Remshalden

TV Hebsack hat eine Übergangsschule für ukrainische Flüchtlinge eingerichtet

Digitaler Schulunterricht
Anna Husak (Mitte, stehend) ist das Herz der Interims-Schule, sie kann dolmetschen und unterrichten. © Alexandra Palmizi

Hier wird gelacht, gemalt, gelernt. Rund 17 ukrainische Kinder und Jugendliche knüpfen an drei Tagen pro Woche in dem hellen Saal der Kurt-Leppert-Halle an ihr altes Leben an, das sie von zu Hause kennen: Unterricht haben, Freunde treffen, Hausaufgaben machen. Ein wenig Normalität eben. Soweit das geht, wenn gleichzeitig in der Heimat russische Bomben fallen, wenn Großeltern und Freunde, die vertraute Wohnung weit weg sind.

Allesamt sind sie und ihre Eltern vorläufig in Remshalden in Sicherheit, viele nach langen Fluchtwegen, nicht wenige mit traumatischen Kriegserfahrungen im Gepäck. Rund 80 Flüchtlinge leben zurzeit in Remshalden, der Großteil von ihnen ist bei Privatpersonen untergebracht. Die Gastgeber und viele Freiwillige mehr haben sich zusammengeschlossen und helfen, wo sie können.

Glücksfall: Anna Husak, ehemalige Lehrerin, hält die Schule zusammen

Dr. Uli Hasert, BWV-Gemeinderat, Stellvertretender Bürgermeister und Erster Vorsitzender beim TV Hebsack, berichtet davon, wie der Verein der Gemeinde die Räume der Sporthalle ursprünglich als mögliche Unterkunft für Flüchtlinge vorgeschlagen hatte.

Immerhin gibt es eine Küche und zahlreiche sanitäre Anlagen. Als aber Anna Husak aus der Ukraine in Remshalden ankam, tat sich eine ganz neue Möglichkeit auf. Etliche Jahre hatte sie in ihrer Heimat als Lehrerin gearbeitet und spricht nicht nur Ukrainisch, sondern auch Russisch, Englisch sowie etwas Deutsch.

Unterrichtsvideos aus Kiew

Und so entwickelte sich schnell die Idee, in der Leppert-Halle eine Übergangsschule und ein Gemeinschaftszentrum zu etablieren, damit die Schülerinnen und Schüler ihre Examen, die im Mai stattfinden, abschließen können. Mathe, Ukrainische Literatur und Sprache sowie Geschichte werden von einem Lehrer in der Ukraine unterrichtet.

In Kiew nimmt er die Unterrichtsvideos auf, in allen möglichen Ecke Europas, in denen ukrainische Schülerinnen und Schüler gestrandet sind, werden sie an einzelnen Computern abgerufen. Möglich machen das in Remshalden auch, so Hasert, Spenden von ortsansässigen Firmen in Höhe von rund 10.000 Euro.

Haben die Remshaldener Online-Schülerinnen und -Schüler Fragen, steht Anna Husak bereit und hilft weiter. Wie die Sache mit den Prüfungen im Mai aber laufen wird, ist noch unklar - wie vieles andere auch.

Schwer zu bekommen: Behörden-Termine für die Registrierung

Beispielsweise sind viele der in Remshalden angekommenen Flüchtlinge noch nicht richtig registriert. Hasert, der einige von ihnen bei den Behördengängen begleitet hat, weiß, dass die Wartezeiten für Termine beim Rathaus lang sind, bis zu weitere drei, vier Wochen müssten Flüchtlinge dann warten, bis sie einen Termin beim Landratsamt bekommen.

Bis also das teils dringend benötigte Geld fließt, kann es dauern. Viele kamen nur mit einem kleinem Handgepäck ausgerüstet nach Deutschland.

Ukrainische Lehrerin mit ehrenamtlichem Engagement

Anna Husak bekommt derzeit kein Geld. Ihr Engagement in der Übergangsschule ist ein reines Ehrenamt. Hasert: „Ohne Anna gibt es hier keine Schule, bei ihr laufen alle Fäden zusammen.“ Deshalb bemühen sie sich derzeit, für Anna einen offiziellen Auftrag zu bekommen.

Seine Sorge: Wenn die junge Frau Geld benötigt, könnte sie gezwungen sein, einen anderen Job anzunehmen. Das wäre das Ende für die kleine Schule, die vielen der in Remshalden Angekommenen ein Stück Hoffnung und Heimat gibt. „Wir hoffen, dass unsere Interims-Schule in eine Vorbereitungsklasse übergehen kann“, erklärt Hasert die Idee.

Kontakt mit Geradstettener Schulleiterinnen

Daher sind die Helfer auch schon mit den Geradstettener Schulleiterinnen in Kontakt, die in dieser Sache ebenfalls von der Entscheidung des Regierungspräsidiums anhängig sind. Aber auch hier gilt das Gesetz der deutschen Bürokratie: Bis eine Entscheidung getroffen ist, kann das dauern.

So lange machen sie einfach weiter. Denn immerhin tut es auch Anna Husak gut. Während sie unterrichtet, muss sie nicht an ihre Schwester, ihre Eltern, überhaupt an die vielen Lieben denken, die in der Ukraine zurückgeblieben sind. Und so findet montags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 10 Uhr der (Online-)Unterricht für Schüler statt.

Von 10 bis 12 Uhr bekommen die Kinder und Jugendlichen Deutschunterricht. Von 13 bis 15 Uhr gibt es Deutschunterricht für die Erwachsenen, von 15 bis 17 Uhr ist der Raum offen für ein Begegnungscafé.

Helfer werden immer gebraucht

Wer helfen möchte, kann das auf die unterschiedlichsten Arten tun – ob mit Kuchenspenden oder einem Hilfseinsatz vor Ort. Wer sich per Mail unter vorstand@tvhebsack.de meldet, kann Genaueres mit den Zuständigen besprechen.

Hier wird gelacht, gemalt, gelernt. Rund 17 ukrainische Kinder und Jugendliche knüpfen an drei Tagen pro Woche in dem hellen Saal der Kurt-Leppert-Halle an ihr altes Leben an, das sie von zu Hause kennen: Unterricht haben, Freunde treffen, Hausaufgaben machen. Ein wenig Normalität eben. Soweit das geht, wenn gleichzeitig in der Heimat russische Bomben fallen, wenn Großeltern und Freunde, die vertraute Wohnung weit weg sind.

Allesamt sind sie und ihre Eltern vorläufig in Remshalden in

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