Remshalden

Schafe in den Remshaldener Weinbergen: Wendig und CO2-neutral

Schafe in den Weinbergen
Die Weinberg-Schafe verzaubern alle: Spaziergänger, die hier häufig vorbeikommen, ebenso wie Miriam Wraneschitz (l.), Freundin von Timon Schäfer (2. v. l.). Andreas Ellwanger (2. v. r.) und seine Frau Dorothee (r.). © Alexandra Palmizi

„Blond, expressives Äußeres, sportlich, anschmiegsam, ein Arbeitstier und sehr verlässlich.“ Das ist kein Eintrag bei einer Online-Partnerbörse. So lässt sich Jackson beschreiben. Der Schafbock und seine Herde sind derzeit in den Weinbergen des Wengerter-Paares Dorothee und Andreas Ellwanger unterwegs, um sich als Rasenmäher zu verdingen.

Und davon haben beide Seiten etwas: Die Shropshire-Schafe bekommen schmackhafte Halme im Überfluss, die Wengerter bekommen unbequeme Arbeit abgenommen. Denn Jackson und seine Kolleg/-innen knabbern auch die Halme ab, die rund um den Weinstock wachsen.

Positiver Nebeneffekt: Natürlicher Dünger und lockerer Boden

Ohne den Einsatz der kurzbeinigen Wiederkäuer müssten Ellwangers und ihre Mitarbeiter die lang gewachsenen Gräser mit einer Hacke beseitigen - eine zeitraubende und anstrengende Arbeit. Als zertifizierter Biobetrieb fällt auch der Einsatz von Herbiziden aus. Also bleibt die mechanische Bodenpflege übrig.

Das Gute: „Wenn die Wiesen von Schafen beweidet werden, fällt die Begrünung viel artenreicher aus“, erklärt Andreas Ellwanger. So würden wiederum mehr Nützlinge angelockt, was wiederum den Rebenstöcken guttue und damit auch der Qualität des Weines. Und noch etwas: „Meine Frau und ich gehen so noch viel lieber in die Weinberge, und auch die Spaziergänger haben ihre Freude.“

Schafsköttel - gut für den Boden

Außerdem verdichten die Klauen den Boden weniger als schwere Maschinen, durch ihre kleinen Stempel läuft das Wasser in Hanglage langsamer ab, und der Kot führt dem Boden Nährstoffe zu.

Allerdings – die Tiere sind nur im Winter zwischen den Rebstöcken unterwegs, sommers müssen Ellwangers zu häufig mit schwererem Gerät durch die Reihen fahren. Da wäre das Ab- und Aufbauen des Zaunes eine zu große Last.

Mit drei Schafen fing alles an: Längst ist es eine ganze Herde

Timon Schäfer ist der Chef der 14 Schafe, die im Weinberg der Ellwanger knabbern und kauen. Zwei Lämmle sind hier in den vergangenen Tagen auf die Welt gekommen – kleine, helltönig meckernde Wesen. Vor rund vier Jahren hat der Industriemechaniker sich drei Schafe angeschafft, um die Wiese im weitläufigen Garten kurz zu halten.

Allerdings: Die damals angeschafften Kamerun-Schafe gehörten zu den Fleischrassen, und so stieg er im kommenden Jahr auf Shropshire-Schafe um. Sie interessieren sich nämlich keinen Deut für Zweige und Knospen, weshalb sie problemlos auf Streuobstwiesen und Weinbergen weiden können.

Auf kurzen Beinen unter den Rebstöcken hindurch

Das ist auch deshalb gut, weil der heimische Garten bald zu eng wurde, die Tiere brauchten mehr Fläche, und so begann Schäfer, mit seinen Tieren auch die Wiesen von Freunden und Bekannten zu beweiden. Und: Die Shropshires haben recht kurze Beine – optimal, um unter den Zweigen der Rebstöcke hindurchzuschlüpfen.

Jeden Tag guckt er mindestens dreimal bei seinen Schafen nach dem Rechten, überprüft ihren Gesundheitszustand, pflegt die Klauen, kutschiert sie ab und an zu einer neuen Weide, steckt Zäune um, wechselt die Batterien der elektrischen Weidezäune. Einmal im Jahr, Richtung Frühjahr, kommt die Schererin zum Einsatz.

Wolle: Am Ende Pellets statt Pullover

Indes - aus der Schafswolle werden am Ende keine Pullover, dafür aber Pellets, die zur Düngung verwendet werden. Es fehlt an Spinnereien in Deutschland, die die Wolle aus den verschiedenen kleinen Schafzuchten verarbeiten könnten.

Die Jungböcke dürfen ihr erstes Lebensjahr in der Herde verbringen, dann werden sie geschlachtet. Rund zehn Lämmchen kommen pro Jahr dazu.

Die meisten kommen auf der Weide zur Welt, eingreifen musste Schäfer noch nie. Und damit er keinesfalls in Versuchung gerät, sich in seiner Freizeit auf einem Sessel niederzulassen, hat er außerdem noch etliche Hühner, zwei Ziegen, Bienen und geht jagen. Und so kümmert er sich nach seinem Acht-Stunden-Arbeitstag weitere acht Stunden um Tiere.

Noch eine Woche werden Schäfers Schafe in Remshalden weiden, danach ziehen sie auf eine Weide, die näher an seinem Zuhause liegt. Gut so, schließlich werden bis Ende März noch mindestens acht Lämmer erwartet. Zwillingsgeburten nicht ausgeschlossen.

„Blond, expressives Äußeres, sportlich, anschmiegsam, ein Arbeitstier und sehr verlässlich.“ Das ist kein Eintrag bei einer Online-Partnerbörse. So lässt sich Jackson beschreiben. Der Schafbock und seine Herde sind derzeit in den Weinbergen des Wengerter-Paares Dorothee und Andreas Ellwanger unterwegs, um sich als Rasenmäher zu verdingen.

Und davon haben beide Seiten etwas: Die Shropshire-Schafe bekommen schmackhafte Halme im Überfluss, die Wengerter bekommen unbequeme Arbeit

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