Remshalden

Wandertag im Remstal: Wegewarte des Albvereins Remshalden bereiten Strecken vor

Pressewanderung
Presserundgang zum Wandertag: Regina Erb (ganz links), dann Ute Dilg und Karin Kunz. Gerhard Volz ist rechts mit blauer Kappe zu sehen. © Ralph Steinemann Pressefoto

Auch in Zeiten von GPS-Wandern und Wanderapps haben die klassischen Wegweiser an Bäumen, Weinbergpfählen und Laternenmasten längst nicht ausgedient. Viel wegweisende Arbeit bedeutet das zum Saisonstart für den Wegewart Gerhard Volz. Also nicht wundern, wenn in nächster Zeit beim Spaziergang rund um Rohrbronn jemand am Wegesrand mit Beil und Astschere hantiert. Es könnte Gerhard Volz bei der wegweisenden Arbeit sein.

Was der Wegewart zu tun hat

Gerhard Volz ist einer von 16 ehrenamtlichen Wegewarten im Bereich Remstal des Schwäbischen Albvereins. Er und seine Mitstreiter halten das Wanderwegenetz in Schuss, damit Wanderer sich nicht ab vom Schuss irgendwo in der Pampa wiederfinden. Zum Start der Wandersaison geht er fast täglich mit einem Rucksack voller Werkzeug und mit Anlegeleiter in den Wald, berichtet er im Rahmen eines Presserundgangs im Vorfeld zum Deutschen Wandertag. Damit alles schön ist bis zu dem Großevent im August, sei er besonders aufgefordert, Wege frei zu halten, defekte Markierungen auszutauschen und fehlende „Täfele“, wie er sie schwäbisch verniedlichend nennt, nachzumarkieren.

„Im Moment wuchert es wöchentlich 20 bis 30 Zentimeter“, spielt er auf das feucht-warme Maiwetter an. Wenn die Natur wie jetzt gerade den Turbogang einlegt, verschwindet schnell mal eine Wegtafel hinter grünem Wildwuchs, oder an einem Wegabschnitt erschweren Brombeeren und dichtes Gestrüpp das entspannte Weiterwandern. „Bis zu zehn Prozent der Markierungen sind jährlich zu erneuern“, teilt er mit. In seinem „Beritt“, wie er seinen 29 Kilometer umfassenden Wegabschnitt aus kommunalen und überregionalen Wegen nennt, bedeute dies rund 50 Tafeln. Immer wieder stoße er auf Bäume, an denen noch alte, genagelte Markierungszeichen angebracht sind – „die lösen sich mit der Zeit oder wachsen ein“, so Volz. Das erkläre sein Beil, das nicht fehlen dürfe.

Drei Rundwanderwege starten in Rohrbronn

Feste Wegmarken werden inzwischen mit Montagekleber fixiert. Dafür müsse er die Bäume gut kennen. „Auf Trockenholz wie Eiche, Fichte oder Kiefer hält der Kleber gut, bei Eschen, Pappeln und Buche höchstens drei Jahre.“ Er meide Buchen, schaue zuerst nach einer anderen Baumart. Bei fehlender Alternative greife er auf eine Edelstahlschraube zurück. „Aluminium bricht schneller“, ist seine Erfahrung, die er sich in den fünf Jahren als Wegewart angeeignet hat. Der Parkplatz Rohrbronner Waldeck ist in Wanderkreisen bestens bekannt, denn er ist ein wahres Wanderweg-Drehkreuz. Drei Rundwanderwege starten hier. Der zur Gartenschau neu konzipierte und ausgeschilderte Remstalweg kommt vorbei.

In den Weinbergen verschwinden immer mehr Holzpfähle

Gerhard Volz geht die wegweisende Arbeit also nicht so schnell aus. Zumal in den Wochen vor dem Deutschen Wandertag eine besondere Route seine Aufmerksamkeit fordert: Die Ortsgruppe Remshalden bietet die Tour „Durch Obstwiesen und Weinberge“ an. „Gerade in den Weinbergen verschwinden immer mehr Holzpfähle. Hier muss ich immer wieder auch eigene Markierungspfähle aus Holz mit einer Bodenhülse aus Metall setzen“, berichtet er. Zu Fuß schaffe er pro Rundgang selten mehr als zwei Kilometer pro Stunde.

Fast die Hälfte wandert ohne Karte

Als Wanderer ist es einem gar nicht bewusst, wie arbeitsaufwendig die Wanderwege markiert und gepflegt werden, damit niemand vom Weg abkommt. Im Jahr 2020 waren laut Schwäbischem Albverein 650 Ehrenamtliche 28 000 Stunden für die Pflege der Wege tätig. Gemäß einer Studie des Deutschen Wanderverbandes sind 46 Prozent der Wanderer ohne Karte unterwegs.

Und GPS hin, App her – wer möchte schon mit leerem Akku, schlechtem oder ohne Empfang umherirren. Wegewarte des Schwäbischen Albvereins werden geschult, denn hinter jedem „Täfele“ steckt ein ausgeklügeltes System des Deutschen Wanderverbands aus einer Zeit, als die ersten Wanderwege entstanden sind. „An jeder Kreuzung muss ein Markierungszeichen zeigen, wie es weitergeht, und kurz darauf ein weiteres Zeichen zur Bestätigung“, weist Volz auf eine der Vorgaben hin. „Die Wegearbeit unterstütze ehrenamtlich die Kommunen und Tourismuspartner“, betont Regine Erb, Vize-Präsidentin des Schwäbischen Albvereins.

Eine geführte, kulinarische Wanderung

Das Remstal und der Schwäbische Albverein sind in diesem Jahr Partner des Deutschen Wanderverband für den Wandertag. Jede Gemeinde wird ihren „schönsten Wanderweg zeigen“, was Besuchern eine Vielfalt an Wanderungen offenbart, die zudem vier thematische Schwerpunkte legen. Die geführte Wandertour von Gerhard Volz fällt unter die Rubrik „Kulinarisch“. Eine Einkehr mit Weinprobe im Bauersberger Hof gehört dazu. Rund fünf Kilometer führen durch eine historische Kulturlandschaft, die seit Jahrhunderten von Weinbau und Streuobstwiesen geprägt wird. Dazwischen verstreut liegen die „Gütle“ von Privatbesitzern. Unter den Fußsohlen wechseln sich Schotterweg und asphaltierter landwirtschaftlicher Weg ab. „Wir können hier die gesamte Geografie der Gemeinde zeigen, hier hat man alle Elemente des Remstals auf einem Weg beisammen“, sagt Gerhard Volz.

Naturhighlights am Wegesrand

Da ein Großteil der Strecke auf dem Naturlehrpfad verläuft, stoßen Wanderer auf Naturhighlights, darunter eine geschützte Fläche, auf der sich schon bald die ersten Orchideen zeigen werden. Auf Wald folgt Weitblick: So darf das Auge immer wieder schweifen, zum Schönbühl, auf die Schurwaldhöhen bis zu den Kaiserbergen, bei guter Sicht ist viel von Stuttgart zu sehen, auch das Zabergäu sei schon gesichtet worden, verrät der ortskundige Gerhard Volz.

Das Remstal ist vom 3. bis 7. August Partner des Deutschen Wanderverbands

Am Deutschen Wandertag beteiligen sich 19 Ortsgruppen und drei Familiengruppen im Remstal sowie 20 Ortsgruppen im Gebiet des Schwäbisch-Fränkischen Waldes, Stuttgart und Schönbuch. 1991 habe dieses Wanderfest zuletzt im Gebiet des Schwäbischen Albvereins stattgefunden, informiert Wanderreferentin Karin Kunz. Das Remstal ist Wandertags-Partner, nur drei Jahre nach der Landesgartenschau sei dies ein Glücksfall: „Die dabei entstandene Struktur kann hier sehr gut weitergenutzt und eingebunden werden“, so Regine Erb, Vize-Präsidentin des Schwäbischen Albvereins. Mehr Informationen unter www.dwt2022.de.

Auch in Zeiten von GPS-Wandern und Wanderapps haben die klassischen Wegweiser an Bäumen, Weinbergpfählen und Laternenmasten längst nicht ausgedient. Viel wegweisende Arbeit bedeutet das zum Saisonstart für den Wegewart Gerhard Volz. Also nicht wundern, wenn in nächster Zeit beim Spaziergang rund um Rohrbronn jemand am Wegesrand mit Beil und Astschere hantiert. Es könnte Gerhard Volz bei der wegweisenden Arbeit sein.

Was der Wegewart zu tun hat

Gerhard Volz ist einer von 16

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