Remshalden

Magda Kunze ("Ridentity"): Pro Woche zehn Transporter mit Spenden in die Ukraine

UkrainespendeKunze
Magdalena Kunze (rechts) hat im Nullkommanichts Helferstrukturen aufgebaut. © Gaby Schneider

Magdalena Kunze schuftet und schuftet. Von morgens bis abends. In ihrem Laden „Ridentity“, einem Geschäft für Reiterbedarf, stapeln sich Kisten um Kisten. Allerdings verkauft sie hier derzeit kaum einen Helm, kaum ein Reiterjackett. Zusammen mit Nachbarn und Freunden sortiert sie hier Spenden für ukrainische Flüchtlinge.

„Ich bekomme mehr als 800 Anrufe und Whatsapp-Nachrichten pro Tag“, berichtet sie am Telefon und ist ganz außer Atem. In einem fort kommen Menschen an, die Material bringen, die Transporter volltanken, einfach helfen wollen.

In Kunzes Heimatstadt kommen immer mehr Flüchtlinge an

Kunze, die alle nur Magda nennen, kommt ursprünglich aus dem polnischen Trzebién. Das liegt rund 650 Kilometer von Remshalden entfernt. Ihre Mutter und ihre Cousine wohnen dort noch. Eigentlich hatte sie mit ihrem Sohn in den Faschingsferien einfach nur die Verwandtschaft besuchen wollen.

Aber dann brach der Ukraine-Krieg aus. Nach Angaben des Grenzschutzes sind seither in Polen mehr als eine Million Flüchtlinge angekommen. Auch in der kleinen Stadt 50 Kilometer vom Grenzübergang Görlitz entfernt kommen täglich viele Menschen an. „Die Zustände dort sind unmöglich“, weiß Kunze. Hilfe von der dortigen Gemeindeverwaltung gebe es kaum.

Mit der Feuerwehr vor Ort ein Versorgungszentrum aufgebaut

Dabei konnte, dabei wollte Magda Kunze nicht zusehen. Und aus dem Familientreffen wurde ein erster Hilfstransport. Inzwischen konnte dank der tatkräftigen Hilfe der Feuerwehr vor Ort innerhalb von zwei Tagen rund um das Gemeindehaus in Trzebién und rund um die Maschinenbaufirma ihrer Cousine ein Versorgungszentrum eingerichtet werden. Hier warten täglich Flüchtlinge, es wird frisch gekocht.

Schnell und unbürokratisch kann geholfen werden. Nach eigenen Angaben versorgen Kunze und ihr Helfer-Team hier ein paar Tausend Flüchtlinge in einem Umkreis von 200 bis 300 Kilometern mit Hygieneartikeln, haltbarem Essen und vielem mehr. Wöchentlich fahren zehn Transporter hin und her. Sie starten in Richtung Trzebién aus Remshalden, aber auch aus anderen Ecken Deutschlands - Kunze hat über ihren Laden, in dem sie auch personalisierten Reiterbedarf vertreibt, weitverzweigte Kontakte.

Immer neue Dinge werden benötigt

Jeden Tag gibt’s neue Informationen aus Trzebién, was nun gebraucht wird. Zuletzt wurden Verbandsmaterial und Medikamente benötigt, Reinigungsmittel, auch Stifte und Mäppchen für Kinder, die jetzt vorläufig in Polen zur Schule gehen, Pflegeprodukte, frische Unterwäsche für Frauen und Kinder. Die Remshaldenerin teilt die aktuellen Infos wiederum über ihren Whatsapp-Status mit ihren Bekannten und Kunden, die es wiederum selbst verbreiten. Und wenig später kommen schon die ersten Helferinnen und Helfer mit Kartons und Tüten um die Ecke. „Ich hätte es nicht gedacht, dass es so viel wird“, erklärt sie.

Kunze: Von Hilfsbereitschaft und Spendenflut überwältigt

Unter anderem gab’s auch Wurstspenden von Großmetzgereien, Stifte, Mäppchen und Spielwaren vom Spielzeugladen. Dazu die Lieferungen von Hunderten freiwilligen Helfern, berichtet Magda Kunze gerührt. Ganz viel Hilfe komme aktuell von der SV Remshalden. Hier spielt ihr Mann seit 40 Jahren Handball. „Da reicht ein Wort, und der ganze Verein steht hinter mir.“

Die Sportler sammeln Spenden, ein Mitglied kümmert sich nun ehrenamtlich darum, die Angebote an privaten Unterkünften zu strukturieren. Tatsächlich haben sie bereits schon Mütter mit Kindern mit nach Deutschland genommen. Eine Schwangere ist zusammen mit ihrer kleinen Tochter im Rems-Murr-Kreis untergekommen, eine weitere Familie konnte samt ihrem Kind mit Behinderung Unterschlupf finden.

Schulkinder haben auch Spenden vorbeigebracht

Die Kinder der Grundschulbetreuung kamen zuletzt vorbei und haben Lineale, Stifte und Mäppchen vorbeigebracht. Auch Reitvereine aus dem größeren Umkreis – Weinheim, Köngen, Sindelfingen – beteiligen sich rührend. Über den Rotary-Club Kirchheim-Nürtingen konnten Medikamente und Verbandsmaterial in Höhe von rund 35.000 Euro organisiert werden.

Ein Informatiker aus Rudersberg richtet jetzt für sie und ihre Hilfsaktion eine Internetseite mit E-Mail-Adresse ein. Eine ältere Dame, die selbst keine Möglichkeiten hat, viele Sachspenden zu bringen, drückte ihr vor der letzten Abfahrt eine Tüte in die Hand. Darin: Gummibärchen, geschmierte Brote, eine liebe Karte und das Versprechen, für sie zu beten. Jeder tut, was er kann.

Sortieranlage im Reiterladen

„Wir sammeln die Sachen hier im Reiterladen und beschriften sie auf Polnisch“, erklärt Kunze. Sie ist ganz überwältigt davon, was gerade alles passiert. Zum normalen Arbeiten komme sie aktuell kaum noch. Inzwischen gibt’s sogar eine Außenstelle in Breitenfürst. Um der Hilfsbereitschaft leichter Herr werden zu können, wird sie kommende Woche zusammen mit einigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern einen Hilfsverein ins Leben rufen. Dann können sie die Spenden noch besser koordinieren.

Am Freitag starten sie nach Polen

Am Freitag brechen Magdalena Kunze und einige Helfer aber erst einmal mit einem großen Konvoi auf. Zwei 7,5-Tonner und fünf Sprinter - bis obenhin mit Hilfsgütern vollgepackt– starten dann in Richtung Polen. Vor Ort wird die Remshaldenerin dann mit den Menschen sprechen, Polnisch und Ukrainisch sind sich ähnlich. Das klappt gut.

Und wo mal Unverständnis herrscht, hilft das Handy mit Übersetzungsprogramm aus. Sie wird viele Videos drehen und Bilder machen, auch um ihren vielen Unterstützern zu Hause Rechenschaft über den Verbleib der vielen Spenden zu geben.

Magdalena Kunze schuftet und schuftet. Von morgens bis abends. In ihrem Laden „Ridentity“, einem Geschäft für Reiterbedarf, stapeln sich Kisten um Kisten. Allerdings verkauft sie hier derzeit kaum einen Helm, kaum ein Reiterjackett. Zusammen mit Nachbarn und Freunden sortiert sie hier Spenden für ukrainische Flüchtlinge.

„Ich bekomme mehr als 800 Anrufe und Whatsapp-Nachrichten pro Tag“, berichtet sie am Telefon und ist ganz außer Atem. In einem fort kommen Menschen an, die Material

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