Remshalden

Zwei Freunde aus Remshalden entwickeln Münchner Gin "MuniG"

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Haben sich in München mit ihrem Gin etabliert: Jochen Zeyher (l.) und Thomas Kurzenberger (r.), die aus Buoch stammen. © Privat

Zwei Buocher mischen in München die Destillats-Szene auf. Jochen Zeyher und Thomas Kurzenberger kennen sich seit 40 Jahren. Im Kindergarten balgten sie gemeinsam, in der Grundschule teilten sie sich einen Tisch, kickten später im selben Fußballverein.

Den ein oder anderen Urlaub verbrachten sie miteinander. Nach dem Studium trafen sie sich 2010 in München wieder, der eine als Pilot bei der Lufthansa, der andere als Elektrotechnik-Ingenieur bei BMW.

Probieren, tüfteln und von vorn

Dann zogen die alten Freunde wieder gemeinsam um die Häuser. Ihr Lieblingsgetränk dabei? „Gin, natürlich“, verrät Zeyher. Deshalb bekam er vor wenigen Jahren von seiner Freundin eine Zwei-Liter-Tischdestille geschenkt. „So hat alles angefangen.“

Zeyher und Kurzenberger probierten und tüftelten, kosteten und fingen wieder von vorne an, bis sie zufrieden waren. „Es hat relativ schnell gut geschmeckt“, erinnert sich Kurzenberger. Schon war ihr Forschergeist geweckt und die beiden begaben sich auf die Suche nach der perfekten Rezeptur.

Anfangs: Gin brennen als Ausgleich zu den technischen Berufen

„Wir können von unseren Berufen her nicht sonderlich kreativ sein, da gibt es viele einschränkende Vorgaben, da ist das eine schöne Abwechslung“, findet Jochen Zeyher. Allerdings: Erst als der selbst entwickelte Gin dem eigenen Gaumen so richtig gut gefiel, luden sie Freunde zum Testen ein.

Sofort gingen die ersten Bestellungen ein - denn das Destillat schmeckte den Testern bestens. Damals hatten die beiden noch nicht im Sinn, das Ganze zu vermarkten. Aber so langsam streckten sie dann doch ihre Fühler in diese Richtung aus.

„Uns war aber klar, wir wollen nicht nur den nächsten „normalen“ Gin verkaufen, sondern was ganz Besonderes.“ Erklärtes Ziel sei es gewesen, einen Gin zu produzieren, dessen Geschmack herausragt und nicht nur mit Tonic gemischt, sondern auch pur schmeckt: Zitrusfrüchte – Orange und Zitrone – sorgen für Frische, Blaubeeren und Granatapfel für Aroma und die Kräuter ergänzen alles durch eine würzige Note. Und die Verkaufszahlen geben ihnen recht.

Kräuteranbau auf der Dachterasse eines Hotels

Übrigens: Die benötigten Kräuter – unter anderem Rosmarin, Zitronenmelisse und Verbene, aber auch Blaubeeren – baut Jochen Zeyher auf dem Dachgarten eines großen Münchner Hotels selbst an. Was sonst an Zutaten noch fehlt, wird auf dem örtlichen Großmarkt zugekauft.

Nun musste noch das Gewand des Gins geklärt werden. „Man kann den Gin ja nicht einfach in der Sprudelflasche verkaufen, das muss ja auch nach was aussehen“, erklärt Zeyher die Bemühungen. Klar war ihnen, ein Gin, der aus München – der Hauptstadt der Biere – kommt, braucht etwas Rustikales. So kam’s zu der Idee, den Gin in Tonflaschen zu füllen - in Anlehnung an die Krüge, aus denen in der neuen Heimatstadt der Buocher Bier maßgeblich getrunken wird.

Namens-Tüftelei 

Und auch im Namen sollte die Herkunft gleich zu erkennen sein. Jochen Zeyher fiel der endlich beim Joggen ein. „Munig“ sollte das Destillat heißen. Vorwärtsgelesen ist „Munich“, also englisch für München zu erkennen, rückwärts das Wort „Gin“: und zwar in goldenen Lettern auf der schwarzen Tonflasche, hinterlegt von einer goldenen Raute - ein Verweis auf die blau-weißen Rauten des bayerischen Wappens.

Ihre ersten Kunden waren begeistert und wollten mehr. Aber mit der geschenkten Zwei-Liter-Destille kamen sie nicht weit. Und so machten sie sich auf die Suche nach einem Kooperationspartner. Fündig wurden sie schnell in einer kleiner Hofbrennerei, deren Chef im gleichen Alter wie die beiden Gin-Neulinge ist, und der erstaunt von der Qualität des Getränks der Quereinsteiger war. Er brennt für sie nun nach der eigenen, geheimen Rezeptur die benötigten Mengen Gin.

Rezept ist streng geheim

Sie bringen die 22 Zutaten fertig abgewogen zur Brennerei, die erledigt den Rest. In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben sie derart schon viele Tausend Flaschen verkauft – allerdings wie viele genau, das mögen sie nur ungern verraten.

„Generell arbeiten wir so, dass wir unseren Vertrieb immer versuchen zu steigern“, erklärt Zeyher. Womöglich, so die Idee, wird’s irgendwann mal ein lukrativer Nebenjob, für den die anderen Arbeitsverhältnisse reduziert werden können. Die Corona-Pandemie allerdings hat die beiden bei diesem Vorhaben anfänglich ein wenig ausgebremst, schließlich waren die Bars und Restaurants lange Zeit geschlossen.

So konzentrierten sich die beiden zunächst auf Lebensmitteleinzelhändler. Inzwischen aber seien sie schon in etlichen Bars untergekommen. „Das hat sich in den letzten Monaten ganz viel weiterentwickelt.“

Zwei weitere Sorten bereits im Auftrag entwickelt

In der bayerischen Landeshauptstadt haben sie sich auf diese Weise schon einen derart bekannten Namen gemacht, dass die Brauerei Giesinger auf sie zukam: ob sie einen Hopfen-Gin für sie entwickeln könnten. Die beiden sagten zu, das Projekt glückte, weshalb dort nun der „Ginsinger“ entsteht, für den das Wasser aus dem Tiefbrunnen der Brauerei kommt. Und dann haben die beiden Wahl-Münchner in Kooperation mit der Brauerei noch den Münchner „Gindl“ entwickelt, der an drei Standorten in der Stadt in Sherry-Fässern reift.

Zwei Buocher mischen in München die Destillats-Szene auf. Jochen Zeyher und Thomas Kurzenberger kennen sich seit 40 Jahren. Im Kindergarten balgten sie gemeinsam, in der Grundschule teilten sie sich einen Tisch, kickten später im selben Fußballverein.

Den ein oder anderen Urlaub verbrachten sie miteinander. Nach dem Studium trafen sie sich 2010 in München wieder, der eine als Pilot bei der Lufthansa, der andere als Elektrotechnik-Ingenieur bei BMW.

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