Remshalden

Kommentar: Fünf Jahre Stefan Breiter

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Redakteur Reinhold Manz kommentiert die fünfjährige Amtszeit von Stefan Breiter. © Steinemann / Montage Mogck

Remshalden.
Es war im Jahr 2013 an einem Morgen im Mai, als Stefan Breiter sein Brötchen mit Erdbeermarmelade beinahe im Hals stecken blieb. Der Schreck sprang ihm an einem der ersten Tage im Amt des Remshaldener Bürgermeisters aus der Zeitung entgegen, die auf dem Frühstückstisch lag: Ein Artikel griff eine neue Forschungsarbeit über Ernst Heinkel, den Grunbacher Flugzeugpionier und Ehrenbürger, auf, die sich mit seiner Verstrickung in die Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen im Dritten Reich beschäftigte – der Beginn einer monatelangen Debatte, die Breiter sofort maximal forderte.

Von Anfang an klaren Standpunkt bei Ernst Heinkel-Thema

Am Ende konnte man sagen: Diese schwierige Situation hat er sehr gut gemeistert. In einer teilweise extrem aufgeheizten Stimmung mit emotionalen Diskussionen ging er in die Offensive und setzte auf Versachlichung und Aufklärung. Breiter hatte von Anfang an einen klaren Standpunkt, trotzdem hörte er sich alle Meinungen an und ließ sie zu. Am Ende stand die Entscheidung im Gemeinderat, die Ernst-Heinkel-Realschule umzubenennen, die nicht alle richtig fanden, die aber eine logische Konsequenz aus der von Breiter vorangetriebenen Aufarbeitung war.

Immer sicherer geworden

Das war in einer Zeit, in der Stefan Breiter als Bürgermeister teils noch einen unsicheren Eindruck machte. In seinen vorherigen Jobs, auch als persönlicher Referent der Ministerpräsidenten Oettinger und Mappus, hatte er im Hintergrund gearbeitet, jetzt war er der Mann ganz vorne im Scheinwerferlicht. Lange holperte es in seinen bemüht wirkenden Reden gehörig, stolperte er etwas fahrig durch die Gemeinderatssitzungen. Doch im Verlauf seiner fünf Jahre als Bürgermeister ist Breiter viel sicherer geworden. Er ist mittlerweile ein flüssiger, guter Redner und Gemeinderatssitzungen hat er routiniert im Griff. Allein seine Fähigkeiten beim Fassanstich des Straßenfests sind unverändert, den brachte er kein einziges Mal unfallfrei über die Bühne – eine Tatsache, die er selbst mit Fassung trug und die ihm keiner ernsthaft als schwerwiegendes Defizit als Mensch und Bürgermeister anrechnet.

Mehr Kumpeltym als großer Zampano

Menschlich ist Stefan Breiter ohnehin ein Typ, der bei den meisten gut ankommt. Er ist kein Bürgermeister, der herrschaftlich und unnahbar durchregiert. Er ist umgänglich, geht unkompliziert auf Leute zu, kommt offen und ehrlich rüber, mehr Kumpeltyp als großer Zampano. Man hat bei ihm nie das Gefühl, dass er sich über jemanden stellt, dass er irgendeinen Standesdünkel hätte. Viele Bürger nahmen ihn eher als einen der ihren wahr denn als Teil der Verwaltung.

Beim Thema Flüchtlingsunterbringung angeeckt

Das heißt nicht, dass Stefan Breiter nie angeeckt wäre. Als Bürgermeister kommt man nicht durchs Leben, ohne manchmal klare Kante zu zeigen. Das tat er zum Beispiel in der heißen Phase der sogenannten Flüchtlingskrise bei einer hitzigen Versammlung in Hebsack. Dort bewies er im wütenden Sturm der Entrüstung vieler Bürger über die Pläne zur Flüchtlingsunterbringung Haltung. Er stieß dabei auch einige vor den Kopf, die sich nicht gehört und zu Unrecht als Fremdenfeinde abgestempelt sahen – keine Remshaldener Eigenheit, in dieser Zeit ging gesellschaftlich und zwischenmenschlich viel zu Bruch. Aber die feste Linie des Bürgermeisters ermöglichte es, dass Remshalden das Thema offensiv anging und bis heute, maßgeblich durch die Arbeit der ehrenamtlichen im Arbeitskreis Asyl, die Unterbringung der Flüchtlinge gut gelungen ist.

Oft keine klaren eigenen Standpunkte

Ansonsten gab es viele Themen, bei denen ihm ein klarer eigener Standpunkt fehlte. Zu seinen grundlegenden Wesenszügen gehört es, dass er es gerne allen rechtmachen will. An sich ein positiver Zug, auch für einen Bürgermeister, dem es gut zu Gesicht steht, wenn er allen zuhört und ihre Anliegen ernst nimmt. Aber in mancher kritischen Debatte im Gemeinderat vergaß er, dass eine Verwaltung oft ganz einfach eine klare Linie braucht, und ließ sich zu sehr auf eine ausgleichende, alle Argumente gleich gewichtende Haltung ein. Das machte sich zum Beispiel beim Thema Gartenschau bemerkbar, bei dem er unsicher und inkonsequent wirkte. Zugegebenermaßen hatte er es bei diesem Thema mit einem eher skeptischen Gemeinderat und einer angespannten Finanzlage auf der einen und einer Bürgerbeteiligung mit viel Begeisterung und Ideenreichtum auf der anderen Seite auch nicht ganz leicht.

Was unter seiner Amtsführung geschafft wurde

Bei anderen Themen setzte er Akzente und gab klare Richtungen vor. Dass Remshalden eine schöne, neue Bibliothek an zentralem Standort im Erdgeschoss des Betreuten Wohnens hat, kann er sich als sein Verdienst anheften. Hier riss er das Ruder in einer bereits getroffenen Entscheidung für den Standort Bürgerhaus Grunbach herum und nahm damit die Stimmung in einer Mehrheit der Bevölkerung und im Gemeinderat auf.

Was wurde in den fünf Jahren unter seiner Amtsführung noch geschafft? Unter anderem: das Gewerbegebiet Breitwiesen erschlossen und vermarktet, die Kläranlage modernisiert und zukunftssicher gemacht. Viele loben ihn, weil unter seiner Führung mit Tempo viel angepackt wurde. Andere verbuchen das eher als Aktionismus und meinen, er habe sich zu viel vorgenommen und die Verwaltung überlastet. Trotz vieler Themen, die unter ihm gut und nachhaltig abgearbeitet wurden, muss man wohl sagen: Stefan Breiter ist kein Bürgermeister, der Remshalden mit Ideen und Visionen geprägt hat. Dazu war die finanzielle Grundlage im Haushalt zu schlecht und seine fünf Jahre im Amt waren schlicht zu kurz.

Breiter ist nie nach Remshalden gezogen

Als Makel rechnen ihm viele an, dass er nie wie im Wahlkampf versprochen nach Remshalden zog und mit seiner Familie in Hertmannsweiler wohnen blieb. Doch für seine Amtsführung kann man ihm daraus keinen Vorwurf machen, denn er war stets präsent in der Gemeinde, meist an sieben Tagen die Woche. Herzblut und vollen Einsatz für Remshalden kann ihm keiner absprechen. Dass er die Gemeinde jetzt vorzeitig nach Freiburg verlässt, muss kein Gegenbeweis dafür sein. Gegen seine Liebe zu seiner Heimatstadt (und zum SC Freiburg) konnte Remshalden ganz einfach nicht gewinnen.