Remshalden

Rat von Schulleiterin aus Remshalden: Was tun gegen Schul-Frust bei Kindern?

Schulfrust
Schule kann richtig Spaß machen, aber auch richtig stressen. © Pixabay/jarmoluk

Eben noch begeistert die Schultüte ausgepackt, schon auf dem harten Boden der Realität gelandet. Ab jetzt heißt es: Früh aufstehen! Aufpassen! Hausaufgaben machen! Das ist ein strammes Programm. Und so manches Kind verweigert sich irgendwann. Will nicht mehr zur Schule, hat keine Lust auf Hausaufgaben. Weil das Buchstabenmalen, mühsamer ist als gedacht, weil es nicht so einfach ist, sich in der Klasse zu behaupten. Gründe gibt es viele. Und mit einem Mal wird die Schule, auf die sich viele gefreut haben, zum Frustbringer.

Frage: Was ist die Ursache für die Schulverweigerung

Dann beginnen die Wochentage im Chaos. Streit ist vorprogrammiert. Denn klar ist: Kinder müssen in die Schule, Eltern sind dafür verantwortlich, dass ihre Sprösslinge auch dort ankommen. Was tun, wenn sich die Kleinen verweigern? Dauerhaft zu streiten, ist auch keine Lösung. Katrin Ellwanger, Leiterin der Grundschule Geradstetten, hat schon viele solcher Situationen begleitet.

„Da muss man zunächst einmal gucken, woran es liegt, dass ein Schüler oder eine Schülerin nicht mitzieht.“ Schließlich gibt es auch Kinder, die einfach nicht anders können. Solche, die Lernschwierigkeiten, die eine Lese-Rechtschreib-Schwäche haben oder unter Dyskalkulie leiden. Andere haben mit AD(H)S oder ähnlich gelagerten Problemen zu kämpfen. „Da muss man dann gezielt helfen.“

Rausfinden, was hinter dem Schulfrust steckt

Oft habe eine Verweigerungshaltung aber auch ganz andere Gründe. „Da muss man herausfinden, was dahintersteckt“, rät die Pädagogin. „Vielleicht ist die Familie in Verhaltensmuster verstrickt, die dafür sorgen, dass das Kind sich verweigert?“ Sie rät Eltern, nicht allzu lange zuzusehen, wenn ihre Kinder nicht mehr kooperieren.

Besser sei es, zeitnah mit den Klassenlehrern oder den Beratungslehrern Kontakt aufzunehmen. Aber auch der Austausch mit anderen nahen Bezugspersonen, den Großeltern etwa, kann helfen: Gibt’s die Probleme in einem anderen Rahmen auch? Und wenn nicht: Was ist hier anders?

Schritt zurücktreten und Verhaltensmuster wahrnehmen

„Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, um zu durchschauen, welches Bedürfnis hinter den Verhaltensmustern des Kindes steckt“, erklärt die Pädagogin. Was ihr aber wichtig ist: „Nicht jedes Bedürfnis, das zu einer bestimmten Verhaltensweise führt, muss auch umgehend gestillt werden."

Wer ausschließlich bedürfnisorientiert erziehe, versage seinem Kind so manche Entwicklungsmöglichkeit. Sie rate eher dazu, „entwicklungsorientiert“ zu agieren. „Es lohnt sich, dem Kind beizubringen, was nötig ist und was warten kann.“ Schließlich habe niemand etwas davon, wenn das Kind wegen Trödeleien und Verzögerungen in der ersten Klasse zwei Stunden an den Hausaufgaben sitzt. Dagegen hätten alle mehr davon, wenn die Hausaufgaben nach einer halben Stunde erledigt sind. Und dann können auch sämtliche Bedürfnisse ausführlich gestillt werden.

Kernkompetenz: Bedürfnisaufschub

In solchen Fällen sei es für alle lohnend, sich gemeinsam in Sachen „Bedürfnisaufschub“ zu trainieren. Katrin Ellwanger führt ein Beispiel an: Was im Falle der Hausaufgabenverweigerung das dahinterstehende Bedürfnis sein könnte? „Ich schaff es nicht“, „Ich will lieber was anderes machen“ oder „Es ist zu viel“. Kaum sitzt das Kind, muss dann ein Glas Wasser getrunken werden.

Vielleicht drückt anschließend die Blase. Los geht’s zur Toilette. Dann tut sich womöglich, ganz plötzlich, ein riesengroßer Hunger auf, der genau jetzt gestillt werden muss. Und schon ist eine halbe Stunde vergangen, in der das Kind nicht rechnen oder schreiben musste.

"Ich will nicht"-Schwelle überwinden - aber wie?

„Oft kommen Kinder einfach nicht über die „Ich will nicht“-Schwelle hinüber“, erklärt Ellwanger. Das habe nichts mit mangelnder Konzentrationsfähigkeit zu tun. Oftmals fehle Schülern das Zutrauen in die eigene Fähigkeit, einen Berg von Hausaufgaben bewältigen zu können.

Der erste Schritt sei dann, das Kind ernst zu nehmen und ein Gespräch zu führen, in dem die Eltern dem Kind deutlich machen: „Wir haben hier ein Verhaltensmuster, das sich immer wiederholt, und das stresst mich.“ Zudem tut es dem Kind nicht gut. Eltern sollten ihre Kinder dann ermutigen: „Ich trau es dir zu, diese Aufgaben zu lösen. Du kannst das.“

Gemeinsam mit dem Kinder überlegen, wie Verhaltensmuster durchbrochen werden können

Gemeinsam könnte anschließend überlegt werden, wie konkrete Situation besser gelingen. Wenn das Kind, um im Beispiel zu bleiben, den Toilettengang nutzt, um den Startzeitpunkt der Hausaufgaben herauszuzögern, könnte es helfen, eine einfache Regel aufzustellen: Solche Dinge müssen erledigt werden, bevor das Kind sich am Schreibtisch niederlässt. Sobald das Kind sitzt, soll es zunächst zehn Minuten am Stück arbeiten, bevor es wieder aufsteht, um ein vermeintliches Bedürfnis zu stillen. Die Arbeitszeiten könnten dann immer weiter ausgedehnt werden.

„Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Kinder gar keine Lust auf Hausaufgaben hat, aber sie sind eben wichtig“, so Ellwanger. Zum einen zur Wiederholung des Lernstoffes, zum anderen zum Entdecken des Prinzips der Selbstwirksamkeit. „Ich hab’s ganz alleine hinbekommen“, – solche Erfahrungen sollten Kinder machen dürfen. Aber genau dafür sei es wichtig, seine unmittelbaren Bedürfnisse aufschieben zu können und einfach anzufangen, den vermeintlichen Aufgabenberg zu erklimmen.

Wichtig: Dem Kind zuhören und sich selbst reflektieren

Natürlich seien konkrete Situationen in Wirklichkeit nie so einfach zu lösen wie ein Beispiel. Jedes Kind sei schließlich anders, jedem Kind helfe etwas anderes. Die Eltern als Experten für ihre Kinder sollten mutig sein, genau hinsehen und gemeinsam mit ihrem Kind versuchen, ungünstige Verhaltensmuster zu durchbrechen. Und dazu gehöre auch immer ein gerüttelt Maß an Selbstreflexion: Was an unserem Familiensystem begünstigt die schwierige Entwicklung? Gibt’s daheim vielleicht zu viel Druck oder im Gegenteil zu wenig Interesse?

Eben noch begeistert die Schultüte ausgepackt, schon auf dem harten Boden der Realität gelandet. Ab jetzt heißt es: Früh aufstehen! Aufpassen! Hausaufgaben machen! Das ist ein strammes Programm. Und so manches Kind verweigert sich irgendwann. Will nicht mehr zur Schule, hat keine Lust auf Hausaufgaben. Weil das Buchstabenmalen, mühsamer ist als gedacht, weil es nicht so einfach ist, sich in der Klasse zu behaupten. Gründe gibt es viele. Und mit einem Mal wird die Schule, auf die sich viele

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