Remshalden

Neue Firmen im Baka-Areal in Remshalden: Spedition, Wohnmobile und Messebau

ReyserLKW
Ralf Reyser (Mitte) mit seinen beiden Mitarbeitern, die in der ehemaligen Baka-Halle Lkw warten und reparieren. © Gaby Schneider

Immer noch steht der Name Baka groß auf den Gebäuden in Geradstetten. Doch nur in einem kleinen Teil davon ist ein letzter Rest des Herstellers von Staplern und Hubwagen übrig geblieben, der vom Münsinger Unternehmen Genkinger übernommen wurde. Verschiedene Firmen sind in das Areal zwischen Rathausstraße und Am Kelterwiesenbach eingezogen. Für manche Räume sucht der neue Besitzer Ralf Reyser noch Mieter.

Der Grunbacher hat das ehemalige Baka-Areal gekauft und nutzt seit dem 1. Januar für seine Spedition den östlichen Teil selbst als Werkstatt. Baka existiert schon eine Weile nur noch als Name unter dem Dach der Firma Genkinger, die das Geradstettener Traditionsunternehmen 2018 übernommen hatte. Bis Ende 2021 nutzte Genkinger den Standort in Geradstetten als Lager. Jetzt sind dort laut Geschäftsführer Richard Ludwig nur zwei Servicemitarbeiter in einem kleinen von Reyser angemieteten Büro beschäftigt.

Display Müller und Rocket Camper sind mit eingezogen

Außer Ralf Reysers Transport- und Logistikunternehmen beherbergt das ehemalige Baka-Areal nun eine ganze Reihe weiterer Firmen. Der Geradstettener Messebauer und Werbetechniker Display Müller hat ein Außenlager dort eingerichtet.

Auch die Firma Rocket Camper, eigentlich ansässig am Oberen Wasen in Geradstetten, nutzt 1200 Quadratmeter des Areals. Das 2017 von Fahrzeugbauingenieur Sven Dluzak gegründete Unternehmen hat inzwischen 15 Mitarbeiter. Die Schwerpunkte sind der Handel mit neuen Wohnmobilen und Campervans, die Wartung und Reparatur der Fahrzeuge sowie der Einbau von Zubehör. Ein weiteres Standbein ist die Vermietung von Reisemobilen.

30 Mitarbeiter bei Rocket Camper im Baka-Areal

Weil die Räumlichkeiten im Oberen Wasen zu klein geworden waren, suchte Swen Dluzak Erweiterungsmöglichkeiten. Im ehemaligen Baka-Areal soll das neue Entwicklungs- und Umbauzentrum der Rocket Camper GmbH entstehen. Dazu wird der Werkstattbetrieb in die neuen Räumlichkeiten verlagert. Neben Reparatur- und Wartungsarbeiten werden hier zukünftig Prototypen gebaut und Fertigungskonzepte entwickelt und erprobt. Mittelfristig sollen in den neuen Räumlichkeiten bis zu 30 Mitarbeiter arbeiten.

Für die Kunden bleibt der Obere Wasen 19 weiterhin die erste Adresse. Hier soll in Zukunft der Präsentation der Fahrzeuge und des entsprechenden Zubehörs wieder mehr Raum gegeben werden.

Außerdem ist die Firma Meller Service mit einem Verleih von Anhängern und Hebebühnen neu im Baka-Areal. Ralf Reyser steht darüber hinaus noch in Verhandlungen mit einer Firma, die Tiefkühlprodukte anbietet.

Die Hallen habe er gut vermieten können, sagt der 53-Jährige. Frei seien noch Büros und der Sozialtrakt mit Speisesaal. Sollte er die nicht vermietet bekommen, werde er diesen Teil des Gebäudes vielleicht noch als Lager umbauen.

Ralf Reyser: Sein Großvater startete mit dem Transport von Kriegstrümmern

Der Firmensitz von Reyser Transport und Logistik befindet sich eigentlich in der Stuttgarter Straße in Grunbach. Dort hat Ralf Reysers Großvater mütterlicherseits, Erwin Burkartsmaier, nach dem Krieg mit dem Transportgewerbe begonnen. Er habe mit Kippern angefangen, als in Stuttgart die Trümmer der Bombardierungen aufgeräumt worden seien, erzählt der Enkel. „Die haben dort Schutt weggefahren. Dann hat es sich entwickelt mit weiteren Lkw.“

Ralf Reysers Vater stammt aus Kleinheppach und hatte ebenfalls eine Spedition. Er selbst hat sein Transport- und Logistik-Unternehmen 1995 gegründet und beschäftigt jetzt knapp 30 Mitarbeiter. 24 Sattelzüge plus Anhänger sind für die Firma unterwegs „Wir fahren nur noch um Stuttgart rum“, sagt er. „Weiter lohnt es sich nicht mehr.“ Das könnten Unternehmen aus Osteuropa günstiger anbieten. „Wir machen vor allem Überseecontainer. Viel im Automotive-Bereich, viel für Daimler und Porsche.“ Auch der Grunbacher Wellpappenhersteller Klingele ist ein Kunde.

"Anwohner froh, dass ich weg bin"

Reysers Lastzüge stehen meist bei den Kunden, deswegen sieht man von ihnen in Remshalden gar nicht so viel. Vor allem zur Wartung und Reparatur kommen sie nun in das ehemalige Baka-Gebäude in Geradstetten.

In der Stuttgarter Straße in Grunbach ist um die Niederlassung von Reysers Großvater herum ein Wohngebiet entstanden – keine idealen Bedingungen für ein Transportunternehmen mit großen Lkw. „Da sind alle Anwohner natürlich froh, dass ich jetzt weg bin“, sagt Ralf Reyser. Es gebe aber keinen Grund für die Nachbarn am neuen Standort in Geradstetten, Angst zu bekommen. Nur zwei- bis dreimal am Tag komme ein Lastwagen dorthin. „Das wird gar nicht so viel frequentiert sein. Wir machen auch nichts im Freien.“

Der Baka-Schriftzug auf dem Bürotrakt des Areals wird wohl bleiben, Ralf Reyser hat vor, ihn dort zu belassen. Gewissermaßen ehrt er damit die Tradition des Unternehmens in Geradstetten. Ober er seinen eigenen Firmennamen mit einem großen Schild aufs Gebäude setze, das wisse er noch nicht, meint er.

Der Erfolg von Baka ist eng mit Wilhelm Enßle verbunden

Baka hatte seit 1930 in Geradstetten seinen Firmensitz. In der Folge machte dort Wilhelm Enßle den Betrieb groß. Dessen Name ist im Remstal heute noch ein Begriff, in Remshalden sind die größte Sport- und Veranstaltungshalle der Gemeinde und eine Straße nach ihm benannt.

Baka – der Name des Herstellers von Hubwagen und Staplern deutet noch auf die Wurzeln hin: Bader Karren. Gegründet in Stetten in der ehemaligen Dorfschmiede, übernahm nach dem Weltkrieg die Stettener Familie Enßle den Betrieb.

Standort Remshalden nicht mehr wirtschaftlich

2018 kaufte Genkinger nach anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten Baka und führte den Betrieb unter dem Namen Genkinger Baka Material Handling weiter. „Die Auftragsbücher in der Branche waren damals voll“, sagte Geschäftsführer Richard Ludwig unserer Zeitung dazu später. Durch die Umbrüche in der Automobilbranche und die Auswirkungen der Corona-Krise sei die Situation eine andere geworden. Leider könne man den Standort in Remshalden nicht mehr wirtschaftlich betreiben.

Baka war schon länger vor der Übernahme durch Genkinger in Schwierigkeiten. Anfang der 2000er Jahre geriet der Betrieb wegen rückläufiger Umsätze in die Krise. Es gab einen Personalabbau und 2005 Schlagzeilen wegen Gerichtsstreitigkeiten um Arbeitszeit und Urlaubsgeld.

Von den zuletzt noch rund 40 Baka-Mitarbeitern seien einige an den Genkinger-Hauptsitz in Münsingen auf der Schwäbischen Alb gewechselt, sagte Geschäftsführer Richard Ludwig unserer Zeitung im vergangenen Jahr. Im Außendienst hätten die Kunden die gleichen Ansprechpartner wie bisher. „Wir sind auf das Know-how der Leute angewiesen“, sagt Ludwig. „Die Kunden sollen keine Nachteile haben.“

Immer noch steht der Name Baka groß auf den Gebäuden in Geradstetten. Doch nur in einem kleinen Teil davon ist ein letzter Rest des Herstellers von Staplern und Hubwagen übrig geblieben, der vom Münsinger Unternehmen Genkinger übernommen wurde. Verschiedene Firmen sind in das Areal zwischen Rathausstraße und Am Kelterwiesenbach eingezogen. Für manche Räume sucht der neue Besitzer Ralf Reyser noch Mieter.

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Der Grunbacher hat das ehemalige Baka-Areal gekauft und nutzt seit dem

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