Remshalden

Ohne Festle und Hocketsen bleiben die Vereinskassen leer

Remshaldener Straßenfest
Viele träumen davon, wieder mit Freunden den Sommer feiern zu können. Derweil fehlen den Vereinen die Einnahmen. © ALEXANDRA PALMIZI

Eigentlich wär’s jetzt wieder so weit, die Festles-Saison wäre in voller Fahrt, würde ihrem Höhepunkt zusteuern: Hocketse, Jahreskonzerte, Straßenfest, weinselige Abende im Wengert und Co. Stattdessen aber sind die Vereine noch in Habachtstellung. Immerhin – keiner weiß so recht, wo’s mit der Pandemie hingeht. Und so hat das Partnerschaftskomitee die Feier zum 30. Jubiläum der Freundschaft mit Gournay en Bray in Frankreich bereits zum zweiten Mal verschoben.

Im Oktober 2022 soll’s nun so weit sein. „Wir brauchen jetzt aber auch tatsächlich den Vorlauf, um alles zu planen“, erklärt die Vorsitzende der Komitees, Dagmar Korn. Außerdem ist es den Verantwortlichen wichtig, die Feierlichkeiten in einem sicheren Rahmen stattfinden zu lassen. „Es kommen ja auch viele ältere Leute mit, die die Partnerschaft über Jahre geprägt haben.“ Und auch das Straßenfest fällt in diesem Jahr wieder aus. Das heißt für den Partnerschaftsverein: kein Langoschverkauf, keine französischen Spezialitäten und auch keine Öffentlichkeitsarbeit.

Partnerschaftskontakt über die sozialen Medien schwierig

Denn, so berichtet’s Dagmar Korn, es habe dem Verein stets gutgetan, sich auf dem Fest den Remshaldenern präsentieren zu können, um die europäische Idee weitertragen zu können. Überhaupt, die Freundschaften mit Gournay en Bray (Frankreich), Etyek (Ungarn) und Elterlein (Erzgebirge) in einer Pandemie aufrechtzuerhalten, sei schwierig. Per Videoanrufe, E-Mails und Handy-Chats würde man sein Bestes versuchen.

Dem Musikverein fehlen die Einnahmen

Sogar eine Schulung habe man besucht, um zu lernen, wie man über die sozialen Medien miteinander in Verbindung bleiben kann. Aber klar bleibt: Der persönliche Austausch fehlt, und auf ihn fiebern alle wieder hin. Bis dahin befindet sich auch das Partnerschaftskomitee in einer Art Pandemie-Schlaf. „Immerhin haben wir keine laufenden Kosten, die wir ohne Einnahmen überbrücken müssen. Wenn wir nichts unternehmen, brauchen wir auch kein Geld“, schlussfolgert Dagmar Korn.

Ganz anders sieht das beim Musikverein Remshalden aus. Große Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf die finanzielle Lage des Vereins: Aufgrund der fehlenden Einnahmen und vieler Fixkosten hat der Musikverein ein Minus von knapp 7000 Euro zu verzeichnen. Viele Angebote an den Schulen, wie die Bläserklasse, können derzeit nicht stattfinden. Und die Sorge um den fehlenden Nachwuchs wird angesichts der pandemiebedingten fehlenden Sichtbarkeit auch nicht kleiner.

SV: Mehr Reinigungskosten, dafür weniger Fixkosten

Und Markus Kilian von der SV Remshalden ist froh, dass man im Flecken nicht allzu viele monatliche Ausgaben zu stemmen hat. „Wir sind weitestgehend ehrenamtlich unterwegs und haben keine hohen Fixkosten mit hauptamtlichen Mitarbeitern.“ Als in der Geschäftsstelle gar kein Betrieb stattfand, konnte die Flaute mit Überstundenabbau überbrückt werden.

Der spätere Mehraufwand durch einen höhren Organisationsbedarf aufgrund der Pandemiebestimmungen konnte auf ähnliches Weise abgefangen werden. Zusätzliche Kosten seien zwar auf der einen Seite durch den neuen Bedarf an Reinigungskosten entstanden, dafür seien aber andere Ausgeben weggefallen, so zum Beispiel die Kosten für die Schiedsrichter im Liga-Betrieb.

Mitglieder verhalten sich solidarisch

Die rund 2300 Mitglieder verhielten sich in der Krise sehr solidarisch. Austritte habe es nur im üblichen Rahmen gegeben. „Ein gewisser Schwund übers Jahr ist normal“, erklärt er. Normalerweise aber würde dieser durch die Gewinnung neuer Mitglieder kompensiert werden. Das fehle in diesen Jahren naturgemäß, wo keine neuen Sportkurse starten können, keine neue Generation junger Sportler mit den „Eltern-Kinder-Turnstunden“ in den Verein hineinschwappt. Allerdings habe man auch bei der SV Remshalden die Angebote von Gesundheitskursen verbreitert.

Diese Kurse werden bei der Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung von den Krankenkassen bezuschusst und durften außerdem unter der Einhaltung bestimmter Vorgaben auch in der Hochphase der Pandemie stattfinden. Gelegenheiten wie das Straßenfest bräuchte der Verein üblicherweise, um Geld einzunehmen, aber auch um in der Kommune präsent zu sein. Wenn die Pandemie es zulässt, will der Verein im kommenden Jahr sein 125-jähriges Bestehen mit einem viertägigen Fest rund um Christi Himmelfahrt feiern.

Hoffnungen aufs kommende Jahr

Ob im kommenden Jahr nun endlich alles besser wird? Derzeit jedenfalls hofft zumindest die Gemeinde Remshalden, dass 2022 wieder sämtliche Feierlichkeiten stattfinden oder nachgeholt werden können, erklärt Bürgermeister Reinhard Molt: das Sportvereinigungs-Jubiläum, das Feuerwehrfest, das Straßenfest. Letzteres soll wieder im Bürgerpark stattfinden. Mit diesem Standort hatte man in 2019 die beste Erfahrung gemacht. Das Sicherheitskonzept ist inzwischen außerdem perfekt ausgetüftelt. Für jedweden Problemfall wurden Handlungsanweisungen ausgetüftelt von der illegalen Entsorgung von Fett in den Bach über Starkregen bis hin zum Amoklauf. Gemeinsam mit dem Festausschuss, der Feuerwehr, der Polizei und dem Deutschen Roten Kreuz wurde das Sicherheitskonzept erarbeitet.

Eigentlich wär’s jetzt wieder so weit, die Festles-Saison wäre in voller Fahrt, würde ihrem Höhepunkt zusteuern: Hocketse, Jahreskonzerte, Straßenfest, weinselige Abende im Wengert und Co. Stattdessen aber sind die Vereine noch in Habachtstellung. Immerhin – keiner weiß so recht, wo’s mit der Pandemie hingeht. Und so hat das Partnerschaftskomitee die Feier zum 30. Jubiläum der Freundschaft mit Gournay en Bray in Frankreich bereits zum zweiten Mal verschoben.

Im Oktober 2022 soll’s nun

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