Remshalden

Pauls-Eys-Sneaker, Schuh Sommer und Modehaus Raithle: Wie teuer werden Schuhe und Co?

SchuhSommer
Die Herbst-/Wintersaison hat begonnen. Worauf sich Kunden nun einstellen müssen. © Gaby Schneider

Wer aktuell die Löcher in seiner Herbstgarderobe stopft, schaut häufig zweimal aufs Etikett. Merklich schrauben sich an allen möglichen Enden die Preise nach oben. Nicht unbedingt in Riesenschritten, aber doch merklich. Nun eben auch bei Schuhen, Kleidung und Co.

Karol Brojacz vom Schuhhaus Sommer in Winterbach kann das nur bestätigen. Er kennt den Markt und weiß: Was derzeit aus China geliefert wird, wird jetzt teurer. Und: Manche Ware komme überhaupt erst mit reichlich Verspätung an. Froh sein könne jeder Händler, der sich auf europäische Ware verlasse.

China-Ware wird teurer

Schwierig sehe es für größere Importeure aus, für große Firmen, die asiatische Massenware verkauften. Die Preise der Schuhe, die Brojacz in seinem Laden verkauft, seien derzeit nur moderat gestiegen. Viele seiner Hersteller produzierten in Europa, vornehmlich in Portugal. Fürs kommende Jahr könnten aber durchaus weitere Steigerungen möglich sein, nimmt er an.

Gespannt warte er außerdem wie andere Einzelhändler darauf, wie sich die Sorge um die hohen Energiepreise aufs Einkaufsverhalten der Kundschaft niederschlagen wird. Und das, nachdem die Pandemie die Einzelhändler schon in den vergangenen Jahren gebeutelt hatte. „Jetzt mit dem Krieg ist wieder alles neu aufgewirbelt. Keiner weiß, wie es weitergeht.“

Remshaldens Sneakerfirma: So sieht’s in der portugiesischen Fabrik aus

Timo Reyser, der von Remshalden aus Trend-Sneaker in Portugal herstellen lässt, kennt die Probleme der Branche. „Teuer sind häufig die Vormaterialien“, erklärt er. „Oft wird Material teurer, weil Rohstoffe auch von anderen Branchen mehr nachgefragt werden.“

Für seine Turnschuhe braucht er zum Beispiel extra leichte Sohlen. „Die werden aus Kunststoff gefertigt, das aus China kommt, und dessen Preise gehen grade durch die Decke.“ So seien allein die Sohlen seit vergangenem November um 30 Prozent teurer geworden.

Kunden werden hohe Materialkosten auch spüren

Zwar macht die Sohle beim Gesamtpreis des Schuhs nur etwa zehn Prozent aus. Aber auch das Leder ist erheblich teurer geworden. Reyser geht davon aus, dass die Schuhe, die er künftig produzieren lässt, teurer werden müssen. Allerdings ist ihm genauso klar, dass er nicht alle Preissteigerungen an seine Kunden weitergeben kann.

Obwohl auch sie künftig mehr zahlen müssen, wird wohl auch er weniger an den Schuhen verdienen können. Die Preisanpassungen will er aber erst vornehmen, wenn auch er selbst mehr für die Herstellung zahlen muss. Ende des Jahres ist es so weit, dann kommt die neue Kollektion heraus.

Portugiesischer Werksleiter berichtet

Dass diese Preissteigerungen kommen müssen, ist beinahe unausweichlich, schätzt er. Und sein Geschäftspartner Rui Oliveira, der das Werk in Portugal leitet, kann das nur bestätigen. Die aktuellen Preissteigerungen seien aber nicht nur den jüngsten Ereignissen geschuldet, sie seien die Folgen einer langen Entwicklung.

Grundsätzlich, so erklärt er es, standen gerade kleine Betriebe, die als kleines Glied in der Herstellungskette für das Zuschneiden und Nähen von Produktteilen zuständig waren, zuletzt in Konkurrenz zu größeren Firmen, die noch billiger produzieren konnten und auf diese Weise mit den Preisen aus Fernost konkurrieren konnten. So entgingen ihnen etliche Aufträge. Viele gingen dabei in die Knie. Andere begannen immerhin zu wackeln.

Großes Problem: Die Abhängigkeit von chinesischen Ausgangsmaterialien

Dann kam die Pandemie. Und mit ihr kam die Abriegelung Chinas. Damit waren mit einem Mal wichtige Ausgangsmaterialien nicht mehr oder nur teuer erhältlich, von denen man über die Jahre hinweg wegen des Preisdrucks abhängig geworden war. „Zudem ist der Transport ein Albtraum“, berichtet Oliveira. Fünfmal so viel wie früher kosteten die Mieten der Frachtcontainer. Das Ergebnis: „Eine große Menge von Firmen musste schließen.“

Nun, so schlussfolgert es der Portugiese, ergab sich daraus das nächste Problem: Nach dem ersten pandemischen Schreck öffnete alles wieder, es kamen wieder Bestellungen bei den Firmen an, die nun sogar zum Teil ihre Produktionen aus Fernost nach Europa verlagert hatten. „Aber jetzt gibt es ein neues Problem: Wir haben zu wenig Fabriken, um genug zu produzieren“, erklärt er.

Gewinnspanne wird kleiner

Schließlich habe man jene Werke, die man jetzt dringend brauche, zuvor klein gemacht. Die Folge: Das Endprodukt, also jeder einzelne Schuh, wird für die Kunden teurer, gleichzeitig sinkt die Gewinnspanne für die beauftragenden Firmen.

Und als wäre das nicht genug, kam nun noch der Ukraine-Krieg hinzu. Die Energiekosten steigen und schrauben die Preise weiterhin in die Höhe. Zudem haben viele Arbeiter die Schuhindustrie verlassen, sie hatten während der Corona-Lockdowns in anderen Bereichen Zuflucht gesucht und wollten nun nicht mehr zurückkehren. Während nun die Nachfrage nach Schuhproduzenten in Portugal immer größer werde, gebe es inzwischen viel zu wenige Hersteller.

Auch schuld: Gier der Menschen

„Das bedeutet, dass die Fabriken sich ihre Kunden quasi aussuchen können und Geld mit ihrer Arbeit generieren können“, berichtet Oliveira. Das sei grundsätzlich eine positive Entwicklung für die verbliebenen Firmen, findet er. Endlich könne man wieder Geld mit seiner Arbeit verdienen. Allerdings: Stiegen die Preise für die Endkunden um 20 Prozent, verdienten die Hersteller gerade mal rund fünf Prozent mehr.

Schließlich steigen auch die Produktionskosten: Leder wird teurer, das Futter, das zu einem Großteil aus China kommt, sowie Verstärkungen. Gleiches gilt für das Rohmaterial für die extra leichten Sohlen. Dazu kommen gestiegene Energiekosten und Gehälter, der nun teure Transport und nicht zuletzt die Inflation. Und natürlich sei da noch etwas Wesentliches, das die Kosten nach oben treibe: die Gier der Menschen.

Vorteil: Produktionsstätten in Europa

Immerhin könne sich seine Firma glücklich schätzen, dass die Produktion der Schuhe - auch der Paul-Eys-Schuhe - zu hundert Prozent in Europa vonstattengehe. So halte sich die Preissteigerung für die Kunden noch immer in Grenzen.

Hans-Jürgen Raithle vom Modehaus Raithle in Winterbach kennt die Probleme. Zwar verkauft er in seinen Häusern vor allen Dingen Bekleidung, Damenschuhe und Sneaker (teils auch solche, die in Fernost produziert werden) hat er aber ebenfalls im Programm. „Das Problem ist weniger die Preissteigerung als die Lieferverzögerung“, berichtet er am Telefon. „Die unterbrochenen Wertschöpfungsketten, die Maßnahmen der vergangenen Jahre, jetzt der Krieg - das alles hat Spuren hinterlassen.“

Hans-Jürgen Raithle beobachtet den Markt gespannt

Manche Bekleidung habe er im März bestellt, diese Hemden und Anzüge seien bis heute nicht da. Früher sei’s üblich gewesen, dass ein verkaufter und dann nachbestellter Anzug vier, fünf Tage später wieder auf der Stange hing. Von solchen Geschwindigkeiten könne man heute nur träumen.

Immerhin: Einen klassischen blauen Anzug könne er auch noch kommendes Jahr verkaufen, das ist kein hochmodisches Produkt. „Bei Modeprodukten muss man sich mit dem Lieferanten einigen“, findet er. Schließlich stünden alle nach zwei Jahren Corona und angesichts des Ukraine-Krieges und der resultierenden Energiekrise mit dem Rücken zur Wand.

Kunde stimmt mit den Füßen ab

Die Preissteigerungen, so schätzt er, fielen auch deshalb nicht so hoch aus wie in den Preisempfehlungen vorgeschlagen und von Branchenbeobachtern erwartet, weil klar ist, dass der Kunde am Ende mit Füßen abstimme. Spannend werde es dann vor allen Dingen im Januar und Februar des kommenden Jahres. Dann nämlich kommen traditionell die großen Abrechnungen bei den Verbrauchern an - und mit ihnen eine Konsumflaute bei den Einzelhändlern.

Wer aktuell die Löcher in seiner Herbstgarderobe stopft, schaut häufig zweimal aufs Etikett. Merklich schrauben sich an allen möglichen Enden die Preise nach oben. Nicht unbedingt in Riesenschritten, aber doch merklich. Nun eben auch bei Schuhen, Kleidung und Co.

Karol Brojacz vom Schuhhaus Sommer in Winterbach kann das nur bestätigen. Er kennt den Markt und weiß: Was derzeit aus China geliefert wird, wird jetzt teurer. Und: Manche Ware komme überhaupt erst mit reichlich Verspätung

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