Remshalden

Warum Busfahren in Remshalden nervt: Was jetzt besser werden soll

linienbus
Beim Busverkehr in Remshalden besteht viel Verbesserungsbedarf. © Mario Ventzlaff Pixabay

Das, was das Busnetz in Remshalden aktuell bietet, das ist viel zu wenig. Eine verlässliche Taktung sieht anders aus. Wer mit dem Bus fahren will, muss erst mal den Plan studieren und im Zweifel reichlich Wartezeit mit einplanen. „Wenn ich beispielsweise von Buoch aus zu meinem Friseur fahre, komme ich zwar pünktlich zu meinem Termin. Danach aber muss ich sehr wahrscheinlich eine Dreiviertelstunde im Bushäuschen warten“, führt Gemeinderätin Ursula Zeeb aus.

Schlechte Verbindungen, schlechte Fahrgastzahlen

Bevor man sich so etwas antue, steige man doch lieber ins Auto, schlussfolgert sie, die grundsätzlich als Grünen-Mitglied, Aktivistin im BUND für Umwelt- und Naturschutz und Gemeinderätin für die Alternative Liste (ALi) im Remshaldener Gemeinderat der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als wohlgesonnen gegenübersteht. Das Ergebnis der grundsätzlichen Misere: Die vorhandenen Buslinien werden kaum genutzt. Die Fahrgastzahlen sind wenig überzeugend. Also: Da muss nachgebessert werden.

Da ist man sich im Gemeinderat einig. Sogar der Kreistag hat’s erkannt und bietet der Gemeinde in der Fortschreibung des Nahverkehrsplans wochentags zusätzliche vier Fahrtenpaare, samstags ein weiteres an. Dies sogar im für die Kommune kostenfreien Basis-Angebot.

Eine kritische Stimme gab’s aber von Wolfgang Läpple (CDU), der nicht gutheißen wollte, dass in der Forstschreibung der Ruf-Taxi-Dienst zugunsten erneuter regelmäßiger Busfahrten in die Ortsteile wieder eingestellt werden könnte. Sein Argument: Besonders in späten Stunden sei ein leerer Bus in Bezug auf die CO2-Bilanz problematischer als ein Ruftaxi, das bei Bedarf einzeln fahre.

Es geht noch besser: Selbstbewusster denken

Trotzdem: Mehrheitlich begrüßte der Gemeinderat das Vorhaben des Landkreises, ist aber überzeugt: Es geht noch besser. Davon ist die ALi überzeugt und hat in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates den Antrag gestellt, zusätzlich zur Stellungnahme zum Nahverkehrsplan dem Kreistag einen ganz neuen Vorschlag zur Linienführung zu unterbreiten. Und der stieß bei den Ratskollegen sowie bei den Vertretern der Verwaltungsspitze auf Begeisterung. „Charmant“, „genial“, „elegant“ – so fand man quer durch alle Fraktionen den Vorschlag, den der Planer Steffen Lenz aus Weinstadt für die ALi erarbeitet hat. Dieser beinhaltet, die Buslinien, die aktuell Remshalden mit den umliegenden Gemeinden verbinden, neu zu denken – und zwar selbstbewusster, aus der Remshaldener Perspektive heraus.

Halbstundentakt im Tal

Das Konzept schlägt vor allen Dingen eine Umstrukturierung der Linie 217 zu einem halbstündigen Fahrtenrhythmus in der Tallinie vor. Dazu würde auch eine stündliche Anbindung der Ortsteile Buoch und Rohrbronn über die verlängerte Linie 333 gehören, die ja auch aktuell die einzige Querverbindung in Richtung Winnenden darstellt. Zudem könnten so auch die südlichen Ortsteile angebunden werden.

Klar sei aber auch, dass ein verbessertes Angebot Zeit brauchen werde, um sein Publikum zu finden. „Es braucht kurze Takte und einen langen Atem“, erklärt Ursula Zeeb im Nachgang der Sitzung noch einmal. Aber: Werde das Angebot nicht verbessert, werde es auch nicht besser genutzt. „Da beißt sich die Katz’ in den Schwanz.“ Bei ihren Ratskollegen rannte Zeeb mit ihrem Antrag offene Türen ein.

Harald Bay (SPD) sicherte deshalb dem Antrag der ALi auch die vorbehaltlose Unterstützung seiner Fraktion zu, „auch was die Dringlichkeit des Antrags betrifft“. Man sei sich SPD-intern einig, dass die Remshaldener Ortsteile viel zu wenig angebunden seien. Dies auch angesichts der Tatsache, dass es in Zukunft immer mehr ältere Menschen geben werde, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen seien. Der Vorschlag sei genial, mit dem dürfe man keinesfalls hinter dem Berg halten.

Zustimmung äußerte auch Sigrid Pressel für die FW/FDP-Fraktion. Es sei ganz klar, dass die notwendige Grundversorgung derzeit nicht in allen Ortsteilen gegeben sei. Drum sei ihre Fraktion dankbar, dass im Antrag der ALi eine praktikable Lösung aufgezeigt sei.

Sorge: „Eleganter“ Vorschlag könnte teuer werden

Roland Schanbacher (BWV) formulierte zunächst die Befürchtung, dass der Landkreis die Vorlage des durchaus „eleganten“ Vorschlags als Auftrag missverstehen könnte und postwendend eine Bestätigung desselben und die entsprechende Rechnung an die Gemeinde zusenden könne. „Das riecht schon sehr nach Zubestellung.“ Wo es doch eigentlich das Ziel des Gemeinderates wäre, die neue Linienführung mittelfristig ins vom Landkreis zu zahlende Basisangebot einzupflegen.

Diese Sorge allerdings konnte der Remshaldener Bürgermeister Reinhard Molt, der sich ebenfalls von dem Vorschlag beeindruckt zeigte, dem Gremiumsmitglied nehmen. Natürlich könne der Gemeinderat – für den Fall, dass der Landkreis den Vorschlag nicht ins Basisbündel aufnimmt – über eine Umsetzung ausschließlich in Kenntnis der entstehenden Kosten entscheiden. Erst dann könne es zu einer konkreten Beauftragung kommen. Abgesehen davon könne es bis 2028 dauern, bis tatsächlich die Buslinie 217 derartig umgesetzt werden könnte.

Fahrplan so schnell wie möglich ausweiten

Schließlich werden erst dann die Linienbündel wieder neu betrachtet. Sie werden in einem Zehn-Jahres-Rhythmus angepasst, während der jetzt diskutierte Nahverkehrsplan alle fünf Jahre auf den Tisch kommt. Dennoch, oder gerade deshalb, könne es richtig sein, der Stellungnahme zum Nahverkehrsplan schon jetzt den Vorschlag zur optimalen, grundsätzlichen Veränderung beizulegen.

Auch deshalb soll laut einstimmigem Willen des Gremiums noch etwas in Richtung Kreistag geäußert werden. Dass man nämlich erwarte, dass die zutage getretene Diskrepanz zwischen aktuellem Fahrplan und dem nun als notwendig erachteten Basisangebot schnellstmöglich aufgehoben wird, auch schon vor einer eventuellen Umstrukturierung der Buslinien.

Außerdem wird darum gebeten, die im Süden auf dem Areal der ehemaligen Realschule entstehenden Wohnbauflächen mit in die Planung einzubeziehen und die Anzahl der „Bus+Ride“-Flächen zu prüfen.

Das, was das Busnetz in Remshalden aktuell bietet, das ist viel zu wenig. Eine verlässliche Taktung sieht anders aus. Wer mit dem Bus fahren will, muss erst mal den Plan studieren und im Zweifel reichlich Wartezeit mit einplanen. „Wenn ich beispielsweise von Buoch aus zu meinem Friseur fahre, komme ich zwar pünktlich zu meinem Termin. Danach aber muss ich sehr wahrscheinlich eine Dreiviertelstunde im Bushäuschen warten“, führt Gemeinderätin Ursula Zeeb aus.

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