die Remshaldenerinnen und Remshaldener die Möglichkeit, eigene Bedürfnisse und Erkenntnisse einzubringen und für sie Unterstützer zu finden.

Moderiert wird dieser Prozess vom Verein „Generationen. Dialog. Zukunft“. Das Netzwerk hat schon etliche Kommunen bei ähnlichen Prozessen begleitet.

Schwerpunktthemen ermittelt

Zuletzt hatten bereits Gemeinderat, Seniorenrat und Jugendgemeinderat gemeinsam mit dem Verein nach relevanten Zukunftsthemen gesucht. Anschließend gab’s eine ähnliche Suche nach künftigen nötigen Schwerpunkten zusammen mit ausgewählten Bürgern. Hierfür waren 350 Remshaldenerinnen und Remshaldener angeschrieben worden, die in den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde leben, unterschiedlichen Altersgruppen angehören.

Das Verhältnis von Männern und Frauen sollte zudem ausgeglichen werden. 22 meldeten sich zurück, 15 von ihnen wurden ausgewählt, an dem Workshop „Forum Identität Remshalden“ zusammen mit der Gruppe ZZG teilzunehmen, der an zwei Tagen Anfang Juli stattgefunden hat. Die dort isolierten Kernthemen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jetzt der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Austausch soll im Herbst weitergehen

Zu dieser Runde waren alle Interessenten aus Remshalden eingeladen. Wer an einem der Tische im Sitzungssaal des Rathauses Platz genommen hatte, konnte dann ebenfalls im Rahmen dieser Veranstaltung mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern seine Zukunftsvisionen für Remshalden teilen.

Indes kamen an diesem Abend nur wenige neue Bürger hinzu. Vornehmlich waren solche Remshaldener dabei, die durch ihre Zugehörigkeit zu den zuvor bereits befragten Gruppen schon mit dem Projekt zu tun hatten. Dennoch: Einige neue Gesichter waren doch mit dabei. Und einige neue Ideen wurden auf diese Weise in den Diskussionseinheiten ebenfalls entdeckt.

Im Herbst dieses Jahres, wenn das Projekt weiterlaufen soll, ist eine noch größere Veranstaltung in der Wilhelm-Enßle-Halle geplant. Bürgermeister Reinhard Molt hofft dann auf mehr Teilnehmer aus den Reihen der Remshaldener.

Das sind die Zukunftsthemen

Aber welche Themen die Bürger nun erarbeitet haben? Aus knapp 100 Wünschen für das Leben in der Gemeinde haben die Workshop-Teilnehmer zusammen mit Christoph Weinmann, dem Moderator der Veranstaltung, Schwerpunkte gebildet, die über ein Punktesystem in eine hierarchische Reihenfolge gestellt wurden. Nur um eines vorwegzunehmen - diese Zukunftsthemen deckten sich größtenteils mit jenen, die der Gemeinderat in seiner Klausurtagung ebenfalls erarbeitet hatte. Und dabei handelt es sich um folgende Ziele:

„Natur schützen, erhalten und gestalten“. Darunter fielen etliche Stichworte: Bauflächen sollten bewusst gewählt, mehr Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Biologische Nutzflächen sollten gefördert, Pilotprojekte für Klimaschutz (eventuell auch mit Mitbeteiligung der Bürger, zum Beispiel bei Wärmesonden und Fotovoltaik) auf den Weg gebracht werden. Klimafreundliche Baumaßnahmen verdienten Bezuschussung.

Auch die Ortsteilentwicklung lag den Tagenden am Herzen: Es solle mehr Infrastruktur geschaffen und erhalten werden. Verbesserungsmöglichkeiten wurden betreffend der Einkaufsmöglichkeiten, der Gastronomie, der medizinischen Einrichtungen und des öffentlichen Nahverkehrs gesehen. Die Ortskerne könnten mehr gestaltet, das Kulturangebot, die Gemeinschaft und die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sollten gefördert werden. Konkret wünschte man sich einen Lebensmittelautomaten, ein Mitfahrbänkle, Tempo-30-Zonen, dass der Wera-Park Hebsack erhalten bleibt und Bankautomaten in den Ortsteilen.

Digital in die Zukunft: Die Digitalität sollte genutzt und gefördert werden, wo es sinnvoll ist. Zum einen könnte die Verwaltung digital ausgebaut werden (digitales Bürgerbüro, digitales Postfach, vollständiges Info-Angebot der Gemeinde). Zum anderen würde ein Ausbau des Netzes dafür sorgen, dass der Standort Remshalden für Privatpersonen und Gewerbe an Attraktivität gewinnen würde.

Verkehr und Mobilität: Es brauche zukunftsfähige Lösungen für viele Aufgabenstellungen, speziell bezüglich Parksituationen in Wohngebieten, bezüglich Straßeninstandhaltungen, Lärmschutz und Strukturentwicklung. Den ÖPNV betreffend, sei eine deutlich höhere Bustaktung in den Ortschaften wünschenswert, auch neue Linien über die Ortsgrenzen hinaus.

Qualität von Bildungseinrichtungen: Kitas und Schulen sollten auf dem Laufenden (gute Ausstattung, Fortbildungen für Lehrer und Erzieher, angemessene Bezahlung) bleiben, damit Kinder gefördert würden und das Lernen Spaß mache. Starke, gut geförderte Kinder bildeten später eine starke Gesellschaft, die die Probleme der Zeit anpacken kann.

Nachhaltige Lebensweise fördern: Man müsse achtsamer und behutsamer mit der Natur umgehen, Ressourcen nur schonend nutzen, um den aktuellen Lebensstandard wahren zu können und den folgenden Generationen ein lebenswertes Remshalden zu hinterlassen.

Kinder und Jugendliche: Sie sollten sich in Remshalden wohlfühlen und gerne hier wohnen (bleiben), das wurde als Ziel formuliert. Dazu gehörten sichere und vielfältige, öffentlich zugängliche Spiel- und Sportplätze, mehr Freizeitangebote für jedes Alter, Konzepte gegen Vandalismus, wetterfeste, ganztägig zugängliche Treffpunkte für Jugendliche.

Partnerschaftlicher Umgang zwischen Gemeindeverwaltung und Bürgerinnen und Bürgern: Man wünschte sich Begegnungen auf Augenhöhe zwischen der Verwaltung(-sspitze) und den Bürgern, bei Anliegen und Anfragen zügige Antworten, eine bessere Erreichbarkeit des Bürgerbüros, mehr Bürgerforen und Initiativen zu wichtigen kommunalen Entscheidungen und Veränderungen.

Sportvereine und Sportstätten fördern: In allen Teilorten sollte ein breit aufgestelltes Sportangebot für Alt und Jung zur Verfügung stehen. Es brauche zudem genügend Schwimmbäder für den Schwimmunterricht an Schulen und ausreichend Turnhallen.

Integration und Inklusion: Damit ein gutes Miteinander in Remshalden möglich sei, müsse jeder einen Platz finden und sich willkommen fühlen. Dazu gehöre ein aktives Zugehen auf Zugewanderte, insbesondere Flüchtlinge. Es müsse ein Bewusstsein für den Wert der Vielfalt etabliert werden, Bedürfnisse müssten ermittelt, zudem Möglichkeiten geschaffen werden, um das Miteinander „der Kulturen“ zu ermöglichen.

Tourismus: Da man sich grundsätzlich mehr Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote wünsche, diese sich aber nur bei ausreichend Kundschaft halten können, schlug die Gruppe vor, den Tourismus als Frequenzbringer zu nutzen. Dafür müssten natürlich Attraktionen geschaffen werden: Walderlebnispfade, eine Seilbahn in Buoch, ein Baumwipfelpfad oder Ähnliches könnten in Remshalden funktionieren, so die Idee.

Die Gemeinde Remshalden hat sich auf einen neuen Weg gemacht. Man will nicht länger im Gremium des Gemeinderates und in den Reihen der Verwaltung analysieren und mutmaßen, was die Bevölkerung braucht und sich wünscht. In dem Prozess, der nun angestoßen wurde, haben die Remshaldenerinnen und Remshaldener die Möglichkeit, eigene Bedürfnisse und Erkenntnisse einzubringen und für sie Unterstützer zu finden.

Moderiert wird dieser Prozess vom Verein „Generationen. Dialog. Zukunft“. Das

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