Remshalden

Restaurants in Remshalden: So stehen die Neueröffnungen in der Gastroszene da

Hirschstüble
Sabine Bernauer führt mit Markus Knauer das Hirschstüble in Remshalden. Stetig steigen die Einkaufspreise. © Benjamin Büttner

Richtig Mut hatten sie bewiesen und mitten in der Pandemie ihre Lokale eröffnet: Sabine Bernauer und Markus Knauer mit dem Hirschstüble, Vivien und Ozan Capraz mit dem Sushi Palace, Hüseyin Hatay mit dem Barbu Burger House. Wie es ihnen heute geht? Von Überschwang und Höhenflügen ist keine Rede. Denn kaum war die Corona-Krise in den Hintergrund getreten, folgte das nächste Übel – und zwar im Mehrfachpack: Preissteigerungen, Lieferschwierigkeiten, Fachkräftemangel, Energiekostenwahnsinn.

Hirschstüble in Grunbach: Im Sommer 150 Plätze, im Winter knapp 50

Sabine Bernauer erinnert sich an die Anfänge: „Wir sind damals gut gestartet in Grunbach.“ Der Sommer ‘21 lief bestens, auch wenn es noch Corona-Auflagen zu beachten gab. Das Remsdeck wurde bestens angenommen, „das ist natürlich eine echte Bereicherung“. Im Winter sei’s alleine wegen des geringeren Platzangebots etwas mühsamer. Rund 45 statt sommers 150 Plätze haben sie dann bei Normalbelegung zur Verfügung. Unter Einhaltung von Abstandsregeln waren es natürlich noch mal weniger.

Zudem fielen im vergangenen Jahr die sonst gesetzten Weihnachtsfeiern aus, hinzu kam zeitweise Kontrollpflicht der Impfnachweise. Dann aber folgte endlich wieder ein neuer Sommer. „Der war richtig gut, manchmal vielleicht ein bisschen zu heiß.“ Trotz allem waren Sabine Bernauer und Markus Knauer, die das Hirschstüble gemeinsam betreiben, wirklich zufrieden. „Und jetzt kommt die nächste Krise.“

Zutaten werden immer teurer, Bierpreis steigt in einem fort

Das größte Problem sind aktuell die Kosten. Die Einkaufspreise für Lebensmittel und Getränke sind stark gestiegen. Speziell beim Bier habe es im laufenden Jahr bereits drei Preisanpassungen gegeben. „Und zwar in hohen Schritten.“ Inzwischen sei man auch im Hirschstüble nicht umhingekommen, die Preise in der Karte etwas anzuheben, allerdings moderat.

Das Wissen um die fürs Frühjahr angekündigten, zusätzlichen Preissteigerungen erfüllt sie mit Sorge. „Wir müssen abwarten, was unsere Kunden nächstes Jahr noch bereit sind zu zahlen. Das wird das größte Problem sein.“ Wenn sie in ihren Gastraum hineinhört, sind da unterschiedliche Meinungen zu vernehmen. Manche berichteten von Gaspreiserhöhungen von 100 Prozent, bei anderen sei es noch nicht so schlimm.

Konsumverhalten der Gäste hat sich verändert

Spätestens im Januar/Februar erwarteten aber auch sie enorm gestiegene Kosten. Dann zeige sich’s, so schätzt sie, wer das letzte Glied in der Kette ist, das leer ausgeht. Dass Einzelhandel und Gastronomie dafür prädestiniert sind, davon ist sie überzeugt.

Tatsächlich kann sie schon jetzt feststellen, dass sich das Konsumverhalten der Kundschaft verändert hat. „Die Leute kommen zum Essen, aber sie trinken weniger.“ Viele würden nach einem gemeinsamen Essen mit Freunden im Lokal lieber in Privatwohnungen für die nächste Flasche Wein umziehen. Früher hätten solche Gruppen noch ein, zwei Viertele im Gasthaus genossen.

Ob sie zumindest versuchen, die Heizkosten zu drosseln? Das kommt für Knauer und Bernauer nicht infrage: „Ich möchte ja auch nicht wo hingehen und dann mit Jacke essen.“ Ihre Gäste sollen sich wohlfühlen. Immerhin, wenn das Lokal gut besucht ist, „geben die Leut’ auch schon warm“.

Schwieriges Unterfangen: Festes Personal zu finden

Das zweite große Problem, mit dem die Gastroszene landauf, landab zu kämpfen hat, ist der Personalmangel. Schon seit Mai gibt’s daher im Hirschstüble keinen Mittagstisch mehr. Durch das Remsdeck waren auch mittags große Laufwege zu absolvieren. Die Arbeitskräfte fehlten aber.

Bernauer und Knauer haben dann einige Zeit alles alleine gestemmt. „Aber 13 Stunden, sechs Tage die Woche – das machst du eine Zeit lang, dann kannst du das nimmer.“ Und so hat das Hirschstüble nun montags bis samstags ab 16 Uhr geöffnet, sonntags schon ab 11.45 Uhr mit durchgehend warmer Küche. Mittwochs ist Ruhetag.

Mit Spannung erwartet: Strom- und Gasabrechnungen

Inzwischen sind sie mit dem Servicepersonal wieder ganz ordentlich aufgestellt. Doch für die Küche bräuchten Knauer und Bernauer dringend festes Personal. Das allerdings ist nicht allzu leicht zu finden.

Aber wer weiß – so mutmaßt Bernauer –, vielleicht sind in den kommenden Monaten, wenn auch die letzten Strom- und Gasrechnungen in die Häuser geflattert sind, wieder mehr Menschen bereit, sich etwas dazuzuverdienen.

Barbu Burger House: Lange Öffnungszeiten, hohe Produktionskosten

Hüseyin Hatay vom Barbu-Burger-House ist frustriert. Er merkt deutlich, dass die Kunden sparsamer geworden sind. Sieben Tage pro Woche hat er von 11 bis 22 Uhr geöffnet, wochenends sogar bis 23 Uhr. Seine Preise hat er noch nicht erhöht. Wie lange er noch so weitermachen kann und will – er weiß es nicht.

Burger werden auch nach Winnenden, Waiblingen und Schorndorf geliefert

Am Anfang, so erzählt er, lief es noch richtig gut mit seinem Burger-House. Die neugierige Kundschaft kam gerne, entdeckte ihre Vorliebe für Crispy Chicken und seinen Cheeseburger, kam wieder und wieder. Seither liefert er seine Burger auch nach Winnenden, Waiblingen und Schorndorf. Dann aber mit dem Ukraine-Krieg fing’s an: Die Geschäfte liefen schlechter, dafür wurden die Waren im Einkauf teurer. Ein Alptraum. Trotzdem, er macht weiter, hofft weiter.

Pächterwechel beim Sushi Palace: Sushi-Meister Abou Raees übernimmt

Im Sushi Palace hat es inzwischen eine entscheidende Änderung gegeben. Vivien und Ozan Capraz, die vor einigen Monaten das Lokal eröffneten, haben das Geschäft inzwischen an Abou Raees verkauft. Der Sushi-Meister hat sich mit der Übernahme einen Traum erfüllt und ist nun sein eigener Chef. Der Bruder ist mit eingestiegen und auch sonst hilft die Familie immer wieder aus.

Herausforderung für den Lieferdienst: Hohe Spritkosten

Eine große Herausforderung für seinen Lieferdienst sind derzeit die hohen Spritkosten, erklärt er. Immerhin beliefert er mit dem Sushi-Palace einen wirklich großen Umkreis, da fallen die Kosten fürs Benzin stark ins Gewicht. Und so hat er an der ein oder anderen Stelle Preise angepasst. Und wer sein Sushi selbst abholt, muss erstens weniger lang warten und zweitens weniger zahlen.

Der 35-jährige Pakistani ist erst vergangenes Jahr nach Remshalden gekommen. „Das war reiner Zufall“, erzählt er auf Englisch. Aber er ist froh, dass es so gekommen ist und er nun Chef des Sushi-Palace Stuttgart mit Sitz in Grunbach ist. Damit gehört er zu einer größeren Franchise-Kette, die Deutschland in verschiedene Verkaufsgebiete eingeteilt hat. Vom Franchise-Geber gibt es immer wieder Schulungen, aber auch Vorgaben. So werden auch die Zutaten über Quellen der Sushi-Palace-Mutterfirma bezogen.

Richtig Mut hatten sie bewiesen und mitten in der Pandemie ihre Lokale eröffnet: Sabine Bernauer und Markus Knauer mit dem Hirschstüble, Vivien und Ozan Capraz mit dem Sushi Palace, Hüseyin Hatay mit dem Barbu Burger House. Wie es ihnen heute geht? Von Überschwang und Höhenflügen ist keine Rede. Denn kaum war die Corona-Krise in den Hintergrund getreten, folgte das nächste Übel – und zwar im Mehrfachpack: Preissteigerungen, Lieferschwierigkeiten, Fachkräftemangel,

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