Remshalden

Ralf Rommel und René Trübenbach retten Rehkitze vor dem sicheren Mäh-Tod

Rehkitz Drohne
Ralf Rommel (links) und René Trübenbach mit ihrer Drohne. Die ist tatsächlich nur im Einsatz, wenn beide ehrenamtlich unterwegs sind. © Benjamin Büttner

Wer mit Ralf Rommel und seinem langjährigen Freund René Trübenbach spricht, kann etwas Kostbares gewinnen: das Vertrauen ins Gute im Menschen. Die beiden Mittzwanziger stehen im Frühjahr und anfänglichen Sommer oft schon in aller Herrgottsfrühe – so gegen vier Uhr – auf, um unschuldiges Leben zu retten. Die beiden sind Rehkitzretter und fliegen mit einer Drohne samt Wärmebildkamera die Felder all jener Landwirte ab, die ihnen melden, dass sie am Morgen ernten oder mähen möchten.

Ehrenamtlich machen sie das. Sie verlangen kein Geld. Nur eines wünschen sie sich: Dass mehr und mehr Landwirte sich bei ihnen melden, damit sie die kleinen Bambis vor dem Tod durch die scharfen Klingen bewahren können. Ach - eines möchten sie für ihren Einsatz doch gerne: einen freundlichen Weckanruf zur rechten Zeit.

Duckinstinkt hält das Kitz davon ab, vor dem Mähgerät zu fliehen

Das Problem: In den ersten Wochen lässt die Rehgeiß ihr Kitz im scheinbar schützenden hohen Getreide liegen, um einen plötzlich auftretenden Angreifer vom Kitz wegzulocken. Gleichzeitig ist dem Kleinen ein Duckinstinkt angeboren. Wenn sich Gefahr nähert, duckt es sich feste auf den Boden, statt wegzurennen. Das würde in der Natur an sich gut funktionieren. Wenn die Gefahr aber von einem Mähdrescher herrührt, sieht die Sache anders aus. Dann bedeutet es für das liegen bleibende Kitz den sicheren Tod. Schließlich hat der Fahrer der riesigen Maschine keine Chance, das hilflose Tierchen zu entdecken, um dann rechtzeitig zu bremsen.

Rehkitze zeigen sich als kleiner Punkt auf der Wärmebildkamera

Hier kommen die beiden Remshaldener Freunde ins Spiel: Sie haben eine Drohne, die auch mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist. Fliegen sie in den frühen und damit auch kühlen Morgenstunden die zu mähenden Äcker ab, sind sie in der Lage, Kitze zu erkennen, die unter den langen Halmen der Wiesen und Felder versteckt liegen. Denn während noch die Nachtkühle in den Flächen hängt, geben die Kitze weiterhin Wärme ab und sind so auf dem Display gut als kleiner kontrastfarbener Punkt zu erkennen.

Weil die Umgebungstemperatur aber schnell steigt, sobald die Sonne aufs Feld scheint, bleiben Rommel und Trübenbach nur ein bis zwei Stunden, in denen sie ihre Suche abgeschlossen haben sollten.

Der zuständige Jagdpächter, der bei solchen Aktionen meist mit dabei ist, wird dann zu der Stelle gelotst, an der das Kitz vermutet wird. „Wir haben schon rund 25 gefunden, sogar schon mehrere in einem Feld“, berichtet Ralf Rommel. Der Pächter schließlich wird das Kitz dann vorsichtig hochnehmen - mit einem alten Stück Tuch, das schon lange liegt und an dem keine menschlichen Gerüche mehr haften. Das ist wichtig, sonst bestünde die Gefahr, dass die Rehmutter das Kleine nicht mehr annimmt.

So vorsichtig wird es also an den Waldrand transportiert und sanft abgesetzt. Oft riefen Kitz und Mutter einander schon zu diesem Zeitpunkt. Rommel hat solche Rufe auf seinem Handy aufgenommen - und es ist geradezu rührend, sie zu hören. Mit welcher Dringlichkeit und inneren Not die beiden einander suchen. Das sei schon ein unbeschreibliches Erlebnis, wenn man mitbekomme, wie die beiden sich nach der erfolgreichen Rettung wiederfinden, erklärt Rommel.

Landwirte: Vor dem Mähen Wiese nach Kitzen absuchen

Warum die beiden jungen Männer das alles machen? „Mir geht es einfach um den Wildtierschutz“ erklärt Ralf Rommel. Er hat vor einigen Jahren begonnen, seinen Jagdschein zu machen. Dabei wurde ihm klar, wie viele der Kitze im Frühling zwischen die Messer und Klingen großer Erntemaschinen geraten. Jeder Landwirt ist im Grunde in der Pflicht, es zu melden, wenn er mähen wird. Ist keine Drohne zur Hand, muss daraufhin der Jagdpächter mit einer Gruppe Menschen das zu mähende Feld durchstreifen. Allerdings - so zuverlässig wie eine Wärmebildkamera sind die menschlichen Augen nicht. So manches Kitz wurde schon übersehen. Nach einem Drohnenflug ist das anders: „Wenn wir sagen, da ist nix drin, ist da auch nix drin.“

Und das ist wichtig für jeden Landwirt. Schließlich ist er tierschutzrechtlich dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass kein Tier zu Schaden kommt. Erwischt er ein Kitz, ist er außerdem dazu verpflichtet, das zu melden.

So mancher, erzählt Ralf Rommel, wundere sich, dass er als Jagdschein-Inhaber Rehkitze rette. „Erst rettest du sie und hinterher schießt du sie“, werde ihm vorgeworfen. „Aber ganz ehrlich, ich schieße ungern Rehe.“ Natürlich tut er’s aber, wo es aus der Sicht eines Jagdpächters nötig ist. Aber der grausame Tod unter dem Mähdrescher, das sei wirklich kein Vergleich. „Das will man den Tieren wirklich ersparen.“

Das zu verhindern, sei ihr Dienst an der Natur. Schließlich kappten die großen Maschinen die Gliedmaßen der Kleinen, die dann meist qualvoll verenden müssen. „Als Jäger hat man sein Handwerk gelernt, so dass kein Tier dabei leiden muss.“

Ralf Rommel weiß, dass es viel Bedarf unter den Landwirten gibt, und hofft, dass im kommenden Jahr noch viele mehr ihr Ehrenamt annehmen. Aber die jungen Männer können mit ihrer Drohne noch mehr helfen: Zwar ist die Saison für die Rehkitzrettung jetzt vorbei. Aber sie können auch bei der Schätzung von Wildtierschäden im Mais helfen.

Positiver Nebeneffekt: Wenn Wildschweine im Feld sicher ausgemacht werden können, können sie auch vertrieben werden. Wer also Hilfe von Ralf Rommel, René Trübenbach und ihrer Drohne brauchen kann, meldet sich einfach bei der Rehkitzrettung Remshalden unter Tel. 01 73/5 90 84 19 oder Tel. 01 76/31 51 50 31.

Wer mit Ralf Rommel und seinem langjährigen Freund René Trübenbach spricht, kann etwas Kostbares gewinnen: das Vertrauen ins Gute im Menschen. Die beiden Mittzwanziger stehen im Frühjahr und anfänglichen Sommer oft schon in aller Herrgottsfrühe – so gegen vier Uhr – auf, um unschuldiges Leben zu retten. Die beiden sind Rehkitzretter und fliegen mit einer Drohne samt Wärmebildkamera die Felder all jener Landwirte ab, die ihnen melden, dass sie am Morgen ernten oder mähen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper