Rudersberg

50 Jahre Auferstehungskirche: Wie Schlechtbach zu seinem ersten Gotteshaus kam

Auferstehungskirche
Sind zufrieden mit ihrem Kirchengebäude: Der Frauenkreis der Gemeinde und Pfarrer Martin Staber. © Gabriel Habermann

Wenn die Schlechtbacher früher in den Konfirmandenunterricht oder in den Gottesdienst gingen, mussten sie dazu weite Wege auf sich nehmen. Die Mittelschlechtbacher hatten ihre Kirchengemeinde traditionell in Steinenberg, die Unter- und Oberschlechtbacher und Lindentäler wiederum pilgerten sonntags nach Rudersberg.

Eine eigene Kirchengemeinde gab es in dem kleinen Ort lange Zeit nämlich nicht. Schlechtbach wuchs dann nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kräftig, konnte seine Einwohnerzahl von ursprünglich 900 mehr als verdoppeln, bis 1972 sollte sie gar auf 2200 anwachsen. Weswegen 1955 ein Schulhaus und fünf Jahre später ein neues Rathaus gebaut wurde. Nur ein Gotteshaus gab’s in Schlechtbach weiterhin nicht. Mit der Größe wuchs in der damals noch unabhängigen Gemeinde schließlich auch der Wunsch nach einer eigenen Kirche.

Nicht alle waren anfangs von der Idee begeistert

„Die Mittelschlechtbacher waren damals die treibende Kraft“, erinnert sich Waltraud Segl vom Frauenkreis der evangelischen Kirchengemeinde in Schlechtbach. „Die wollten ihre Kinder nicht mehr nach Steinenberg zum Konfirmandenunterricht schicken.“ Im Jahr 1966 gab es schließlich eine Abstimmung in den Schlechtbacher Ortsteilen über die Gründung einer gemeinsamen Kirchengemeinde. Insgesamt sprach sich eine große Mehrheit für die Neugründung aus. Lediglich in Oberschlechtbach wurden die Pläne kritisch beäugt. Dort war zunächst lediglich ein Drittel für eine eigene Schlechtbacher Kirchengemeinde.

Erster Gottesdienst in der Schulaula

Ein Jahr später wurde diese Gemeinde dann auch gegründet. „Am Anfang haben wir in der Schulaula die Gottesdienste abgehalten“, berichtet Waltraud Segl vom Frauenkreis, der schon damals bestand.

Einer, der den Kirchenbau ganz maßgeblich vorangetrieben hat, war Schlechtbachs damaliger Bürgermeister Erich Gronbach, der seit 1950 die Amtsgeschäfte leitete. In der Ortschronik von 1981 äußerte sich der letzte Schultes der Gemeinde zu den Gründen für den Kirchenbau. Nicht wenige Schlechtbacher hätten ja einst den Weg nach Rudersberg in die Kirche angetreten. „Viele aber konnten nicht kommen, weil ihnen der Weg zu weit war.“ Seit der Gottesdienst aber in der Schule stattfand, „hat sich gezeigt, dass viele Gemeindemitglieder lieber zum Gottesdienst kommen, wenn dieser mitten im Ort stattfindet“.

Zwei Standorte standen zur Diskussion

Doch wo die erste Schlechtbacher Kirche stehen sollte, das war damals umstritten. Zur Auswahl standen zwei Standorte: entweder am Friedhof oder auf einem Grundstück westlich der Wieslauf. Die Wahl fiel schließlich auf das Grundstück an der Wieslauf – auch, weil es zentral gelegen und in direkter Nähe zur Grundschule von Schlechtbach war.

Für Martin Stober, den heutigen Pfarrer der Gemeinde, eine im Nachhinein sehr logische und richtige Entscheidung: „Das war die Stelle, wo alle den kürzesten Weg hatten.“ Und da heute in direkter Nachbarschaft auch noch das Bürgerhaus steht, ist es mittlerweile der zentrale Platz in dem Rudersberger Teilort geworden.

„Schlechtbacher waren mit Herz und Hand dabei, um eine Kirche zu bekommen“

Die Bereitschaft, das Kirchengebäude damals auch Wirklichkeit werden zu lassen, sei groß gewesen, erinnert sich Segl. Der Frauenkreis sammelte mit Basaren und Kuchenverkäufen Geld für das Gotteshaus. Vor dem Grundstück habe ein Modell der von Architekt Kurt Marohn gestalteten Kirche gestanden, „da konnte man Geld reinwerfen“. Auch das monatliche Opfer der Gemeinde wurde für den Kirchenneubau gesammelt. Hinzu kamen große Einzelspenden – und nicht zuletzt in der späteren Bauphase auch viel tatkräftiger Einsatz der männlichen Gemeindemitglieder. „Die Schlechtbacher waren mit Herz und Hand dabei, damit sie eine Kirche bekommen“, so Segl. „Das war einfach gut.“

Bronzeskulptur des Künstlers Fritz Nuss

Am 30. Oktober 1971 fand schließlich die Grundsteinlegung für die Kirche statt. Am 23. Juli 1972 wurde sie dann von Pfarrer Hans Oehler unter dem Namen Auferstehungskirche eingeweiht. Eine Bronzeskulptur des Weinstädter Künstlers Fritz Nuss, die Jesus als Auferstandenen zeigt, legt davon Zeugnis ab. Für rund 150 Besucher hat das Kirchengebäude Platz. An Grundsatzdiskussionen über dessen doch recht moderne Architektur mit Sichtbeton, die eher an industrielle Zweckbauten als an barocke Gotteshäuser angelehnt ist, kann sich im Frauenkreis niemand erinnern. Die Akzeptanz war offenbar schnell da.

Bürgermeister Gronbach: Kirche als fester Bestandteil des kulturellen Lebens

Davon berichtet in der Ortschronik von 1981 auch der frühere Bürgermeister Gronbach: „Längst ist die neue Kirche zum festen Bestandteil des kirchlichen und kulturellen Lebens geworden.“ Bereits 1976 habe sie eine neue Orgel erhalten. 1979/80 musste dann der Jugendraum erweitert werden. Ein „erfreulicher Rückblick“ sei das, „dies umso mehr, als der Gottesdienst in der neuen Kirche jeden Sonntag gut besucht ist“.

Heute, nach 50 Jahren, stehen an dem Gebäude zwar Sanierungen an, „das Dach ist fällig“, sagt Pfarrer Stober. An der grundsätzlichen Entscheidung, dem heutigen Teilort von Rudersberg ein eigenes Gotteshaus zu verpassen, bestehen in der Gemeinde indes keinerlei Zweifel.

Festgottesdienst am Sonntag mit dem ehemaligen Vikar und Pfarrer Maile

Und deshalb soll an diesem Sonntag, 30. Oktober, um 10 Uhr, auch ein Festgottesdienst anlässlich des Jubiläums stattfinden. Martin Maile, einst erster Vikar der Auferstehungskirche, später Pfarrer in Rudersberg, wird eine Rede halten. Auch die noch lebenden ehemaligen Pfarrer werden eingeladen sein. Bilder aus der Entstehungszeit werden gezeigt. Und im Anschluss gibt es einen kleinen Ständerling.

Wenn die Schlechtbacher früher in den Konfirmandenunterricht oder in den Gottesdienst gingen, mussten sie dazu weite Wege auf sich nehmen. Die Mittelschlechtbacher hatten ihre Kirchengemeinde traditionell in Steinenberg, die Unter- und Oberschlechtbacher und Lindentäler wiederum pilgerten sonntags nach Rudersberg.

Eine eigene Kirchengemeinde gab es in dem kleinen Ort lange Zeit nämlich nicht. Schlechtbach wuchs dann nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kräftig, konnte seine

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