Rudersberg

Areal der Ölmühle Michelau soll ausgebaut werden - Anwohner kritisieren Pläne

oelmuehle
Die Ölmühle zieht Besucher aus der ganzen Region ins Wieslauftal. © Joachim Mogck

Die historische Ölmühle in Michelau aus dem Jahre 1754 ist ein Besuchermagnet im Wieslauftal. Künftig könnte sie noch mehr Menschen aus der Region anlocken. Denn die Gemeinde plant eine Erweiterung des Gebiets zu einem Freizeitareal.

Was der Gemeinde vorschwebt

Dazu hat die Michelauer Garten- und Freiraumplanerin Simone Weingärtner jetzt eine Ideenskizze vorgelegt und im Gemeinderat präsentiert. Angedacht sind demnach eine Erweiterung des bestehenden Kiosks, ein Biergarten, eine Erneuerung des Spielplatzes, eine kleine Grillfläche, ein Wassertretbecken an der Wieslauf, ein Fahrradparcours für Kinder (naturnah und nicht betoniert), ein großer Spielturm sowie eine große Blumenwiese mit gemähten Inseln für Picknicktische und Liegen. Der Mühlgarten soll zudem aufgewertet und um das Thema essbare oder Ölpflanzen ergänzt werden, um einen Bezug zur Mühle herzustellen.

In der Ideenskizze (hier als pdf-Download) sind auch vier Stellplätze für Wohnmobile vorgesehen. Die gesamte Gestaltung soll möglichst naturnah geschehen und der ländliche Charakter des Areals erhalten bleiben. „Das Areal bietet viel Potenzial für Rudersberger Vereine, Kindergärten und Schulen“, betonte Simone Weingärtner, die selbst zwei Kinder hat. Kinder und Jugendliche könnten bei der Ausführung, die in mehreren Schritten erfolgen soll, beteiligt werden. Dadurch würde sich die Akzeptanz erhöhen.

„Funpark“ oder „sanfte, naturnahe Erweiterung des Areals“?

In der Bürgerfragestunde zu Beginn der Sitzung stieß das Projekt indes auf harsche Ablehnung bei mehreren Anwohnern, die das Vorhaben konsequent als „Funpark“ bezeichneten und ihre Sorge äußerten, dass dadurch nicht nur ein Verkehrschaos, sondern auch Vandalismus und Lärm im ruhigen Michelau drohe. Außerdem wurden der Flächenverbrauch und die finanzielle Belastung für den Gemeindehaushalt kritisiert. Befürchtet wurde außerdem, dass Verwaltung und Gemeinderat hier bereits Nägel mit Köpfen machen und die Bürger vor vollendete Tatsachen stellen. „Wir wollen das net“, fasste ein Anwohner die Stimmung zusammen.

Viel dringender als dieser „Funpark“ seien öffentliche Toiletten in der Gemeinde, meinte eine Anwohnerin. Die Gemeinderäte sollten sich deshalb doch mal überlegen, wofür sie gewählt sind und nicht hintenrum Dinge über die Köpfe der Bürger hinweg beschließen.

Bürgemeister stellt sich vor den Gemeinderat

Woraufhin Bürgermeister Raimon Ahrens sich vor das Gremium stellte: „Ich halte es nicht für angemessen, die Gemeinderäte so anzugehen, und halte es auch für falsch zu behaupten, wir würden Dinge hintenrum eintüten gegen den Willen der Bevölkerung.“ Er stellte klar, dass dies lediglich eine Ideenskizze sei, man diese benötige, um Fördergelder zu beantragen. Und dass am 21. Oktober die Bürger bei einer Infoveranstaltung ihre Wünsche, ihre Kritik und ihre Ideen noch einbringen können, bevor das Gremium über die Weiterentwicklung des Areals entscheide. Die Verwaltung habe zudem in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass sie kompromissbereit sei – und man wolle auch nicht ohne Plan in eine Bürgerbeteiligung gehen.

„Wir wollen am Kiosk ein hochwertiges Angebot haben und mit dem tollen Pächterduo gemeinsam etwas verbessern“, betonte Ahrens. Was den Verkehr betrifft, gebe es Überlegungen, diesen am Bahnhof abzufangen und das Areal selbst nur noch für Fahrrad, Fußgänger und Landwirtschaft zu öffnen. „Die weiteren Punkte werden sich im Rahmen der Vorstellung ergeben.“

Die Befürchtung, dass Jugendliche dort künftig abends für Lärm sorgten, teilte Ahrens nicht. Außerdem wolle man das Areal so anlegen, dass es für die Anwohner nur geringe Beeinträchtigungen gebe. Er verwies zudem darauf, dass Jugendliche ein legitimes Anrecht hätten auf Orte zum Treffen – und dies auch einer der Wünsche aus der jüngsten Jugendbeteiligung gewesen sei. Es handle sich hier auch beileibe um keinen Funpark, sondern um „eine sanfte Erweiterung des Gebiets, für naturnahe Erholung“. Die Gemeinde sei im Moment darum bemüht, die private Fläche in der Mitte des Areals zu tauschen, dann könnte es noch kompakter werden. Alle bisher geplanten Gestaltungen befänden sich auf Flächen in kommunalem Besitz.

Eine Erweiterung "mit Maß und Ziel"

Frank Weller (Freie Wähler) forderte eine Erweiterung „mit Maß und Ziel“. Über die Größenordnung müsse man deshalb diskutieren. Eine Erneuerung der Spielgeräte und ein Zugang zur Wieslauf würden für ihn im Grunde bereits genügen, um das Areal aufzuwerten. Er wollte zudem wissen, welche Kosten auf die Gemeinde zukommen. Rund 140 000 Euro könnte der erste Abschnitt mit den Bereichen Spielen und Entspannen kosten, antwortete Ahrens. Davon wäre die Hälfte der Summe förderfähig.

Bei späteren Abschnitten (etwa den Wohnmobilstellplätzen oder der Kioskerweiterung), könne man das noch nicht so genau abschätzen. Das hänge dann von der konkreten Ausgestaltung ab, sei aber auch nicht Gegenstand des geplanten ersten Förderantrags.

Eine Chance, die genutzt werden sollte

Ob die Entscheidung für den Förderantrag denn Bindungswirkung habe, wollte Eberhard Layer (Freie Wähler) mit Blick auf die Bürgerbeteiligung wissen. „Wir bekommen nicht mehr, als wir beantragt haben. Und wenn wir weniger machen, bekommen wir auch weniger“, antwortete Ahrens.

Alexander Beck (Rudersberger Bürger) meinte: „Ich finde, wir haben schon oft genug über die Ölmühle diskutiert, es war uns allen klar, wir müssen etwas machen - in diesem Zusammenhang ist diese Ideenskizze ein Anfang.“ Einer, an dem man sicherlich noch etwas verändern müsse, etwa beim Verkehrskonzept. „Wir haben aber jetzt die Chance, an dieser Stelle etwas zu entwickeln.“ Und die sollte auch genutzt werden.

Bogusch: Zu viel Flächenverbrauch und drohende Verkehrskonflikte

„Man kann über so ein großes Projekt inhaltlich streiten. Was wir überhaupt nicht machen dürfen ist, persönlich zu werden", mahnte Wolfgang Bogusch (Rudersberger Bürger). Dass etwas für Kinder und Freizeitgestaltung getan werde, sei gut. „Für mich ist es aber insgesamt zu viel Flächenverbrauch“, kritisierte Bogusch, der auch die Verkehrsproblematik noch nicht gelöst sieht. „Es fahren dort schwere landwirtschaftliche Maschinen, über den Weg hinweg gibt es verbindende Elemente, wenn Kinder dann rennen, da habe ich Angst.“ Außerdem sei in dem Umfeld ja auch noch ein Scheunengebiet geplant, da gebe es einen Konflikt. „Die räumliche Gestaltung ist nicht für eine solche Erweiterung gemacht“, meinte er. Und „wir hätten zuerst die Bürgerversammlung machen sollen“. Denn „über viele Details müssen wir echt miteinander streiten - aber anständig!“

Bürgerbeteiligung findet am 21. Oktober in Michelau statt

Rudolf Scharer, als Ortsvorsteher von Schlechtbach auch für Michelau zuständig, sagte, er sei froh, dass nun die Bürger beteiligt werden. Man dürfe jetzt aber nicht in den typisch deutschen Reflex verfallen und gleich das Allerschlimmste befürchten. Im Ortschaftsrat gebe es bereits einen gewissen Grundkonsens über dieses Gebiet.

Aus jedem Konflikt könne man immer eine Chance generieren, meinte Robert Schuler (CDU), der auf ein konstruktives Feedback der Bürger hofft. „Wenn man das bekommt, führt das auch zur Akzeptanz in der Zukunft.“

Lisa-Maria Funke (Rudersberger Bürger) meinte „grundsätzlich kann und darf da etwas passieren und grundsätzlich fände ich es schön, wenn auch die Anwohner etwas davon haben“.

Und Frank Bossert (SPD) sagte, um die Lärmbelästigung zu reduzieren, müssten die Parkplätze weiter von dem Areal weg platziert werden, „dann haben wir schon ein großes Stück gelöst“.

Der Gemeinderat nahm die Ideenskizze von Simone Weingärtner schließlich (auf Antrag des RB-Rats Martin Fries) lediglich zur Kenntnis, erteilte aber einstimmig seine Zustimmung zu dem Förderantrag und der Bürgerbeteiligung am 21. Oktober.

Die historische Ölmühle in Michelau aus dem Jahre 1754 ist ein Besuchermagnet im Wieslauftal. Künftig könnte sie noch mehr Menschen aus der Region anlocken. Denn die Gemeinde plant eine Erweiterung des Gebiets zu einem Freizeitareal.

Was der Gemeinde vorschwebt

Dazu hat die Michelauer Garten- und Freiraumplanerin Simone Weingärtner jetzt eine Ideenskizze vorgelegt und im Gemeinderat präsentiert. Angedacht sind demnach eine Erweiterung des bestehenden Kiosks, ein Biergarten,

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