Remshalden

Remshalden soll bis 2035 klimaneutral werden: Auftrag an die ganze Gemeinde

WaldBuoch
Das Klima schlägt Alarm. Bäume sterben, Wasserpegel schwellen an. Die Gemeinde Remshalden will bis 2035 klimaneutral werden. © Gaby Schneider

Ein hochgestecktes Ziel haben die Remshaldener Gemeinderäte jetzt vorgegeben: Bis 2035 soll Remshalden – und zwar wirklich die ganze Gemeinde – klimaneutral werden. Explizit geht es nicht nur darum, die Einrichtungen der Verwaltung klimaneutral aufzustellen. Es ist eben auch erklärtes Vorhaben, Privatpersonen und Gewerbetreibende gleichermaßen ins Boot zu holen, um am Ende den Remshaldener Teil zum Erreichen der Klimaziele beitragen zu können.

Damit haben die Gemeinderäte – mit zwei Enthaltungen – dem Antrag der Initiative „Zusammen Zukunft Gestalten“ (ZZG) zugestimmt, die sich nach dem Vorbild anderer Klimabündnisse seit vergangenem Jahr für mehr Umweltbewusstsein in der Gemeinde einsetzt. Teo Albert unterstrich als Sprecher der Initiative in der jüngsten Gemeinderatssitzung außerdem die Notwendigkeit, einen Aktionsplan zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2035 zu erarbeiten.

Bürgerinitiative: Daten erheben, Maßnahmen prüfen

Was dabei zentral sei: Daten erheben, um den Status quo in der Gemeinde, aber auch die Effizienz von Maßnahmen zu bewerten; und Mittel, um Maßnahmen durchzuführen sowie ein Engagement für die Akzeptanz von Ideen auch außerhalb der Wirkungsmöglichkeit der Verwaltung. Als ersten Schritt empfahl Albert ein Gutachten der Energie-Agentur des Rems-Murr-Kreises. Das sonst 8000 Euro teure Gutachten sei mit Fördermitteln schon für 2000 Euro zu bekommen.

Bürgermeister Molt machte deutlich, dass die Initiative mit ihrem Anliegen bei der Verwaltung und einem Großteil des Gremiums offene Türen einrenne, auch mit dem Zeithorizont bis 2035. Er sei sich sicher, dass sich rechtzeitiger Klimaschutz auch finanziell rechnen werde, immerhin werde die Klimaveränderung die Weltwirtschaft am Ende wohl Einiges kosten.

Interkommunale Klimaschutzmanager, Enegiekonzept

Deshalb habe man sich als Gemeinde auch schon in diese Richtung auf den Weg gemacht: mit dem interkommunalen Klimaschutzmanagement, dem integrierten Gemeindeentwicklungskonzept, der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes und dem Energiekonzept der Kindertagesstätten. Hilfreich auch: die klimaneutrale Planung des Quartiers Grunbacher Höhe durch die Wettbewerbssieger.

Gemeinderat Dr. Uli Hasert (BWV) lenkte die Aufmerksamkeit des Gremiums auf die Frage, wen der Beschluss denn genau betreffe. Immerhin habe die Gemeinde nur auf zwei bis drei Prozent der Fläche Remshaldens direkten Einfluss. Privathaushalte und Industrie, belegten den großen Rest.

Hinzu kommt der CO2-Verbrauch durch Mobilitätsnutzung. Allein Privathaushalte produzierten allein durch ihren Gasverbrauch ein Drittel der örtlichen CO2-Emissionen. Weshalb man ihnen beispielsweise die Möglichkeit geben müsse, sich an etwaige neue Nahwärmenetze anzuschließen.

Bevölkerung motivieren

Bürgermeister Molt bestätigte, dass die Beschlussfassung Klimaziele für die gesamte Gemeinde beinhalte, nicht nur für die Verwaltung von Remshalden. Das wiederum wurde vom Gremium mehrheitlich wohlwollend aufgenommen. Klar ist aber auch: Konkrete Maßnahmen kann die Gemeinde nur für ihre eigenen Liegenschaften festlegen.

Neubaugebiete können mit entsprechenden Auflagen versehen werden. Die Bevölkerung und auch Betriebe können aber lediglich motiviert werden, eigene Maßnahmen umzusetzen. Rechtliche Handhabe hat hier nur der Bund, der aber auch schon damit begonnen hat.

Bernd-Günter Barwitzki (FDP/FW) fand: „Wir brauchen schnell konkrete Maßnahmen.“ Dabei müsse man die Bevölkerung mitnehmen und technologieoffen sowie in Abhängigkeit mit den sozialen Belangen der Menschen agieren.

Förderprogramme für Hausbesitzer?

Auch Peter Schmelzer (SPD) mahnte bei der Erreichung der zweifelsohne notwendigen Ziele, die Bürger einzubeziehen. Sie müssten beispielsweise bei der Beantragung von Förderprogrammen unterstützt werden.

Gemeinderätin Ursula Zeeb (ALi) zeigte sich beeindruckt von der Präzision, mit der die Initiative ihre Ziele vorgestellt hatte und äußerte ihre Sorge darüber, ob es wirklich gelingen könne, bis 2035 klimaneutral zu werden, schließlich habe man in der Gemeinde einen „riesen Nachholbedarf“.

Sie appellierte an die Räte, den absoluten Willen zu entwickeln, „alles, was wir in Zukunft tun, unter die Prämisse der Klimaneutralität“ zu stellen. Viele Bürger seien im Übrigen dahingehend schon weiter als die Kommune. Weiter erwarte sie, dass die Verwaltung dem Gremium ab sofort regelmäßig berichte, wo man in Sachen Klimaneutralität stehe.

"Keine Zeit verlieren"

Sie wie auch Hasert forderten, dass man mit der Arbeit nicht warten dürfe, bis die Klimamanager eingestellt sind. „Wir müssen endlich vom Reden ins Handeln kommen.“ Hasert dazu: „Wir dürfen keine Zeit verlieren.“ Die Energieagentur Waiblingen könne dabei durchaus unterstützen. Dies anzunehmen sei notwendig, vor allem angesichts all dessen, was 2022 auf der Kommune laste.

So kam es zum Antrag

Die Bürgerinitiative „Zusammen Zukunft Gestalten“ hatte sich die Möglichkeit, einen Antrag in den Gemeinderat zu bringen durch eine Unterschriftenliste erarbeitet. 466 Remshaldener hatten unterschrieben. Notwendig gewesen waren 200

Unterschriften, das entspricht 1,5 Prozent der Antragsberechtigten.

Was in Remshalden bislang schon in Sachen Klimaschutz umgesetzt worden ist?

Die Gründung des Remstalwerks, eine schrittweise Umstellung der kommunalen Fahrzeugflotte auf Elektromobilität, die Energieversorgung mit alternativen Systemen, die Faulgasverwertung und BHKW-Strom auf der Kläranlage, die Nahwärmeversorgung, sogenannte Bürgerdächer, ein innovatives Energiekonzept des Rathauses (Geothermie und Wärmerückgewinnung), Mitglied im Klimabündnis seit 1993, Mitglied bei der Energieagentur Rems-Murr seit 2019.

Ein hochgestecktes Ziel haben die Remshaldener Gemeinderäte jetzt vorgegeben: Bis 2035 soll Remshalden – und zwar wirklich die ganze Gemeinde – klimaneutral werden. Explizit geht es nicht nur darum, die Einrichtungen der Verwaltung klimaneutral aufzustellen. Es ist eben auch erklärtes Vorhaben, Privatpersonen und Gewerbetreibende gleichermaßen ins Boot zu holen, um am Ende den Remshaldener Teil zum Erreichen der Klimaziele beitragen zu können.

Damit haben die Gemeinderäte – mit zwei

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper