Remshalden

Untersuchung zur Riker-Fassade an der B29 läuft: Darf sie weiter leuchten?

Riker Leuchtet
Verlieren die Insekten wegen der Riker-Fassade ihre Orientierung? Die jüngste Untersuchung wird derzeit ausgewertet. © Gabriel Habermann

Ob die Firma Riker Wohnbau weiterhin ihr Haus in lichtem Blau durch die Dunkelheit strahlen lassen darf, wird aktuell geprüft. Zuletzt hat nämlich die Landesanstalt für Umwelt (LuBW) Lichtmessungen durchgeführt. Die Sorge: Das künstliche Licht des Gebäudes könnte Insekten anlocken, wodurch die Tiere ihre Orientierung verlieren und sterben könnten. Geschäftsführer Björn Riker indes bleibt gelassen, er ist sich sicher, dass alle Vorgaben eingehalten werden.

Ergebnisse werden demnächst erwartet

Untersucht wurden daher im Januar, so berichtet es eine Sprecherin des Landratsamtes auf Nachfrage, lichttechnische Parameter der Fassadenbeleuchtung des Gebäudes: Leuchtdichte, Strahldichte und spektrale Verteilung. „Ob dies negative Auswirkungen auf die Insektenwelt hat, wird anschließend mit entsprechenden Fachleuten aus dem Bereich Artenschutz besprochen. Erst dann kann beurteilt werden, ob die Vorgaben des Bebauungsplans und der Baugenehmigung eingehalten worden sind.“ Sollte sich herausstellen, dass die Beleuchtung nicht den Vorgaben des Bebauungsplans und der Baugenehmigung entspricht, müsste sie ausgeschaltet werden.

Riker: Sicher, dass alle Vorgaben eingehalten werden

Geschäftsführer Björn Riker dazu: „Wir sind sicher, dass wir alles gemäß der Genehmigung gemacht haben.“ Außerdem könne er nicht feststellen, dass Vögel oder anderes Kleingetier vor der Fassade liegen würden. Zudem sei die Fassade nicht die ganze Nacht an. Aktuell leuchtet das Riker-Blau von Sonnenuntergang bis 22 Uhr und von 5 Uhr an bis Sonnenaufgang.

Eine gute Werbefläche ist das Gebäude samt Videowand in jedem Fall. Immerhin 49 272 Fahrzeuge brausen hier täglich vorbei, sehen nachts das blau leuchtende Riker-Gebäude, lesen morgendliche Kaffeegrüße oder auch Glückwunschbotschaften. Hat nämlich einer der 30 Riker-Mitarbeiter Geburtstag, gratulieren die Kollegen quasi schon bei der Anfahrt zum Arbeitsplatz. Das finden manche so, und andere eben so. Wahrgenommen wird’s in jedem Fall. Werbung eben.

Gratulationen auf der Videowand

Tatsächlich treten wegen der Beleuchtung und der Video-Wand immer wieder verschiedene Personen an die Firma Riker heran. Manchen gefalle es, ab und an bedanke sich gar ein morgendlicher Autofahrer für den freundlichen Gruß. Natürlich laufe auch Eigenwerbung auf der Videowand. Andere Remshaldener sorgten sich um Tiere und den Energieverbrauch. In den sozialen Netzwerken habe er schon etliche Beschimpfungen über sich selbst lesen müssen, berichtet Björn Riker.

Die Fassade leuchte aber mittels hochleistungsfähiger LED-Punkte, erklärt Riker. Dabei sei der Verbrauch sehr gering: nur 850 Watt würden dabei pro Stunde verbraucht. „In jedem fünften Haushalt steht ein Kühlschrank, der mehr Energie frisst als unsere Fassade.“

Klimaneutral seit 2021

Mit der Fassade habe man auch demonstrieren wollen, was man heutzutage bauen kann. Es handle sich um ein innovatives Gebäude mit KfW-50-Standard. Auf dem Dach wird eigener Strom mit einer PV-Anlage produziert. Akku und Betonkern speichern Energie und Wärme, die Jalousien werden entsprechend der Sonneneinstrahlung gesteuert.

Anfallendes Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und auch zum Bewässern des Weinbergs auf dem Dach verwendet, der Rest versickert. Das Haus sei seit 2021 klimaneutral, und zwar inklusive der Fassade.

"Kein Insektenvernichter"

Er wehre sich dagegen, als Energieverschwender und Insektenvernichter bezeichnet zu werden. Da mag er vielmehr auf die fünf Lampen an der Bundesstraßenzufahrt verweisen. „Die schönen, alten Straßenlaternen haben genau den Effekt, der uns vorgeworfen wird.“ Hier und nicht bei ihm kreisten die Insekten orientierungslos um die Lampe.

Ob die Firma Riker Wohnbau weiterhin ihr Haus in lichtem Blau durch die Dunkelheit strahlen lassen darf, wird aktuell geprüft. Zuletzt hat nämlich die Landesanstalt für Umwelt (LuBW) Lichtmessungen durchgeführt. Die Sorge: Das künstliche Licht des Gebäudes könnte Insekten anlocken, wodurch die Tiere ihre Orientierung verlieren und sterben könnten. Geschäftsführer Björn Riker indes bleibt gelassen, er ist sich sicher, dass alle Vorgaben eingehalten werden.

Ergebnisse werden demnächst

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