Remshalden

Wo es bei den mobilen Impfaktionen noch hakt: Kritik nach langen Warteschlangen in Remshalden

MobileImpfaktion
Bürgermeister Reinhard Molt (r.) im Gespräch mit frierenden Wartenden. Zum Glück gab es warmen Kaffee und Punsch, dargereicht vom DRK Urbach. © Gaby Schneider

Auch wenn 206 Menschen am Sonntag in Remshalden „glücklich gemacht werden konnten“, wie Bürgermeister Reinhard Molt im Nachgang berichtet – Kritik war rund um die mobile Impfaktion ebenso laut geworden. Sogar 20 Platzverweise hatte die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes am Ende der Impfaktion an uneinsichtige Wartende verteilen müssen. Die zuletzt verbliebenen Impfanwärter hatten es einfach nicht wahrhaben wollen, dass nach der Verimpfung von 206 Dosen kein Impfstoff mehr zur Verfügung stand. „Aber wir konnten natürlich nichts nachbestellen.“ Immerhin wurden in Remshalden zuletzt 206 Dosen von zwei Ärzten verimpft, statt wie angekündigt nur 100 Dosen von einem Arzt.

Viel mehr Wartende als Impfdosen

Allerdings standen doppelt so viele Menschen am Sonntag vor dem Rathaus an. Dies, obwohl man seitens der Gemeinde frühzeitig darauf aufmerksam gemacht hatte, dass nicht für alle Wartenden Impfstoff vorhanden sei. Zeitweise war sogar die Feuerwehr zur Unterstützung gekommen und hatte die Vom-Stein-Straße abgesperrt.

Die Schlange der Wartenden mochte sich indes nicht auflösen, vielmehr hätten viele per Mobiltelefon weitere Freunde, Bekannte und Familienangehörige nach Remshalden gelotst, weiß BM Molt. Und: „Wir haben gedacht, wir warten einfach ab, vielleicht haben wir ja doch Glück“, berichtet eine Dame, die am Sonntag ebenfalls gewartet hatte. Sie und ihr Mann hatten allerdings Pech. „Zehn Leute vor uns war der Impfstoff dann ausgegangen“, erzählt sie.

Ältere Menschen haben Hocker und Decken dabei

Diese Enttäuschung haben offenbar nicht alle gut verkraftet. So hatte ein Mann, der schon in Nürtingen bei einer mobilen Impfaktion leer ausgegangen war und nun auch in Remshalden den Kürzeren gezogen hatte, eine wütende Mail ans Rathaus geschickt. Bürgermeister Molt hat sie ans Landratsamt weitergeleitet, hier wird man sich zentral um die Beschwerden kümmern. Schließlich handelt es sich um eine Impfaktion des Kreises. Und auch in unserer Redaktion ging ein Leserbrief ein, der die Organisation der Impfaktion rund ums Rathaus kritisiert:

Gerhard Feuchter aus Waiblingen-Hegnach war zum Boostern nach Remshalden gekommen. Allerdings – als der 74-Jährige eine halbe Stunde vor Beginn der Impfaktion beim Rathaus eintraf, seien bereits weit über 200 Menschen, eher rund 500, in der Schlange gestanden. Teilweise hätten ältere Menschen sogar Hocker dabeigehabt, um nicht stundenlang auf den Beinen sein zu müssen. Zweimal vorher habe er das Gleiche bei mobilen Impfangeboten in Stuttgart durchgemacht – ohne Erfolg.

Kärtchen für Impfberechtigte verteilen?

Was ihn stört: Wer sich in die Schlange stellt, weiß nicht, ob er tatsächlich auch drankommt. „Es kann doch nicht so schwierig sein, an die 200 Ersten in der Reihe kleine Kärtchen zu verteilen?“, erklärt er seinen Unmut. So könnten die Menschen doch auf einfache Weise rechtzeitig feststellen, ob es noch die Chance auf eine Impfung gebe. „Stattdessen standen die Leute bei drei Grad und Nieselregen draußen und haben stundenlang gewartet.“

Bürgermeister Molt kann verstehen, dass die Impflinge in spe nach mehr Organisation und im besten Fall nach fixen Terminen lechzen. „Aber diese mobilen Impfangebote sollen ganz niederschwellig sein“, erklärt er. Schließlich sollten auch (ältere) Menschen ohne Handy und Internet die Möglichkeit bekommen, dranzukommen. Daher gebe es hier keine Option, vorab Termine auszumachen. Dabei würden schließlich wieder die vernetzten Menschen bevorzugt. Und damit den Menschen in der Schlange nicht allzu kalt wurde, habe man mit Hilfe des Urbacher DRKs immerhin Kaffee und Punsch ausschenken können. Wenn auch die Füße davon nicht warm würden, ein warmes Getränk im Bauch helfe in einer solchen Situation doch ein wenig weiter.

Neue Impfaktion in Remshalden folgt

Eine weitere mobile Impfaktion ist in Remshalden geplant. Allerdings, noch steht der Termin nicht fest. Initiator ist auch dann der Rems-Murr-Kreis. Wieder kommen die Mitarbeiter der Johanniter und Ärzte aus dem Klinikum Stuttgart. Aber auch die Gemeindeverwaltung wird sich wieder an der Umsetzung beteiligen.

Was für BM Molt aber klar ist: Die Aktion wird genau so wieder stattfinden. Die Schlange der Wartenden sei auf dem Rathausplatz sicher aufgehoben, die Impfstraße selbst sei im Rathaus ebenfalls an einem guten Ort, das Einbahnstraßensystem könne hier gut umgesetzt werden. Toiletten konnten in der nahen Realschule auch gut bereitgestellt werden. Und die Schwächsten und Gebrechlichsten unter den Wartenden hatte man zuletzt mit Hilfe des Johanniter-Teams aus der Schlange geholt und deren Impfung vorgezogen. Glücklicherweise hatten hier alle Wartenden Verständnis gezeigt.

Gleiches Problem in anderen Gemeinden

Grundsätzlich sei Remshalden mit der Problematik rund um die mobilen Impftermine nicht alleine, erklärt die Pressesprecherin des Rems-Murr-Kreises Martina Keck auf Nachfrage. Aktuell arbeite man daran, auch für die mobilen Impfaktionen eine digitale Terminvergabe zu etablieren, womöglich könnten Termine für Menschen ohne Internetzugang frei gehalten werden. Geklärt sei das alles aber noch nicht, man erarbeite derzeit noch sinnvolle Lösungen. Das Problem aktuell: „Bund und Land haben einen sehr hohen Bedarf geschaffen“.

Auch die Einschränkungen für Ungeimpfte verschärften den Andrang auf Impftermine enorm. Nun müsse man ohne das Impfzentrum Waiblingen, das erst kürzlich geschlossen wurde, des Andrangs Herr werden. „Noch gibt’s einen Engpass, aber bald geht es weiter“, macht sie Mut. Nächste Woche gehen nach dem Impfstützpunkt Schorndorf nun vier weitere Impfstützpunkte Fellbach, Welzheim, Murrhardt und Backnang an den Start. Hinzu kommen zahlreiche mobile Aktionen in den Nachbargemeinden. Weitere Termine sind unter www.rems-murr-kreis.de/kiz zu finden.

Auch wenn 206 Menschen am Sonntag in Remshalden „glücklich gemacht werden konnten“, wie Bürgermeister Reinhard Molt im Nachgang berichtet – Kritik war rund um die mobile Impfaktion ebenso laut geworden. Sogar 20 Platzverweise hatte die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes am Ende der Impfaktion an uneinsichtige Wartende verteilen müssen. Die zuletzt verbliebenen Impfanwärter hatten es einfach nicht wahrhaben wollen, dass nach der Verimpfung von 206 Dosen kein Impfstoff mehr zur Verfügung stand.

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