Remshalden

Mountainbiker fährt im Buocher Wald in gestellte Falle, stürzt und verletzt sich

Mountainbikewald
Für rund 15 Millionen Deutsche ein Genuss: Mit dem Mountainbike abwärts radeln. © Gabriel Habermann

Mitten in einer rasanten Bergab-Fahrt ist ein 41-jähriger Mountainbike-Fahrer am Dienstagnachmittag im Wald zwischen Buoch und Berglen-Reichenbach in einem Drahtzaun hängen geblieben und gestürzt.  Der Radfahrer schlug dabei mit dem Kopf auf und verletzte sich. Der zweckentfremdete Wildzaun war kurz vor der Einmündung des Trails auf einem Waldweg positioniert. Polizei, Betroffener und Vertreter des Forstamtes gehen davon aus, dass es sich um eine eigens zu diesem Zweck aufgebaute Mountainbiker-Falle handelt. Wer Hinweise zum Täter hat, wird gebeten, sich bei der Polizei (07151/950422) zu melden.

Eine Überraschung ist diese Eskalation für Ulrich Häußermann, stellvertretender Leiter des Forstamtes Rems-Murr, nicht. Er weiß - immer wieder passiert es: Militante Gegner der Mountainbike-Sportler bauen Fallen, bringen so die Radfahrer in echte Gefahr. Immer wieder würden Nagelbretter gelegt oder Drähte über Wege gespannt, um die Freizeitsportler zu Fall zu bringen. Das sei in jedem Fall nicht nur als Körperverletzung strafbar, er halte es auch grundsätzlich für menschenverachtend. „Für mich grenzt das schon an einen Mordversuch“, ergänzt dazu auch Janet Weick, Sprecherin der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) IG Rems-Murr. Immerhin: An manchen Stellen seien die Mountainbiker mit wirklich schnellem Tempo unterwegs. Wer dann an solch einem Draht hängenbleibt, dem kann Übles widerfahren.

Schotterpiste hoch, auf schmale Waldwegen abwärts

Das Problem: Tatsächlich sind Mountainbiker in Baden-Württemberg hauptsächlich illegal unterwegs. Laut Landeswaldgesetz dürfen sie nur auf Wegen fahren, die breiter als zwei Meter und außerdem von Autos befahrbar sind. Rückegassen beispielsweise sind daher ebenso tabu wie schmalere Wanderwege. Allerdings, genau die machen den Spaß an der Sache aus. Die meisten Biker fahren auf breiten Schotterstrecken bergauf, um anschließend sogenannte „Singletrails“ – also schmale Waldwege – hinunter zu fahren. Faktisch begehen sie dabei jedes Mal eine Ordnungswidrigkeit, wegen der Bußgelder verhängt oder Verwarnungen ausgesprochen werden könnten.

15 Millionen Mountainbiker in Deutschland

Janet Weick kritisiert: „Auch wenn wir mit unseren Kindern einen schmalen bestehenden Waldweg in Baden-Württemberg radeln (auch mit normalen Rädern) sind wir schon illegal unterwegs.“ Da das völlig impraktikabel sei, viele davon auch gar nichts wüssten, hätte sich die letzten 20 Jahre auch kaum ein Mountainbiker daran gehalten. „Die Zwei-Meter-Regel bedeutet also ein Verbot des ganzen Mountainbikesports“, schlussfolgert die Sprecherin der DIMB. Allerdings - nach einer Umfrage des Allensbacher Meinungsforschungsinstituts fahren 15 Millionen Deutsche ab und an mit dem Mountainbike, knapp ein Drittel von ihnen regelmäßig. Von einer sportlichen Minderheit lasse sich angesichts dieser Zahlen nicht sprechen. Vielmehr sei's eine ernstzunehmend große Gruppe Freizeitsportler, die aus der Illegalität heraus will – so sieht es jedenfalls Janet Weick.

Sie wollen raus aus der Illegalität

Immerhin: So streng wie in Baden-Württemberg ist das Gesetz mit den Bikern in anderen Bundesländern nicht. Auch das Bundeswaldgesetz sieht die Sache lockerer. Weick setzt sich deshalb zusammen mit ihren Mitstreitern der DIMB dafür ein, auch hier legale Möglichkeiten zur Ausübung ihres Sportes zu schaffen. Im Rahmen des Runden Tisches, der zuletzt auf Initiative des Forstamtes Rems-Murr ins Leben gerufen worden ist, suchen sie mit Vertretern der Naturschutzbehörden, der Wanderverbände, der Jägerschaft und des Forstes nach Lösungen.

Auch Ulrich Häußermann erklärt, dass man sich lieber mit dieser großen Gruppe der Radsportler auf einen gemeinsamen Konsens einigen möchte, statt den Wald zu kontrollieren und den Streit eskalieren zu lassen, wie es zuletzt in Fellbach passiert sei. Lieber wolle man die Mountainbiker in ein gemeinsam ausgeklügeltes und eben auch legales „Mountainbike-Trail-Netz“ lenken. Zwar kann das Kreisforstamt das geltende Landesgesetz nicht ändern. Allerdings ist es aber befugt, Ausnahmen von der Regel zuzulassen. So könnten in den kommunalen Wäldern tatsächlich attraktive Wegenetze geschaffen werden. Schon in anderen Gegenden, in Freiburg oder Esslingen, ist das gelungen.

Lieber den Berg hinunterheizen als hinterm Computer zocken

Im Übrigen sei die Notwendigkeit, dahingehend aktiv zu werden, zuletzt stark gestiegen. Angesichts der Corona-Krise und der vielen mit ihr einhergehenden Einschränkungen sei der Wald als Freizeitkulisse wichtiger geworden, erklärt Häußermann. Mehr und mehr Wanderer, aber auch Radfahrer ziehe es nun unter die Baumwipfel. Gerade im Fall der jugendlichen Mountainbiker sei das ja auch grundsätzlich wünschenswert. „Besser als wenn sie den ganzen Tag nur in ihren Zimmern sitzen und daddeln“, findet er.

Biotope dringend schützen

Indes, angesichts fehlender legaler Mountainbike-Strecken gehöre inzwischen auch das Bauen von anspruchsvollen Trails im Wald zum Sport dazu. Online-Plattformen, auf denen neue Strecken eingetragen werden, tun dann ihr Übriges und locken schnell eine ganze Menge neuer Radfahrer auf den Trail – und schon ist dieser etabliert. Teils passiere das auch – vermutlich aus Unwissenheit – in empfindlichen Gebieten. Das wiederum störe zu Recht die Jäger, den Forst, den Naturschutz und die Waldbesitzer. Biotope, Habitat-Baumgruppe, Fauna-Flora-Habitat-Gebiete – all das müsse unbedingt weiter geschützt werden. Ein interessantes und legales Wegenetz im Gebiet der kommunalen Wälder könnte elegant um sie herumführen, Konflikte zwischen den Waldnutzern entschärfen und für Sicherheit sorgen.

Zum einen könnten Mountainbiker und Wanderer mit Rücksicht und Verständnis füreinander weniger frequentierte Wege gemeinsam nutzen. Zum anderen könnten an Gefahren- und Engstellen Ausweichtrails geschaffen werden, die die schwächeren Fußgänger schützen und gleichzeitig für die sportlichen Biker attraktive und dennoch sichere Herausforderungen darstellen. In dem Prozess müsse dann aber auch noch zusammen mit den Radfahrverbänden geklärt werden, wer für die Finanzierung und Instandhaltung der gewünschten Strecken zuständig sein soll, erinnert Häußermann.

Mitten in einer rasanten Bergab-Fahrt ist ein 41-jähriger Mountainbike-Fahrer am Dienstagnachmittag im Wald zwischen Buoch und Berglen-Reichenbach in einem Drahtzaun hängen geblieben und gestürzt.  Der Radfahrer schlug dabei mit dem Kopf auf und verletzte sich. Der zweckentfremdete Wildzaun war kurz vor der Einmündung des Trails auf einem Waldweg positioniert. Polizei, Betroffener und Vertreter des Forstamtes gehen davon aus, dass es sich um eine eigens zu diesem Zweck aufgebaute

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